Impfangebot für alle?

Impfstau: Impfwelle rollt auf Deutschland zu – erhalten schon bald alle ein Impf-Angebot?

Kommende Woche soll noch mehr Impfstoff zur Verfügung stehen, eine regelrechte Impfwelle rollt auf Deutschland zu – trotz Impfstau. Bekommen schon bald alle ein Impfangebot?

In Deutschland gibt es derzeit einen Impfstau, viele Berichtigte lehnen ein Impfangebot mit dem Astrazenca-Impstoff ab. In der kommenden Woche soll noch mehr Impfstoff des britischen Herstellers Astrazeneca zur Verfügung stehen, wie *echo24.de berichtet. Doch wie soll das Problem des Impfstaus gelöst werden? Die Bundesregierung weist die Vorwürfe, es würde zu wenig geimpft werden, zurück. Kann schon bald jedem in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden?

Impfwelle rollt auf Deutschland zu – trotz Impfstau?

Bereits ab nächster Woche soll in Deutschland jede Menge Impfstoff zur Verfügung stehen. Dabei wird momentan viel zu wenig geimpft – aber nicht, weil zu wenig Corona-Impfstoff vorhanden ist. Vor allem der Astrazeneca-Impstoff steht derzeit unbenutzt in den Kühlschränken. Der Grund dafür ist die hitzige Diskussion um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca bezüglich seiner Wirksamkeit und auch seiner Nebenwirkungen. Inzwischen besteht große Skepsis gegenüber des Impfstoffs.

Mit der erwarteten Lieferung von mehr als einer Million Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs könnte sich der Impfstau in den Bundesländern bis Ende der Woche nochmals vergrößern. Bis zum 28. Februar 2021 wurden in Deutschland 8,8 Millionen Impfstoffdosen von BionTech/Pfizer, Astrazeneca und Moderna an die Bundesländer ausgeliefert. Laut des Bundesministeriums für Gesundheit wurden seit Impfstart Ende Dezember 2020 in Deutschland insgesamt 6.394.364 Corona-Impfungen verabreicht (Stand: 2. März). 2.159.412 Personen haben bereits eine Zweitimpfung erhalten. 

Impfstau in Deutschland: Bundesregierung weißt Vorwurf zurück

Bis Donnerstag sollen knapp 1,1 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca geliefert werden, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Insgesamt erhöht sich die Liefermenge damit auf fast 3,2 Millionen, wie aus Zahlen des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Die Bundesregierung wies am Montag den Vorwurf zurück, dass Impfstoff einfach ungenutzt liegen bleibe. Es könne unterschiedliche Gründe geben, warum Astrazeneca-Impfstoff noch nicht verabreicht sei, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

So könne Impfstoff erst relativ frisch geliefert sein, für eine zweite Impfung zurückgehalten werden oder noch nicht verimpft, aber für bestimmte Impfungen vorgesehen sein. Am vergangenen Wochenende sind rund 91.000 Menschen in Deutschland mit dem Mittel von Astrazeneca geimpft worden. Bleibt es bei diesem Tempo, könnten bis Ende der Woche knapp zwei Millionen Dosen zunächst ungenutzt bleiben.

Impfwelle rollt auf Deutschland zu: Wie kann ein weiterer Impfstau verhindert werden?

Eine Freigabe des Astrazeneca-Impfstoffs für Menschen abseits der ersten beiden Prioritätsgruppen lehnt die Bundesregierung derzeit ab. Baden-Württemberg hat die Impfreihenfolge bereits angepasst* und bestimmte Personengruppen höher priorisiert, um einen Impfstau zu vermeiden und das Impfverfahren zu beschleunigen.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte zuletzt eine weniger starre Priorisierung für Astrazeneca ins Gespräch gebracht, um den Rückstand möglichst schnell abzubauen. Außerdem regte er am Montag an, Hausärzte, Betriebsärzte oder Schulärzte Astrazeneca auch abseits der Impfzentren impfen zu lassen. Der Chef der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts, Thomas Merten, hat bereits Kritik diesbezüglich geäußert*.

Stiko-Chef Thomas Mertens hält die Änderung der Impfreihenfolge für keine gute Maßnahme, um einen Impfstau zu vermeiden. Symbolbild: Kay Nietfeld/dpa

Die Meinung zum Thema Lockerungen der Prioritätsgruppen gehen momentan weit auseinander. „Der Impfstau von Astrazeneca kann sofort aufgelöst werden“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch und kritisiert somit die Bundesregierung. Es gebe etwa sechs Millionen pflegende Angehörige, die auf ihr Impfangebot warten. „Doch bisher passiert hier nichts.“

Rund 200 Millionen Impfdosen könnten bis Ende des Jahres in Deutschland bereit stehen

Bis wann könnte in Deutschland jeder ein Impfangebot erhalten? Die Bundesregierung teilt mit, dass für das gesamte erste Quartal des Jahres 2021 mit 11 bis 13 Millionen Impfdosen des Unternehmens Biontech gerechnet wird. Zudem werden 1,8 Millionen Dosen von Moderna sowie 5,6 Millionen Impfdosen von Astrazeneca erwartet. Insgesamt könnten somit bis Ende März in etwa 18 bis 19 Millionen Impfdosen verfügbar sein.

Zudem rechnet die Bundesregierung auf der Grundlage der Lieferverträge mit den Pharmakonzernen damit, dass Deutschland bis Ende Juni 40,2 Millionen Impfdosen von Biontech/Pfizer, 16,9 Millionen Dosen von Astrazeneca und 6,4 Millionen Dosen von Moderna erhalten wird. Das wären insgesamt weitere 63,9 Millionen Impfdosen.

Bis zum Ende des Sommers sollen dann innerhalb von weiteren drei Monaten bis September 34,7 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer, 26,7 Millionen Impfdosen von Moderna sowie 33,8 Millionen Dosen von Astrazeneca geliefert werden. Also noch mal 95,2 Millionen Impfdosen. Somit bestünde in Deutschland bereits Ende September die Möglichkeit, jedem Deutschen ein Impfangebot zu machen. Vorausgesetzt, die Lieferverträge können eingehalten werden. Doch prinzipiell sieht die Aussicht auf genügend Impfstoff gut aus. Zudem könnten schon bald auch die ersten Impfdosen von Curevac* bereitstehen, die in diesen Berechnungen noch gar nicht berücksichtigt wurden.

Übrigens: Die Skepsis gegenüber des Astrazeneca-Impstoffes ist zwar nicht völlig unbegründet, dennoch sollte ein Impfangebot nicht voreilig ausgeschlagen werden. Denn der Astrazeneca-Impstoff ist trotz seines schlechten Rufs sehr wirksam. Eine schottische Studie* zeigt, dass der Astrazeneca-Impfstoff sogar besser vor einem schweren Verlauf durch eine Corona-Infektion schützt als der Impfstoff von Biontech/Pfizer. Zudem zeigen erste Studienergebnisse, dass durch einen größeren Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfdosis die Wirksamkeit des Astrazeneca Impfstoffs verbessert werden kann. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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