Internes Dokument enthüllt Pläne

RKI: Aus für die Inzidenz? Neuer Leitindikator könnte Maßnahmen erleichtern

  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Die 7-Tage-Inzidenz soll in Deutschland nicht mehr allein über die Corona-Regeln entscheiden. Das Robert Koch-Institut schlägt einen Leitindikator vor.

Stand 12. Juli beträgt die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland laut Robert Koch-Institut (RKI) 6,4 und liegt damit weiter unter der Marke von zehn. Und: Keine einzige Region in Deutschland meldet einen Inzidenzwert von über 50. Doch bald könnte das Wort Inzidenz massiv an Bedeutung verlieren. Der Grund: Aus einem internen Dokument des RKI geht laut echo24.de* hervor, dass die Inzidenz nicht mehr allein über die Corona-Maßnahmen in Deutschland entscheiden soll.

Stattdessen soll ein neuer Leitindikator eingeführt werden, der nicht mehr auf nachgewiesenen Infektionen beruht. Der Bild liegt das interne RKI-Dokument vor, in welchem von einer „Hospitalisierung als zusätzlichem Leitindikator“ die Rede ist. Heißt: Statt der nachgewiesene Corona-Infektionen soll nun die Anzahl der im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten in den Fokus rücken. Das große Problem am Inzidenzwert ist, dass der Wert wegen der Corona-Impfungen an Aussagekraft verliert.

RKI-Experten mit Hammer-Fazit: Corona-Maßnahmen sind „schwer begründbar“

Der Grund: Die Corona-Impfungen schützen vor Infektionen und schweren Verläufen der Erkrankung. Das RKI geht davon aus, dass die Anzahl der schweren Corona-Fälle in Deutschland deshalb abnehmen wird. Hinzu kommt, dass die Menschen der Risikogruppen mittlerweile fast alle durchgeimpft sind. Sprich: Selbst wenn die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland wieder steigen sollte, ist das aufgrund der erhöhten Impfquote in Deutschland für das Gesundheitssystem weniger dramatisch.

Die 7-Tage-Inzidenz kurz zusammengefasst

Der Inzidenzwert bildet die Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage ab. Sprich: Die 7-Tage-Inzidenz basiert auf nachgewiesenen Coronavirus-Neuinfektionen und ist ein Mittelwert, der von Gesundheitsbehörden ermittelt wird. Mithilfe des Inzidenzwerts wird versucht, das Infektionsgeschehen abzubilden.

Das Fazit der RKI-Experten laut Bild ist: Weitgehende nicht-pharmakologische Interventionen für ALLE sind fachlich schwer begründbar, außer bei drohender systematischer Überlastung. Das RKI macht also klar, dass Corona-Maßnahmen wie Lockdown und Co. für alle vollständig geimpften Menschen in Deutschland nicht mehr zu begründen sind. Die Politik reagiert mit Zustimmung auf das Fazit. Die Abkehr von der Inzidenz könne „die langersehnte Wende für uns alle“ sein, so Friedrich Merz (CDU) im Gespräch mit Bild dazu.

Neuer Leitindikator statt Inzidenzwert: Das ist der Hintergrund der Idee

Die Forderung nach einem Umdenken in der Corona-Pandemie kommt aber auch von Experten. Erst kürzlich hatte echo24.de* über die Hammer-Forderung des Chefs der Kassenärzte in Deutschland – Andreas Gassen – berichtet. Er fordert, dass für alle geimpften Menschen in Deutschland die aktuell noch geltenden Corona-Einschränkungen und Maßnahmen wegfallen. Wenn es in einer neuen Corona-Welle viele positive Befunde, aber keine Kranken mehr gebe, könne man die Lage „sehr gelassen sehen“, erklärt Gassen der Bild und befürwortet damit indirekt eine Abkehr von der Inzidenz.

Laut Gassen müsse sich Deutschland „mit höheren Infektionszahlen arrangieren“. Insbesondere die Delta-Variante des Coronavirus macht vielen Experten Sorgen. Man geht derzeit davon aus, dass die ansteckendere Mutante des Coronavirus in absehbarer Zeit in Deutschland dominieren wird. Nicht zuletzt deshalb wird in der Medizin schon über eine dritte Corona-Impfung diskutiert, welche die Schutzwirkung noch einmal deutlich verstärken soll. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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