„Das ist geschmacklos“

Greta Thunberg als Kostüm-Trend? Klimaaktivisten zeigen sich pikiert - Anbieter äußert sich

  • Antonio Riether
    vonAntonio Riether
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Jedes Jahr erobern neue Faschings-Trends den Kostüm-Markt. Dieses Jahr scheint der Greta Thunberg-Look angesagt zu sein, was viele Klimaaktivisten empört. Die Hersteller sehen es gelassen.

  • Viele Kostümanbieter werben dieses Jahr mit einem Greta Thunberg-Kostüm.
  • Klimaaktivisten sind empört und fühlen sich nicht ernst genommen.
  • Ein Hersteller aus der Schweiz verteidigt sein Angebot.

Es scheint, als hätten die klassischen Faschings- oder Karnevalskostüme ausgedient. Cowboy, Clown oder Superheld - das war einmal. Heute gilt: je aktueller das Kostüm, desto besser. An einer bestimmten Verkleidung scheinen dieses Jahr viele Menschen Gefallen zu finden - und etwa genauso viele finden sie unangebracht: Greta Thunberg heißt der neue Karnevals-Trend, der die Meinungen spaltet.

Greta Thunberg als Kostüm-Trend: Hersteller verhöhnt Klimaaktivistin mit Beschreibungstext

Vor allem am Rhein gilt eigentlich „Narrenfreiheit“ während der Karnevalszeit - doch ist es in Ordnung, wenn Kostüm-Herstellern Profit aus einer minderjährigen Person schlagen? Die junge Klimaaktivistin ist längst weltbekannt, was für viele Menschen einen Anlass dazu darstellt, sich wie die Aktivistin anzuziehen.  

Das Greta-Outfit wird mit einem kuriosen Text beworben.

„Ob uns die Entschuldigungen ausgehen oder die Zeit, ob am nächsten Klimastreik oder der nächsten Kostümparty - mit dieser Perücke wirst du auf jeden Fall alle Blicke auf dich ziehen!“, bewirbt der Schweizer Online-Versandhandel „Funshop“ ein Thunberg-Outfit aus seinem Sortiment. 

Zahlreiche Hersteller werben derzeit mit Greta-Outfits oder Perücken mit den charakteristischen Zöpfen. Während einige Anbieter den Produkten unauffällige Namen, wie beispielsweise „lange Flechtfrisur“ geben, sind manche offensiver und werben mit Produktnamen wie „Greta Zöpfe am Haarband“ oder „Perücke Greta Aktivistin“. 

Greta Thunberg als Kostüm-Trend: Klimaaktivisten empört - „Klimabewegung wird nicht ernstgenommen“

Viele Klimaaktivisten sind empört und empfinden die angebotenen Kostüme als Spott. Lena Bühler, Mitglied der Medien-Arbeitsgruppe des Klimastreik Schweiz, hat eine klare Meinung zu den Kostümen. „Das Angebot zeigt, dass die Klimabewegung nach wie vor nicht ernst genommen wird“, meint die 16-Jährige gegenüber dem Schweizer Medium 20 Minuten. „Das ist geschmacklos“, wird Bühler zitiert. „Eigentlich müssen wir uns darum kümmern, die Klimakrise zu überwinden.“

Die Meinungen zum Kostüm gehen weit auseinander. Alexandra Gut, Mitinhaberin des Schweizer Online-Shops Fasnachtsartikel.ch verteidigt ihr Sortiment. „Wir haben die Greta-Perücke in unser Angebot aufgenommen, weil Kunden danach fragten“, sagte Gut 20 Minuten. „Die Fasnacht ist immer ein Jahresrückblick. Würde Greta Thunberg als Verkleidung fehlen, wäre dies ein Zeichen dafür, dass die Klimakrise die Leute nicht erreicht hat.“ Das Kostüm ist ihrer Meinung nach also eine Art Bestätigung für Thunbergs Arbeit.

Greta Thunberg als Kostüm-Trend: Deiters-Chef erzählt von geschmacklosen Anfragen für „Flüchtlingskostüm“

Die Menschen, die entsprechende Artikel kaufen, machen dies nicht, um die Aktivistin zu verhöhnen, meint Gut. „Die Leute, die diese Perücke in unserem Laden kaufen, sind gut gelaunte, friedliche Menschen. Mit der Perücke wollen sie einfach aktuell sein.“

Der deutsche Kostüm-Ausstatter Deiters hat da bereits andere Erfahrungen gemacht, wie Geschäftsführer Björn Lindert dem Portal DerWesten berichtet. In verschiedenen Filialen wurde laut Lindert nach einem „Flüchtlingskostüm“ gefragt. Auch „Coronavirus“-Kostüme sollen gefragt sein. Der Deiters-Boss findet jedoch, „das hat im Karneval nichts verloren.“ Deiters bietet ebenfalls Greta-Kostüme an, jedoch verzichtet der Kostüm-Hersteller darauf, den Namen der Schwedin zu nennen.

Greta Thunberg wird auf der nächsten Klima-Demonstration in Deutschland erwartet, wenn Schüler am 21. Februar in Hamburg wieder auf die Straße gehen.

ajr

Rubriklistenbild: © AFP / PONTUS LUNDAHL

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