Änderung der Impfreihenfolge

Corona-Impfung: Reihenfolge ändern! Hammer-Forderung von Hausärzte-Chef

Der Chef des Hausärzteverbandes fordert, jüngere Altersgruppen vorzuziehen und somit die Impfreihenfolge in Deutschland im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu ändern.

Der Chef des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, fordert im Kampf gegen die Corona-Pandemie eine Änderung der Impfreihenfolge. Dabei denkt der Hausärzte-Chef allerdings nicht etwa an die Altersgruppe von 16- bis 60-Jährigen, sondern direkt noch weiter: „Wir müssen uns schnell darüber Gedanken machen, wie wir mit den 6- bis 16-jährigen Kindern und Jugendlichen umgehen. Sie sind die mobilste Altersgruppe, haben die meisten Kontakte – sollen bisher aber als letzte geimpft werden. Das ergibt keinen Sinn, gerade auch mit Blick auf die aktuelle Zunahme der Infektionen in den Kitas und Schulen“, sagte Ulrich Weigeldt gegenüber der WirtschaftsWoche.

„Deshalb sollte die jüngste Altersgruppe vorgezogen werden, beispielsweise vor den 50- bis 60-Jährigen, denen es nicht so viel ausmachen dürfte, sich noch etwas länger einzuschränken und Couch-Potato zu sein“, erklärte Weigeldt. Das dürfte wohl für Diskussionen sorgen, wenn man bedenkt, dass Kinder eine Corona-Infektion in den meisten Fällen besser wegstecken und die Wahrscheinlichkeit, an einer Infektion zu sterben, bei Älteren viel größer ist.

Chef des Hausärzteverbandes will Kinder bei Corona-Impfungen vorziehen

Zudem sind die Studien, ob Kinder und Jugendliche ebenfalls mit den Corona-Impfstoffen von beispielsweise BioNTech geimpft werden können, noch gar nicht abgeschlossen. Auch wenn entsprechende Studien bereits laufen und BioNTech schon erste Ergebnisse präsentiert hat, dürfte eine Zulassung des Impfstoffes für Kinder und Jugendliche in Deutschland noch etwas dauern. In den USA prüft die Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) derzeit eine Zulassung von BioNTech ab 12 Jahren* – eine Zulassung für noch jüngere Kinder ist bislang außer Sicht.

„Ich rechne mit einer früheren Zulassung als 2022“, sagte Weigeldt dennoch. Auch wenn eine Zulassung für Kinder und Jugendliche bereits Ende 2021 möglich sein sollte, dürfte eine Änderung der Impfreihenfolge beinahe schon irrelevant werden. Denn die Bundesregierung setzt weiterhin darauf, jedem Erwachsenen bis Herbst ein Impfangebot* machen zu können.

Corona-Impfungen für jüngere Altersgruppen: Pandemie belastet die Kinder

Als Begründung für seine Forderung einer Änderung der Impfreihenfolge sagt der Chef des Hausärzteverbandes gegenüber der WirtschaftsWoche: „Der Kindernotruf verzeichnet 30 Prozent mehr Anrufe als vor der Pandemie, die Kinder leiden unter den Schulschließungen*. Deshalb sollten wir die Debatte um die Priorisierung nicht erst dann führen, wenn die Studien durch sind, sondern vorbereitet sein.“

Nicht vergessen werden darf an dieser Stelle allerdings, dass Erwachsene unter der aktuellen Situation ebenfalls leiden. Jüngere Kinder können die aktuelle Situation nur teilweise verstehen, was selbstverständlich auch belastend ist – Erwachsenen hingegen ist die gesamte tragische Tragweite der Pandemie bewusst. Perspektivlosigkeit ist bei Erwachsenen ebenso ein Problem wie bei Kindern. Zudem haben nicht alle Eltern die Möglichkeit, ins Homeoffice zu gehen und sind somit ebenfalls zahlreichen Kontakten ausgesetzt.

Gesundheitsstudie des BMBFs zeigt: Mehr Depressive in allen Altersgruppen

Auch Erwachsenen fehlen soziale Kontakte und das Ausbleiben dieser geht nicht spurlos an ihnen vorbei – die Zahl der psychisch Erkrankten hat in allen Altersgruppen zugenommen, vor allem bei den unter 60-Jährigen, wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mitteilt.

Wo bekomme ich bei einer Depression Hilfe?

Die beste Anlaufstelle ist der Hausarzt oder Kinderarzt, der Sie gegebenenfalls an einen Psychotherapeuten oder Psychiater überweist. Wer bei Wunsch auch anonym dringend jemanden zum Reden braucht, kann sich jederzeit an die kostenlose Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 wenden. Für Jugendliche gibt es zudem die Jugendnotmail unter www.jugendnotmail.de.

Bei medizinischen Notfällen sollte unbedingt der Notruf über die 112 gewählt werden.

„Unter-60-Jährige berichteten demzufolge über zugenommene Symptome von Angst und Depressionen, junge Frauen besonders stark. Aber auch der Anteil derjenigen mit moderat bis schwer ausgeprägten depressiven Symptomen stieg insgesamt von 6,4 auf 8,8 Prozent an. Die Befragung ergab außerdem, dass selbst-empfundener Stress in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern zunahm“, heißt es in einer Pressemitteilung des BMBFs zur NAKO Gesundheitsstudie.

Altersgrenze für AstraZeneca in Hausarztpraxen einiger Bundesländer aufgehoben

Immerhin - was alle Personen ab einem Alter von 16 angeht, gibt es in einigen Bundesländern bereits die Möglichkeit, sich frühzeitig impfen zu lassen. Der bayrische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) teilte in München am Dienstag mit: „Die Priorisierung bei AstraZeneca ist ab sofort aufgehoben, der Impfstoff kann in den Arztpraxen auch Personen unter 60 Jahren angeboten werden.“ Zuvor hatten bereits Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen die gleiche Entscheidung getroffen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Die Priorisierung bei AstraZeneca ist bereits in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen aufgehoben. Das bedeutet, alle ab 16 Jahren dürfen sich bei Wunsch mit dem britischen Vakzin impfen lassen. (Symbolbild)

Der Minister sagte weiter: „Die Ärzte kennen ihre Patienten gut und wissen, wem sie aus dem Kreis der unter 60-Jährigen unter Berücksichtigung der Vorgaben der Ständigen Impfkommission ein Impfangebot mit diesem Wirkstoff machen können – und beraten hierzu ausführlich.“ Dieses besondere Vertrauensverhältnis solle genutzt werden, „denn jede Dosis Impfstoff muss möglichst rasch verimpft werden“, betonte Holetschek.

Wegen sehr seltener Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) soll der AstraZeneca-Impfstoff in Deutschland seit dem 31. März in der Regel nur noch bei Menschen ab 60 Jahren eingesetzt* werden. Unter 60-Jährige können sich allerdings „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“ weiterhin damit impfen lassen.

Hausärzte-Chef fordert Änderung der Impfreihenfolge: Impfung ab 16 Jahren bereits möglich

Sowohl in den Impfzentren, durch mobile Teams, als auch in den Arztpraxen könne AstraZeneca unabhängig vom Alter oder der Impfreihenfolge verabreicht werden. „Auch Hausärzte haben auf diese Weise die Möglichkeit, den Impfstoff für ein größeres Spektrum an Patienten zur Verfügung zu stellen“, sagte Minister Harry Glawe (CDU) aus Mecklenburg-Vorpommern laut einer Mitteilung.

„Die Freigabe ist ein Angebot, dass diejenigen, die keine oder wenige Vorbehalte gegen den Impfstoff haben, die Möglichkeit nutzen können, sich gegen das Coronavirus auch impfen zu lassen. Ziel ist es weiter, dass kein Impfstoff liegen bleibt und wir weiter beim Durchimpfen der Bevölkerung vorankommen“, betonte Glawe. Eine solche Aufhebung der Priorisierung für den AstraZeneca-Impfstoff ist auch in anderen Bundesländern mögich. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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