Gibt es ein Recht auf Arbeiten von zu Hause aus?

Keine Homeoffice-Pflicht mehr: Darf ich mich weigern, ins Büro zu kommen?

  • Lisa Klein
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So wie viele Corona-Maßnahmen ist auch die Homeoffice-Pflicht inzwischen Geschichte. Dürfen sich Arbeitnehmer trotzdem weigern, ins Büro zu kommen?

Die Homeoffice-Pflicht gilt seit dem 20. März nicht mehr. Für manche ist es eine Erleichterung, endlich wieder regelmäßiger oder gar vollständig ins Büro zurückkehren zu können und dürfen. Für andere ist es eine große Umstellung – denn Homeoffice bringt doch einige Vorteile mit sich. Manche würden gerne dauerhaft im Homeoffice bleiben oder ein hybrides Modell bevorzugen. Doch was bedeutet eigentlich das Ende der Homeoffice-Pflicht konkret? Dürfen sich Arbeitnehmer weigern, wieder ins Büro zu kommen? Gibt es ein Recht auf Homeoffice?

Die Homeoffice-Pflicht wurde eingeführt, um Kontakte zu reduzieren und Infektionen mit dem Coronavirus vorzubeugen. Arbeitgeber wurden gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Mitarbeitenden Homeoffice zu ermöglichen, wenn es generell möglich ist, die Arbeit auch von Zuhause aus zu machen, solange keine betrieblichen Gründe dagegen sprechen. Diese Pflicht gibt es nun seit dem 20. März 2022 nicht mehr. Das bedeutet, dass Arbeitgeber nicht mehr die Option auf Homeoffice anbieten müssen, auch wenn das generell möglich wäre.

Homeoffice-Pflicht vorbei: Darf ich mich trotzdem weigern, ins Büro zu kommen?

Denn: Arbeitgeber haben ein sogenanntes Weisungsrecht. „Gegenstand des Weisungsrechts ist Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung“, heißt es in einem Artikel von Dr. Kluge Rechtsanwälte. Das Weisungsrecht erlaubt es Arbeitgebern, ihre Mitarbeiter anzuweisen, wieder ins Büro zurückzukommen. Dieser Anweisung müssen Arbeitnehmer nachkommen, ansonsten könnte schlimmstenfalls eine Kündigung drohen.

Selbstverständlich darf jeder Arbeitgeber seinen Mitarbeitenden weiterhin die Möglichkeit auf Homeoffice bieten – ein Anspruch vonseiten der Arbeitnehmenden besteht jedoch nicht. Wer also weiterhin von Zuhause arbeiten möchte, kann seinen Arbeitgeber zwar darum bitten, dieser kann, muss allerdings nicht zustimmen.

Ende der Homeoffice-Pflicht: Arbeitsminister fordert optionales Arbeiten von zu Hause

Tatsächlich könnte sich das allerdings künftig ändern. Unabhängig von der Pandemie wollen viele Beschäftigte dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zufolge weiterhin auch von zu Hause aus arbeiten, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Viele Menschen wollten „flexibel arbeiten in einem gesunden Mix aus mobiler Arbeit und Präsenz im Büro“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. 

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sprach sich in den Zeitungen dafür aus, grundlegende Konsequenzen aus der coronabedingten Homeoffice-Pflicht zu ziehen. Von zu Hause zu arbeiten, sei für Millionen von Menschen zur neuen Normalität geworden. Heils Pläne sehen vor, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten künftig das Arbeiten von zu Hause aus rechtlich ermöglichen müssen – es sei denn, betriebliche Gründe sprechen dagegen. Beschäftigte müssten dies aber in jedem Fall künftig mit den jeweiligen Vorgesetzten „erörtern“ können.

Rubriklistenbild: © South_agency/dpa

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