Gefälschte Impfpässe auf Telegram verkauft

Gefälschte Impfpässe in Deutschland – Bund plant einen digitalen Impfpass

  • Lisa Klein
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In Deutschland sind gefälschte Impfpässe im Umlauf. Der Bund plant einen digitalen Impfpass für einen fälschungssicheren Nachweis von Corona-Impfungen.

Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins Report Mainz werden in verschiedenen Gruppen des Messengerdienstes Telegram gefälschte Impfpässe zum Kauf angeboten, wie die Tagesschau berichtet. Beworben werden die deutschen Impfpässe mit Fotos, auf denen Stempel, Unterschriften und Aufkleber der Impfstoffe mit Chargennummern zu sehen sind.

Die gefälschten Impfpässe stammen laut der Stempel vor allem aus großen deutschen Impfzentren wie Bonn, Frankfurt, Augsburg oder Frankenthal. Auch Pässe aus Düsseldorf und München werden im Internet zum Kauf angeboten. Die Bundesregierung plant derweil einen digitalen Impfpass, der als fälschungssicherer Nachweis von Corona-Impfungen dienen soll, wie echo24.de* berichtet.

Gefälschte Impfpässe im Umlauf – Leiter eines Impfzentrums ist schockiert

Report Mainz konnte einen der betrügerischen Anbieter auf Telegram ausfindig machen. Der Händler der gefälschten Impfpässe erzählt, er selber wolle sich nicht impfen lassen, dadurch aber auch keine Benachteiligungen erhalten. Er habe an einem Tag mehr als 30 Stück verkauft – seine Kunden kommen aus ganz Deutschland. Der Stückpreis liegt bei 150 Euro, wer direkt mehrere kaufen will, erhält Mengenrabatt. Laut Report Mainz zeigten sich die Verantwortlichen des Impfzentrums Frankfurt schockiert.

Auch Benedikt Hart, der Leiter des Impfzentrums vonseiten des Deutschen Roten Kreuzes, empfindet den Handel mit gefälschten Impfpässen als beschämend und zeigt sich fassungslos. Hart konnte laut Report Mainz sofort erkennen, dass die Pässe gefälscht sind und erklärte, dass im Impfzentrum andere Stempel verwendet werden. Jeder Arzt im Impfzentrum habe einen eigenen Stempel mit einer nur ihm zugeteilten Nummer.

Eine Fälschung zu erkennen sei allerdings für Beamte, die einen solchen Impfpass etwa an einer Landesgrenze kontrollieren, nicht möglich. Auf Nachfrage von Report Mainz erklärt das Landeskriminalamt Hessen, der Handel mit gefälschten Corona-Impfbescheinigungen werde beobachtet und es würde dagegen strafrechtlich ermittelt werden. Auch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg warnt inzwischen vor gefälschten Corona-Impfpässen*.

Das Herstellen und Vertreiben, aber auch die Nutzung solcher gefälschten Impfpässe sei strafbar. Allerdings sind Blanko-Impfpässe in Deutschland frei verkäuflich, wodurch Fälschungen erleichtert werden. Und was Fälschern ebenfalls das Spiel vereinfacht ist, wie ruhr24.de* berichtet, wenn man Fotos seines Impfpasses mit der eingetragenen Covid-19-Impfung auf Social Media veröffentlicht*.

Gefälschte Impfpässe im Umlauf: Bundesregierung arbeitet an digitalem Impfpass

In Deutschland soll noch vor den Sommerferien die Möglichkeit bestehen, einen vollständigen Impfschutz unkompliziert durch eine Smartphone-App nachzuweisen, wie laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) aus Regierungskreisen durchsickerte. Die digitale Bescheinigung soll den Betroffenen die Möglichkeit geben, schnell und fälschungssicher nachzuweisen, dass sie vollständig geimpft sind und deshalb wieder bestimmte Rechte in Anspruch nehmen können. Erleichterungen für Geimpfte, etwa bei den Kontaktbeschränkungen* oder bei den Ausgangssperren sollen sogar noch in dieser Woche beschlossen werden, wie auch *msl24.de berichtet.

Die Zertifikate sollen dabei nicht zentral auf einem Server gespeichert werden, sondern jeweils auf dem Smartphone der Nutzer. Menschen ohne Smartphone erhalten zusätzlich zu dem Eintrag im analogen gelben Impfpass einen Ausdruck der digital einlesbaren Impfbescheinigung als QR-Code auf Papier. Bei einem Verlust oder Wechsel des Smartphones kann das Zertifikat über den ausgedruckten QR-Code erneut ins Handy eingelesen werden.

Deutschland plant einen fälschungssicheren digitalen Impfpass. (Symbolbild)

Die digitalen Impfbescheinigungen sollen in den Impfzentren und Arztpraxen ausgestellt werden. Derzeit sucht die Bundesregierung noch nach einem Verfahren, wie bereits vollständig Geimpfte ihre Bescheinigung nachträglich erhalten können. Wie bereits zuvor im Amtsblatt der Europäischen Union zu lesen war, wird der digitale Impfpass in Deutschland unter der Führung des amerikanischen Technologiekonzerns IBM entstehen. Beteiligt sind auch das Kölner Start-up Ubirch, der schwäbische IT-Dienstleister Bechtle und Govdigital, ein genossenschaftlicher Zusammenschluss von zehn IT-Dienstleistern der öffentlichen Hand.

Ähnlich wie bei der offiziellen Corona-Warn-App des Bundes soll die Entwicklung des Systems als Open-Source-Projekt programmiert und transparent gemacht werden. Der Impfnachweis soll dann entweder in der Corona-Warn-App oder einer separaten Anwendung hinterlegt werden, die von der IBM programmiert wird. Auch wa.de* berichtet, dass der Bund einen digitalen Impfausweis plant*.

EU plant Covid-Zertifikat mit Informationen über Impfungen, Tests und Infektionen

Der deutsche Impfpass soll zudem kompatibel sein mit dem Covid-Zertifikat, an dem im Moment auf EU-Ebene gearbeitet wird. Das Dokument soll Impfungen, Ergebnisse zugelassener Tests und Informationen zu überstandenen Infektionen festhalten und EU-weit anerkannt werden. Vor allem Urlaubsländer wie Griechenland oder Spanien, deren Wirtschaft stark vom Tourismus abhängt, hatten sich dafür eingesetzt.

Das Zertifikat soll kostenfrei ausgestellt werden. Welche Vorteile – wie etwa Quarantäne-Befreiung – die EU-Staaten gewähren, sollen die Länder selbst entscheiden können. Die jeweiligen Länder sollen zudem selbst festlegen, ob sie auch Impfungen mit Präparaten anerkennen, die nur in bestimmten Ländern, aber nicht in der gesamten EU zugelassen sind – beispielsweise das russische Sputnik V. Die Regeln sollen zunächst für zwölf Monate gelten. Das Europaparlament könnte Ende des Monats seine Position festlegen, anschließend dürften die Verhandlungen mit den EU-Staaten beginnen. *echo24.de,*ruhr24.de, *msl24.de und *wa.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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