Delta-Veriante in Deutschland

RKI mit Mega-Impfziel: Hohe Impfquote wegen Delta nötig - Impfung für Kinder gefordert

  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
    schließen

Die Delta-Variante breitet sich in Deutschland aus. Deswegen fordern Politiker Kinder und Jugendliche schnell zu impfen. Doch die STIKO will das nicht empfehlen.

Nachdem am Wochenende erstmals seit langem die Corona-Infektionszahlen in Deutschland wieder leicht gestiegen waren, gibt es verstärkt Forderungen nach Impfungen auch bei Kindern und Jugendlichen. Denn: Im Kampf gegen die Delta-Variante sollten laut Berechnungen des Robert Koch-Instituts (RKI) mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft sein.

„Bei rechtzeitigem Erreichen dieser Impfquote scheint eine ausgeprägte 4. Welle im kommenden Herbst-Winter unwahrscheinlich“, heißt es in dem Papier, das am Montag, 5. Juli, veröffentlicht wurde. Dennoch müsse sich die Bevölkerung weiter an die Basishygienemaßnahmen halten. Möglicherweise sei es auch notwendig, bei ansteigenden Infektionszahlen Kontakte „zu einem gewissen Grad“ zu reduzieren.

RKI mit Mega-Impfziel für Deutschland: Hohe Impfquote wegen Delta-Variante nötig

Angesichts der sich schnell ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus spricht sich das Robert-Koch-Institut dafür aus, dass die deutsche Impfkampagne noch weiter an Fahrt aufnehmen sollte. „Die Ergebnisse zeigen, dass unter den getroffenen Annahmen, insbesondere einer zunehmenden Dominanz der Delta-­Variante, die Impfkampagne mit hoher Intensität weitergeführt werden sollte“.

Das RKI zeigt sich vorsichtig optimistisch, dass die angestrebten Impfziele auch tatsächlich erreicht werden können, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. So sei in einer Befragung von Bürgern zwischen Mitte Mai und Anfang Juni eine Impfbereitschaft ermittelt worden, die die „im Modell identifizierten Zielimpfquoten erreichbar erscheinen lassen“. Denn: Bislang haben offiziellen Angaben zufolge 56,5 Prozent der Menschen in Deutschland eine erste Impfdosis erhalten, 38,9 Prozent sind vollständig geimpft.

Delta-Variante Ausbreitung: Impfungen von Kindern und Jugendlichen gefordert - STIKO bleibt bei Kinder-Einschätzung

Unterdessen bleibt die Ständige Impfkommission (STIKO) trotz der Forderungen aus der Politik nach einer generellen Corona-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren bei ihrem zurückhaltenden Kurs. Das Gremium nehme „die diversen Forderungen der Politik“ sehr wohl wahr, erklärte STIKO-Mitglied Martin Terhardt am Montag, 5. Juli, auf dpa-Anfrage.

Wir fühlen uns weiterhin unserem Auftrag als unabhängige ehrenamtliche Kommission zur evidenzbasierten Erarbeitung von Impfempfehlungen verpflichtet.

STIKO-Mitglied Martin Terhardt

Die STIKO beobachte die Datenlage täglich und werde „gerade zu diesem Thema sicher schnell reagieren“, wenn es deutliche Änderungen gebe, betonte Terhardt. Die bisher verfügbaren Daten lieferten jedoch noch keine ausreichenden Beweise für die Sicherheit des Corona-Impfstoffs in der Altersgruppe. Im RBB-Inforadio hatte Terhardt gesagt: „Mich entsetzt das immer wieder, wie die Politik vorprescht und wissenschaftliche Daten eher ignoriert.“

Zuvor hatte unter anderen die SPD-Chefin Saskia Esken die STIKO aufgefordert, ihre Haltung zur Impfung von Jugendlichen zu überdenken. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Wochenende gefordert: „Die STIKO sollte dringend überlegen, wann sie das Impfen von Jugendlichen empfiehlt.“ Das würde den Schutz für alle erhöhen und einer Generation, die auf viel verzichten musste, wieder Freiheiten zurückgeben, berichtet die dpa weiter.

STIKO-Empfehlung: Corona-Impfung nur für vorerkrankte Kinder und Jugendliche

Die STIKO hat bisher keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas, Diabetes und chronischen Lungenerkrankungen. Das Gremium begründete seine Empfehlung unter anderem damit, dass das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung für diese Altersgruppe gering sei.

Auch ohne generelle STIKO-Empfehlung sind Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren in die deutsche Impfkampagne eingebunden, können also unabhängig von Vorerkrankungen geimpft werden. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) handelt es sich um eine individuelle Entscheidung der Eltern mit ihren Kindern und den Ärzten. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff. Nach Daten des Robert Koch-Instituts haben bislang 3,5 Prozent der Minderjährigen mindestens eine Impfung gegen Covid-19 erhalten, vollständig geimpft sind 1,2 Prozent.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa/Symbolbild

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema