Halbleiter-Mangel

Daimler/VW: Chipkrise in der Automobilbranche – Produktion „auf Halde“

Montage der C-Klasse Limousine im Mercedes-Benz Werk Iracemápolis, Brasilien
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Die Automobil-Branche leidet unter dem Chip-Mangel. Die Hersteller sehen sich nun gezwungen, „auf Halde“ zu produzieren. (Symbolbild)
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    VonLisa Klein
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Der weltweite Chip-Mangel dauert auch weiterhin an und sorgt dafür, dass Autohersteller wie Daimler, VW und Co. ihre Fahrzeuge nicht fertigstellen können – sie müssen „auf Halde“ produzieren.

Die Corona-Pandemie trifft die Automobil-Branche hart: Schon des Öfteren stand die Produktion bei Audi, Daimler und Co. wochenlang still aufgrund des weltweiten Halbleiter-Mangels. Immer wieder mussten die Automobil-Hersteller Kurzarbeit anmelden. Auch andere Branchen leiden unter Lieferengpässen und kämpfen mit Produkt-Knappheit. Damit die Fließbänder nicht still stehen, produzieren viele Konzerne aktuell „auf Halde“ – ein Begriff, den vor allem die Automobil-Hersteller nicht gerne hören.

Ob Bordrechner oder Sensor: In modernen Wagen steckt überall Elektronik. Doch die Versorgung mit Elektronikteilen stockt weiter, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Wie lange noch, weiß niemand so genau. Große Fahrzeug- und Lastwagenbauer sind gezwungen, unfertige Modelle erst einmal auf den Werkshof zu stellen. In der Hoffnung, sie baldmöglich nachrüsten und ausliefern zu können.

Weltweiter Chip-Mangel: Auto-Hersteller müssen unfertige Autos zwischenlagern

In der Truck-Sparte von Daimler etwa gibt es einen erheblichen Bestand an produzierten Lkw, bei denen jedoch wesentliche Teile noch fehlen, wie ein Sprecher erklärte. „Diese Fahrzeuge werden von unseren Kunden dringend gebraucht. Wir würden sie auch gern ausliefern, warten aber auf die entsprechenden Teile.“ Betroffen ist unter anderem das große Lkw-Werk im rheinland-pfälzischen Wörth.

Bei den Pkw-Kollegen von Mercedes-Benz wird das Wort „Halde“ zwar offiziell vermieden. Zwischenlagerung sei durchaus normal, sagt eine Sprecherin – zum Beispiel während der Einführung neuer Modelle oder vor dem späteren Transport. Es wird nun aber auch von einem zeitweise „erhöhten Aufkommen“ solcher Maßnahmen gesprochen: „Es gibt weltweit Logistikflächen, die von Mercedes-Benz im Rahmen eines geplanten Vorgangs zur Zwischenlagerung von Fahrzeugen genutzt werden.“ Auf Deutsch: auf Halde. Fahrzeuge können nicht ausgeliefert werden, obwohl die Nachfrage da ist.

Fahrzeuge werden aufgrund des Halbleiter-Mangels unfertig gebaut – weitere Kurzarbeit droht

Europas Branchenführer Volkswagen handelt ähnlich wie Konkurrent Daimler. Die einzelnen Marken nutzten jede Chance zur Produktion, heißt es. „Dazu gehört auch die Möglichkeit, Fahrzeuge zunächst unfertig zu bauen, um sie unverzüglich nachzurüsten, sobald die entsprechenden Halbleiter und Bauteile wieder vorrätig sind.“ Das komme aber nur infrage, falls der Mehraufwand nicht zu groß werde.

Gleichzeitig bremst der Chipengpass auch die laufende Produktion aus, weitere Kurzarbeit folgt. Im VW-Stammwerk Wolfsburg kann diese Woche bis Donnerstag nur an einer Montagelinie in einer Schicht gearbeitet werden. Laut Einkaufschef Murat Aksel ließ sich im ersten Halbjahr insgesamt schon eine hohe sechsstellige Stückzahl nicht produzieren, der Manager will „engere Partnerschaften“ mit der Halbleiterbranche.

Lieferengpässe in der Automobil-Branche: Kein zeitnahes Ende des Chip-Mangels in Sicht

VW-Chefkontrolleur Hans Dieter Pötsch rechnet damit, dass die Auswirkungen des Chip-Mangels sich bis ins erste Halbjahr 2022 oder sogar noch länger ziehen. Daimler-Boss Ola Källenius spricht sogar von einer Entspannung erst im Jahr 2023. Konzernchef Herbert Diess deutete an, die Vertragsstrukturen mit der Chipindustrie zu überprüfen: „Dann müssen wir uns wahrscheinlich direkter mit Halbleiterherstellern abstimmen und auch dort längerfristige Volumenzusagen eingehen.“

Die Dimensionen sind inzwischen enorm. Der gesamten Autoindustrie könnten 2021 laut einer Schätzung der Beratungsfirma Alix Partners Einnahmen von gut 210 Milliarden US-Dollar (179 Mrd Euro) entgehen. In den USA laufen Spitzengespräche zum Umgang mit der Lieferkrise – dabei sind Apple, Intel, Ford, GM und die Peugeot-Mutter Stellantis.

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