„Russland, Russland, Russland“

USA sehen „ernste Gefahr“ nach Cyberattacke - Präsident Donald Trump kontert per Twitter

Kapitol in Washington im Morgengrauen. Die US-Regierung ist zum Ziel eines breit angelegten Hacker-Angriffs geworden
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Kapitol in Washington im Morgengrauen. Die US-Regierung ist zum Ziel eines breit angelegten Hacker-Angriffs geworden.

Die Regierung der Vereinigten Staaten ist angeblich Ziel von Cyberangriffen. US-Präsident Donald Trump schweigt erst, meldet sich dann jedoch per Twitter - und wittert eine Kampagne.

  • Die USA werden angeblich von Cyberattacken heimgesucht und wittern eine große Gefahr auch für andere Länder.
  • US-Außenminister Mike Pompeo erhebt Vorwürfe gegen Russland und spricht von einer Geheimdienstoperation.
  • US-Präsident Donald Trump schaltet sich ein - und äußert sich auf seiner Lieblings-Plattform* Twitter.

Update vom 22. Dezember, 22. 23 Uhr: Der zukünftige US-Präsident Biden hat angekündigt dem groß angelegten Hackerangriff auf amerikanische Regierungseinrichtungen nachzugehen. „Ich verspreche Ihnen, es wird eine Antwort geben“, sagte Biden am Dienstag in Wilmington vor Journalisten. „Wir können das nicht unbeantwortet lassen.“ Donald Trump hatte zuvor auf Twitter den Angriff heruntergespielt und China beschuldigt möglicherweise hinter der Cyberattacke zu stecken. Man dürfe nicht „aus überwiegend finanziellen Gründen“ als erstes Russland und nicht China betrachten so der Präsident.

Biden sieht das anders. Er werde die Attacke ernst nehmen. Der Urheber müsse klar benannt und zur Rechenschaft gezogen werden, berichtet die dpa. „Diese Attacke stellt ein ernstes Risiko für unsere nationale Sicherheit dar.“ Er sehe den Angriff nicht unter Kontrolle. Nach ersten Erkenntnissen stecke laut Angaben Bidens Russland hinter der Cyberattacke. Biden verwies damit auf Aussagen des Außenministers, die Trump zuvor dementierte. „Die Trump-Regierung hat es versäumt, Cybersicherheit zur Priorität zu machen“, beklagte Biden darüber hinaus. Sobald er im Amt sei, werde er alles Notwendige tun, um der Frage auf den Grund zu gehen, wie groß das Ausmaß des Angriffes sei und weitere Fragen klären.

Donald Trump spielt Cyberattacke herunter und bringt Chinas ins Spiel - nicht immer Russland

Update vom 19. Dezember, 18.21 Uhr: Der noch amtierende US-Präsident Donald Trump* sieht anders als sein Außenminister Mike Pompeo nicht unbedingt Russland hinter der groß angelegten Cyberattacke auf amerikanische Regierungseinrichtungen - sondern womöglich China. Es werde immer gleich Russland verdächtigt, wenn etwas passiere, schrieb Trump am Samstag auf Twitter, nachdem er tagelang öffentlich zu der Cyberattacke geschwiegen hatte. Dabei könne es möglicherweise auch China sein, doch diese Option werde „aus überwiegend finanziellen Gründen“ nicht diskutiert.

Donald Trump „umfassend informiert“: Russland nach Cyberattacke zu Unrecht verdächtigt?

Pompeo hatte zuvor Russland für die vermeintlich groß angelegte Cyberattacke auf amerikanische Regierungseinrichtungen verantwortlich gemacht. Trump spielte in seinem Tweet auch das Ausmaß und die Gefahr der Cyberattacke herunter. Der Angriff werde in den „lügnerischen Medien“ weit größer dargestellt als er tatsächlich sei. „Ich wurde umfassend informiert, und es ist alles voll unter Kontrolle“, schrieb er.

Die US-Behörde für Cyber- und Infrastruktursicherheit (Cisa) hatte den Hackerangriff auch als „ernste Gefahr“ unter anderem für die Bundesregierung bezeichnet. Trump schreibt in seinem Tweet, dass die „Fake-News“-Presse übertreibe und es finanzielle Gründe hat, dass bei Problemen der Sicherheit immer wieder „Russland, Russland, Russland“ verdächtigt werde.

Cyberangriff auf die USA: Außenminister Pompeo vermutet Russland hinter Attacke

Ursprungsartikel vom 19. Dezember: Washington - Als „ernste Gefahr“ bewertete die US-Behörde für Cyber- und Infrastruktursicherheit (Cisa) den jüngsten Hackerangriff auf amerikanische Regierungseinrichtungen. Am Donnerstag veröffentlichte sie eine Warnmitteilung, dass sich die Abwehr der Attacke voraussichtlich als „hochkomplex“ herausstellen werde. Schon seit März dauert die Cyberattacke an. Der oder die Täter hätten „Geduld, operative Sicherheit und komplexe Handwerkskunst“ bewiesen.

Die Cisa stufte den Angriff als „ernste Gefahr“ auch für die Bundesregierung, für Regierungen von Bundesstaaten und Kommunen, für die kritische Infrastruktur und auch für Organisationen des Privatsektors ein. Die Washington Post und die New York Times hatten berichtet, bei den Angreifern handele es sich um Hacker mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst. Die russische Regierung* hatte das zurückgewiesen.

Es gebe noch immer vieles, das man nicht über den massiven Hackerangriff wisse, erklärten die führenden Senatoren der Republikaner und Demokraten im Verteidigungsausschuss, Jim Inhofe und Jack Reed. „Aber wir wissen, dass der Cyberangriff anscheinend andauert und die Merkmale einer russischen Geheimdienstoperation trägt. Die US-Regierung muss alles tun, um dem entgegenzuwirken.“

Auch US-Außenminister Mike Pompeo hat Russland verantwortlich gemacht. Die Täter hätten demzufolge mit großem Aufwand versucht, über die Software eines Drittanbieters auf die IT-System der Regierung zuzugreifen, sagte Pompeo am Freitag ein einer Radiosendung. Es sei „ziemlich eindeutig“, dass Russland hinter diesen Attacken stecke.

Der amtierende US-Präsident Donald Trump* äußerte sich zunächst nicht zu dem Cyberangriff. Auf seinem Terminplan stand für Freitag ein Treffen mit dem geschäftsführenden Verteidigungsminister Christopher Miller, das aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollte.

Der künftige US-Präsident Joe Biden* kündigte am Donnerstag an, solche Angriffe würden unter seiner Regierung nicht unbeantwortet bleiben. Verantwortliche würden in Abstimmung mit Verbündeten zur Rechenschaft gezogen werden. „Unsere Gegner sollten wissen, dass ich als Präsident Cyberangriffen auf unsere Nation nicht tatenlos zusehen werde.“ Was über den jüngsten Angriff bekannt sei, sei sehr besorgniserregend. Biden betonte: „Meine Regierung wird Cybersicherheit auf allen Regierungsebenen höchste Priorität einräumen.“

Cyberangriff auf USA: Angriff erstreckt sich über mehrere Behörden

Das von Bidens Demokraten dominierte US-Repräsentantenhaus teilte am Donnerstag mit, mehrere Ausschüsse und Unterausschüsse hätten eine gemeinsame Untersuchung zu dem Angriff auf den Weg gebracht. Die Attacke „könnte potenziell verheerende Folgen für die nationale Sicherheit der USA haben“, hieß es in dem Schreiben der Vorsitzenden mehrerer Ausschüsse der Kammer an Geheimdienstkoordinator John Ratcliffe, an den amtierenden Heimatschutzminister Chad Wolf und an den Chef der Bundespolizei FBI, Christopher Wray.

Binärcode auf einem Laptop. Amerikanische Regierungseinrichtungen werden seit Monaten von Hackern angegriffen

Mehrere Bundesbehörden, darunter nach US-Medienberichten das Finanz-, Handels- und Energieministerium, sind Opfer des Angriffs geworden. Die Hacker haben sich nach bisherigen Erkenntnissen über Software der Firma SolarWinds Zugang zu den Systemen der Regierungseinrichtungen und Unternehmen verschafft. Der US-Softwareriese Microsoft teilte mit, dass 40 seiner Kunden betroffen seien, die die angegriffene Software genutzt hätten.

„Das ist keine ‚normale Spionage‘, selbst im digitalen Zeitalter. Stattdessen handelt es sich um einen Akt der Rücksichtslosigkeit, der eine ernsthafte technologische Verwundbarkeit für die Vereinigten Staaten und die Welt geschaffen hat», schrieb Microsoft-Präsident Brad Smith in einem ausführlichen Blog-Eintrag. «Wir leben in einer gefährlicheren Welt und es benötigt eine stärkere und koordiniertere Reaktion.» *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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