Kampf gegen Corona

Nationaler Impfplan kommt! Chaos soll durch diese Maßnahmen ein Ende haben

  • Julia Thielen
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Beim Impf-Gipfel mit Angela Merkel und den Ministerpräsidenten ging es heiß her. Am Ende einigten sich Bund und Länder auf einen nationalen Impfplan.

  • Am Montag (1. Februar) trafen sich Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten zum Impf-Gipfel.
  • Die Impfstrategie in Deutschland stand zuletzt massiv in der Kritik.
  • Mit einem nationalen Impfplan soll Struktur ins undurchsichtige Chaos gebracht werden.

Nationaler Impfplan: Mit diesen Maßnahmen soll das Chaos beendet werden

Update, 2. Februar: Nach dem Impf-Gipfel ist vor dem Impfplan. So sieht es das Ergebnis des Bund-Länder-Treffens gemeinsam mit Vertretern der Impfstoffhersteller vor. Der sogenannte nationale Impfplan kommt. Und mit ihm endlich Struktur im Chaos der deutschen Impfstrategie? Die hatte zuletzt massiv in der Kritik gestanden, weil Lieferengpässe und Probleme bei Terminvergaben zu einem schleppenden Verlauf der Corona-Impfungen im Land geführt hatten.

Vorausgegangen war der Entscheidung zu einem nationalen Impfplan ein mehrere Stunden andauerndes Tauziehen zwischen Bund, Ländern und Impfstoffherstellern. Erstere wollen Planungssicherheit, letztere können nach eigener Aussage nur zusichern, was sie auch garantiert liefern können. Und das sei nicht weit im Voraus absehbar. Trotzdem einigten sich die Parteien letztlich darauf, sich in Sachen Lieferungen besser absprechen zu wollen.

Nationaler Impfplan: Was auf dem Impf-Gipfel mit Merkel und Länderchefs beschlossen wurde

„Die Hersteller haben uns auch gesagt, es kann immer wieder in der Produktion etwas auftreten, was sie nicht voraussehen. Aber ich glaube, die Zahlen für die Quartale haben im Großen und Ganzen schon eine große Relevanz“, erklärte Angela Merkel. Mit den Quartalszahlen soll der nationale Impfplan nun besser aufschlüsseln, wann die einzelnen Impfgruppen mit einem Termin rechnen können. An ihrem Versprechen, dass bis Ende September alle Erwachsenen in Deutschland ein Angebot zur Corona-Impfung erhalten könnten, hielt die Kanzlerin beim Impf-Gipfel fest.

Insgesamt sollen auch mit den aktuell zugelassenen Impfstoffen 73 Millionen Menschen in Deutschland eine Corona-Impfung erhalten können. Entlasten würde die Situation, wenn die zu erwartenden weiteren Vakzine - von Johnson&Johnson und von Curevac - eine Zulassung erhielten.

Nationaler Impfplan: So soll das Chaos der Corona-Impfungen beendet werden

Auf der Grundlage der aktuell genannten Lieferumfänge der Impfstoffhersteller soll nun der nationale Impfplan bis zum nächsten Bund-Länder-Treffen erstellt werden. Die Bundesländer sollen so eine verlässliche Planung für die jeweils mindestens nächsten sechs Wochen durchführen können. Damit soll das in der Kritik stehende Impf-Chaos ein Ende haben. Allerdings dürfte das noch bis zum zweiten Quartal 2021 dauern.

Impf-Gipfel: Merkel macht Hoffnungen auf Durchimpfung bis „Ende des Sommers“

Update, 1. Februar, 19:30 Uhr: Es geht nicht wirklich schneller, aber es ist richtig so. Das ist das Signal, das Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Impf-Gipfel aussendet. Nach den Beratungen mit Vertretern der Impfstoffhersteller und den Ministerpräsidenten soll gesichert sein, dass „nach jetzigem Stand, bis Ende des Sommers am 21. September, jedem Bürger ein Impfangebot“ gemacht werden kann.

An der nationalen Impfstrategie wollen Bund und Länder zunächst nicht rütteln. Vor allem die Priorisierung der Impfgruppen soll bestehen bleiben, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Allerdings soll die Impfstrategie um einen „nationalen Impfplan“ erweitert werden. Diesen hatte unter anderem Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller vor dem Impf-Gipfel gefordert.

Impf-Gipfel: Keine schnelle Lösung bei Impfstoffbeschaffung - Ziel bleibt ambitioniert

Der Impfplan soll bessere Planungen ermöglichen. Demnach hätten Bund und Länder den Herstellern klar gemacht, dass jede Woche Planungszeit im Voraus von Bedeutung sei. Die Hersteller der Corona-Impfstoffe hätten ihrerseits aber auch zum Ausdruck gebracht, dass sie nur das versprechen könnten, was sie auch tatsächlich absehen können.

Kanzlerin Merkel verteidigte bei der Pressekonferenz nach dem Impf-Gipfel diese Sichtweise und bat um Verständnis für den bislang schleppenden Impfverlauf in Deutschland. „Es gibt auch Gründe dafür“, erklärte Merkel mit Blick auf andere Länder wie die USA, Großbritannien oder Israel. Man habe eine Verantwortung gegenüber den Bürgern und sich in der EU bewusst gegen eine Notfallzulassung entschieden.

Auch mit dem nun beschlossenen Impfplan würde es deshalb noch „Monate dauern“ bis eine Entlastung bei der Impfstoffbeschaffung spürbar werde, erklärte Müller. Immerhin: Bis zum 23. Februar will zumindest Biontech genaue Angaben zu den Liefermengen seines Corona-Vakzins machen. An der Aussage, dass bis Ende September jeder, der will, eine Impfung erhalten könnte, hält man laut Merkel fest.

Impf-Gipfel: Interne Papiere versprechen Großes - Streit um diesen Punkt

Update, 1. Februar, 19:03 Uhr: Schon seit mehr als fünf Stunden beraten sich die Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin im weiteren Vorgehen bei der Impfstrategie in Deutschland. Noch ist offenbar keine Einigung beim Impf-Gipfel in Sicht. Besonders in einem Punkt reden sich die Beteiligten wohl die Köpfe heiß. „Es gibt Streit“, hieß es bei ntv.

Demnach steht die Frage im Raum, ob eine nationale Impfkommission die vielen Probleme rund um die Corona-Impfungen beheben könnte. Indem zum Beispiel Impftermine nicht mehr von den Menschen selbst per Anruf bei den Hotlines gemacht, sondern einfach vorgegeben würden. Doch damit seien laut ntv nicht alle einverstanden. Insbesondere Kanzlerin Angela Merkel und Bayern-Chef Markus Söder sind offenbar gegen eine solche Kommission.

Merkel und Länderchefs heute beim Impf-Gipfel: Ministerpräsidenten mit deutlicher Forderung

Update, 1. Februar, 16:35 Uhr: Am Montagnachmittag findet der nächste Bund-Länder-Gipfel statt. Dieses Mal geht es jedoch nicht um neue Maßnahmen oder eine Verlängerung des Lockdowns, sondern um die Impfstrategie. Die ersten Wochen seit dem Impfstart wurden von Lieferschwierigkeiten einzelner Hersteller, Problemen bei der Terminvergabe und viel Unmut über fehlenden Impfstoff begleitet.

Von mehreren Ministerpräsidenten sowie Verbänden wie dem Deutschen Städtetag kam daher in den letzten Tagen vermehrt die Forderung nach mehr Klarheit über Menge und Zeitpunkt der Impfstoff-Lieferungen. So soll laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) die Planung der Impfzentren erleichterter werden.

Impf-Gipfel: Forderung nach mehr Klarheit - Kritik an Impfstoff-Herstellern

Zudem wurde mehr Klarheit über Zeitpläne, Prioritäten für Bevölkerungsgruppen und verfügbare Impfstoffe gefordert. Berlins Regierender Oberbürgermeister Michael Müller (SPD) sprach sich in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel sogar für einen „nationalen Impfplan“ aus.

Doch auch die Hersteller der Impfstoffe gegen das Coronavirus stehen in der Kritik. „Ich bin schockiert über den Mangel an Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein bei einigen Herstellern. Es geht hier nicht um Schokolade, sondern um ein Produkt, an dem Existenzen und der Zusammenhalt der Gesellschaft hängen“, erklärte SPD-Chef Norbert Walter-Borjans gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Impf-Gipfel: Hersteller stellen mehr Impfstoff in Aussicht

Unmittelbar vor dem „Impf-Gipfel“ stellen die Hersteller laut Informationen der dpa zudem weitere Lieferungen in Aussicht. Wie eine neue Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums - die der dpa vorliegt - zeigt, sollen Lieferungen des Impfstoffs gegen das Coronavirus in Deutschland deutlich anziehen.

Demnach sollen im aktuell laufenden ersten Quartal 18,3 Millionen Impfstoffdosen geliefert werden. Diese Zahl soll auf voraussichtlich 77,1 Millionen Dosen im zweiten Quartal und 126,6 Millionen Dosen im dritten Quartal ansteigen. Im vierten Quartal sollen dann noch einmal bis zu 100,2 Millionen Dosen hinzukommen.

Impf-Gipfel heute mit Merkel und Länderchefs: Kritik an Impfstrategie

Erstmeldung, 1. Februar: Die Erwartungen sind hoch. Beim Impf-Gipfel zwischen Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Bundesländer soll die in der Kritik stehende Impfstrategie diskutiert werden. Doch schon jetzt herrscht dicke Luft. Nicht nur wegen des mehr als holprigen Ablaufs bei den Corona-Impfungen, sondern auch, weil der Gesundheitsminister bereits die Hoffnungen auf eine Besserung dämpft. Trotzdem versprechen interne Papiere Großes.

Das „Bund-Länder-Fachgespräch zur Impfversorgung“, wie der Termin von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten offiziell heißt, findet am Montagnachmittag per Videokonferenz statt. Auch Vertreter der Impfstoffhersteller sowie einiger Verbände nehmen am Impf-Gipfel teil und diskutieren über die Gründe - und mögliche Lösungen - der schleppend verlaufenden Corona-Impfungen. Im Fokus stünden „Lage, Ziele und das weitere Vorgehen“, wie Gesundheitsminister Jens Spahn via Twitter ankündigte.

LandDeutschland (Stand: 1. Februar)
Corona-Infizierte2.221.971
7-Tages-Inzidenz90,9
Corona-Tote57.120

Vorausgegangen war dem Impf-Gipfel schon länger massive Kritik an den seit dem 27. Dezember stattfindenden Corona-Impfungen in Deutschland. Das Problem unter anderem: Lieferengpässe. „Vor Weihnachten hieß es noch, alles wird besser, fast zwei Monate später steht bei uns immer noch die große Anlaufstation mit vier Impfstraßen leer“, erklärte beispielsweise Stephan Pusch im Interview mit Focus Online.

Beim Impf-Gipfel mit Kanzlerin Merkel und den Länderchefs wird es um das weitere Vorgehen bei den Corona-Impfungen gehen.

Der CDU-Landrat des Landkreises Heinsberg, der zu Beginn der Corona-Pandemie stark betroffen war, sagte über die Impftermine für über 80-Jährige in Nordrhein-Westfalen es herrsche „das reinste Chaos“. Ähnlich sah es beispielsweise auch bei den Impfzentren in Baden-Württemberg aus.

Impf-Gipfel: Merkel und Länderchefs sprechen heute über weitere Maßnahmen

Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller schlug vor dem Impf-Gipfel in die gleiche Kerbe und forderte einen verlässlichen Fahrplan für Impfstofflieferungen aufzustellen. Zahlreiche weitere Politiker und Verbandsvertreter hatten ebenfalls auf mehr Klarheit über Zeitpläne, Prioritäten für Bevölkerungsgruppen und verfügbare Impfstoffe gepocht.

Befeuert hatten die Diskussion um eine vermeintlich schlechte Impfstrategie in Deutschland mehrere Hiobsbotschaften vor dem Impf-Gipfel. So hatten Moderna und AstraZeneca mitgeteilt, jeweils weniger Impfstoff als angekündigt zu liefern. Das Vakzin von AstraZeneca wird in Deutschland von der Ständigen Impfkommission zudem nur für Personen zwischen 18 und 64 Jahren empfohlen. In Norwegen gibt es nach Todesfällen sogar eine Warnung für bestimmte Personen im Zusammenhang mit dem Impfstoff von Biontech.

Der Impf-Gipfel soll nun Klarheit bringen. Doch schon jetzt dürfte die Stimmung weiter gesunken sein. Denn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dämpfte die Hoffnungen bereits im Vorfeld des Treffens. „Auch ein Impf-Gipfel wird es nicht schaffen, dass etwas so Komplexes wie Impfstoffproduktion auf einmal in zwei Wochen zu hunderten oder zig Millionen stattfindet.“

Vor Impf-Gipfel: Miese Stimmung, aber auch eine gute Nachricht

Dennoch gab es vor dem Impf-Gipfel am heutigen Montag auch eine gute Nachricht: Im EU-Konflikt mit AstraZeneca gab es seitens des Unternehmens einen kleinen Schritt in Richtung Versöhnung. Statt der ursprünglich angekündigten 80 Millionen Dosen will das Unternehmen nun 40 Millionen Dosen liefern - zwar immer noch nur die Hälfte, aber zumindest neun Millionen mehr als zunächst erklärt.

Neben dem Streit über die richtige Strategie bei den Corona-Impfungen dürfte es beim Impf-Gipfel aber auch um den weiteren Plan von Bund und Ländern zur Bekämpfung der Corona-Pandemie generell gehen. Mögliche Lockerungen dürften trotz sinkender Infektionszahlen nicht auf dem Plan stehen - stattdessen ist dagegen sogar eine weitere Verlängerung des Lockdowns denkbar, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten.

Rubriklistenbild: © Eric Lalmand/BELGA/dpa

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