AstraZeneca Impfstoff in Deutschland

Kritik an AstraZeneca-Impfstopp: Die Anti-Baby-Pille ist viel gefährlicher!

  • Lisa Klein
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Der AstraZeneca-Impfstopp in Deutschland sorgte ordentlich für Kritik: Dabei bergen andere Medikamente ein viel größeres Thrombose-Risiko.

Nachdem bereits zahlreiche Länder in Europa Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca gestoppt haben, hat nun auch Deutschland einen sofortigen Impfstopp veranlasst. Der Grund: In Dänemark und auch Österreich wurden mehrere Todesfälle nach einer AstraZeneca-Impfung gemeldet. Die Todesursache waren Blutgerinnsel.

Nach neuen Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen halte nun auch das Paul-Ehrlich-Institut weitere Untersuchungen für notwendig, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Montag. Für den Impfstopp in Deutschland hagelte es bereits ordentlich Kritik, die Politik erlebte dafür einen regelrechten Shitstorm in den Medien, auch auf Instagram wird derzeit heftig diskutiert.

Vor allem bei vielen Frauen sorgt dieser Schritt für Fassungslosigkeit, denn: Das Thromboserisiko ist bei der Anti-Baby-Pille um ein vielfaches größer als bei einer Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin. Zumal ein Zusammenhang zwischen den Thrombose-Fällen und einer Impfung mit dem Wirkstoff von AstraZeneca bislang noch nicht bestätigt werden konnte.

AstraZeneca-Impfstopp: Zusammenhang zwischen Impfung und Thrombose nicht klar

Neben Deutschland zählen zu den Ländern die Impfungen mit dem Vakzin des britischen Herstellers AstraZeneca aussetzen: Dänemark, Estland, Litauen, Luxemburg, Lettland, Irland, Norwegen und Bulgarien. Österreich verzichtet vorerst auf das Verimpfen einer bestimmten Charge. In Deutschland gibt es bislang elf Meldungen von Thrombose-Fällen – auf über 1,2 Millionen bereits durchgeführte AstraZeneca-Impfungen. Das bedeutet, etwa 0,0009167 Prozent der bereits mit AstraZeneca geimpften Personen erlitten danach eine Thrombose. Ob diese Thrombose-Fälle allerdings von der Impfung verursacht wurden, ist nicht geklärt.

Was ist eine Thrombose?

Thrombose wird durch ein Blutgerinnsel verursacht. Ein Blutgerinnsel entsteht, indem sich ein Blutpfropfen in einer Arterie oder Vene bildet. Der Pfropfen verhindert, dass das Blut weiterfließen kann und verursacht somit einen Stau – also ein Blutgerinnsel. Dadurch besteht die Gefahr, eine Embolie zu bekommen. Organe können nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Das kann einerseits zu irreparablen Schäden führen oder sogar tödlich enden. Thrombosen treten am häufigsten in den Beinen auf, können aber auch in den Armen vorkommen.

Was allerdings bereits seit Ewigkeiten bekannt ist und viele derzeit empört: Die Anti-Baby-Pille, die Frauen zur Verhütung nutzen und in Deutschland zum beliebtesten Verhütungsmittel zählt, neben beziehungsweise zusätzlich zu Kondomen, kann bei einer dauerhaften Einnahme eine Thrombose verursachen. Das ist wissenschaftliche bewiesen und steht in jedem Beipackzettel der Pille. Dennoch nehmen laut AOK Bundesverband in Deutschland etwa 31 Prozent der gesetzlich versicherten Mädchen und Frauen die Pille – zum Großteil ohne Bedenken.

Kritik an AstraZeneca-Impfstopp: Anti-Baby-Pille birgt hohes Thrombose-Risiko

„Es gibt ein Medikament, welches in Deutschland millionenfach verschrieben wird und bei dem diese Nebenwirkung – ausgelöst durch ein Blutgerinnsel – belegt und beschrieben ist.“, postet der ein Intensivpfleger des Berliner Krankenhauses, Ricardo Lange, auf Instagram. „Ich spreche von der Pille für die Frau!“

Laut Europäischer Arzneimittel-Agentur EMA ist das Risiko für Thrombosen und Lungenembolien bei einigen Pillen im Vergleich zu den Fällen, die möglicherweise mit AstraZeneca in Zusammenhang stehen, weitaus größer: Von 10.000 Frauen, die mit der Pille verhüten, erleiden neun bis zwölf Frauen eine Thrombose. Das sind auf eine Million hochgerechnet zwischen 900 und 1.200 Thrombose-Fälle – das entspricht einem Thrombose-Risiko bei der Einnahme der Pille zwischen 0,09 und 0,12 Prozent.

Das sind typische Thrombose-Symptome:

  • Schwellungen
  • Druck- oder Hitzegefühl
  • Schmerzen, Kribbeln, Ziehen, Schweregefühl
  • rote oder bläuliche Verfärbung der Haut
  • Fieber

Viele Frauen schluckten die Anti-Baby-Pille viel zu leichtsinnig, schreibt Pfleger Ricardo Lange auf Instagram, wie RTL.de berichtet: „Wisst ihr was ich an der ganzen Sache pervers finde? Dass es heute zum guten Ton gehört, dass eine Frau die Pille nimmt. Selbst junge Mädchen werden von ihren Eltern zum Arzt begleitet, sobald das berühmte „Erste Mal“ im Raum steht.“

Empörung über AstraZeneca-Impfstopp: Anti-Baby-Pille hat ein höheres Thrombose-Risiko

Ricardo Lange ist nicht alleine mit seiner Kritik. Zahlreiche Instagram-Nutzer finden es ebenfalls fragwürdig, wie selbstverständlich Medikamente wie die Anti-Baby-Pille verschrieben und eingenommen werden, während bei dem AstraZeneca-Impfstoff, der nachweislich Leben rettet, direkt ein Stopp eingeführt wird. Schließlich gibt es eine Sache, die definitiv tödlicher ist: das Coronavirus.

Was bezüglich der AstraZeneca-Impfung tatsächlich nachgewiesen ist: Sie schützt vor einem schweren oder sogar tödlichen Verlauf bei einer Corona-Infektion. Die Sterberate bei einer COVID-19-Infektion liegt in Deutschland laut Statista aktuell bei 3,03 Prozent. Dem gegenüber steht ein mögliches, bislang noch nicht wissenschaftlich bewiesenes Thrombose-Risiko von 0,0009167 Prozent.

Von der Anti-Baby-Pille geht eine deutlich größere Thrombose-Gefahr aus als vom AstraZeneca-Impfstoff. Symbolbild: Carsten Rehder/dpa

„Bei der „Vergnügungspille werden solche schwerwiegenden Nebenwirkungen wie die Thrombose ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf genommen, und bei einer Impfung, die Leben retten oder schwere Erkrankung verhindern kann, wird ein riesiges Fass aufgemacht, obwohl ein Zusammenhang noch nicht einmal erwiesen ist.“, schreibt der Intensivpfleger Lange weiter.

Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte im Deutschlandfunk diesen Vergleich. Es handele sich bei der AstraZeneca-Impfung um ein anderes Risiko. Die Thrombosen, die es nach Einnahme der Pille gebe, seien in der Schwere nicht vergleichbar mit den Thrombosen, die in einigen Fällen nach Impfungen beobachtet wurden, führte der SPD-Politiker aus.

Kritik an AstraZeneca-Impfstopp: Was begünstigt eigentlich eine Thrombose?

Neben der Pille gibt es noch zahlreiche weitere Medikamente, die eine Thrombose verursachen können:

  • Hormonelle Verhütungsmittel (Vor allem Mikropillen der dritten und vierten Generation)
  • Medikamente zur Fruchtbarkeitsbehandlung
  • Hormonersatztherapie in den Wechseljahren

Zudem gibt es noch andere Ursachen, die eine Thrombose begünstigen:

  • Schwangerschaft
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Krebserkrankungen
  • Operationen
  • Verletzungen
  • Infektionskrankheiten, Fieber
  • Bettlägerigkeit, Bewegungsmangel, langes Sitzen
  • Blutkrankheiten wie Polyzythämie
  • Blutgerinnungsstörungen durch etwa eine APC-Resistenz, Faktor-V-Leiden-Mutation

Übrigens: Nicht jede Thrombose endet tödlich. Im Gegenteil: Wird sie früh genug erkannt, kann die Thrombose mit Medikamenten und weiteren Maßnahmen beinahe problemlos behandelt werden. Durch eine rasche Therapie wird zuerst das Emoblie-Risiko gesenkt. Blutgerinnsel können, wenn nötig, operativ entfernt oder mithilfe eines Katheters beseitigt werden.

Rubriklistenbild: © Christophe Ena/dpa

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