Daimler, VW & Co.

Chip-Krise in der Auto-Branche verteuert Neuwagen – was auf Kunden zukommt

  • Lisa Klein
    VonLisa Klein
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Wer einen neuen Neuwagen kaufen möchte, muss aufgrund des weltweiten Chip-Mangels tiefer in die Tasche greifen. Auch Gebrauchtwagen sind teurer geworden.

Es ist schon lange nichts Neues mehr: Die Chip-Krise trifft die Automobil-Branche hart. Und diese hält auch noch weiter an – wie lange, das weiß keiner so genau, Daimler-Boss Ola Källenius rechnet sogar damit, dass die Lage bis 2023 angespannt bleibt. Auto-Hersteller müssen inzwischen unfertige Fahrzeuge zwischenlagern, sie produzieren „auf Halde“. Nun macht sich die Lieferkrise bei Mikrochips zunehmend auch im Geldbeutel der Verbraucher bemerkbar.

Daimler/VW: Teurere Neuwagen durch Chip-Krise – so teuer wird’s

Weil weniger Fahrzeuge produziert werden und auf den Markt kommen, gibt es weniger Rabatte, analysiert der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Ein typischer Neuwagen sei im August und September für den Kunden im Schnitt um 360 Euro teurer geworden. Ohnehin ist das Niveau wegen der verknappten Gesamtmenge schon ziemlich hoch. Noch stärker ziehen die Preise im angespannten Gebrauchtwagengeschäft an.

Aufseiten der Hersteller hinterlässt der stellenweise leer gefegte Zuliefermarkt für Halbleiterteile – Grundlage aller in modernen Autos verbauten Elektronik – inzwischen bedrohliche Spuren. Bei VW etwa kümmert sich rund um die Uhr eine „Taskforce“ um den Einkauf noch erhältlicher Chargen.

Gleichzeitig fallen auch weiterhin Produktionsschichten über ganze Wochen aus. So teilte Europas größter Autokonzern VW am Mittwoch mit, bis Mitte Oktober am Stammsitz Wolfsburg überwiegend Kurzarbeit fahren zu müssen – nicht zum ersten Mal. Auch bei Daimler und Audi wurde bereits des Öfteren genau aus diesem Grund in unterschiedlichen Werken Kurzarbeit angemeldet.

Weltweiter Chip-Mangel: Auch Gebrauchtwagen werden teurer

Dudenhöffer erwartet keine baldige Änderung der Preisentwicklung. „Auch in den nächsten Monaten müssen Neuwagenkäufer mit sinkenden Rabatten rechnen“, schätzt er. Wer auf einen Gebrauchtwagen ausweichen will, hat es kaum leichter: Im Juli und August wurden typische dreijährige Gebrauchte rund zweieinhalb Prozent teurer, wie aus Zahlen des Marktbeobachters Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hervorgeht.

Der Chipmangel trägt dabei ebenfalls eine Mitschuld. Denn durch die Lieferengpässe steigen viele Neuwagen-Interessenten auf einen jungen Gebrauchten um – und treffen teils auf einen leer gekauften Markt. „Junge Gebrauchte sind häufig Mangelware, da wegen der Pandemie weniger Neuwagen gebaut und zugelassen wurden“, heißt es bei der DAT. Vor allem fehlten momentan Firmenwagen, Vermietfahrzeuge und Kurzzulassungen, die normalerweise dieses Marktsegment auffüllen.

Eine schnelle Entspannung auf dem Gesamtmarkt ist indes nicht zu erwarten. Dafür bräuchte es deutlich mehr fertiggestellte Wagen. Zahlen des Münchner Ifo-Instituts vom Mittwoch zufolge klagen 96,7 Prozent der Unternehmen in der Autoindustrie über Lieferengpässe.

Rubriklistenbild: © Ingo Wagner/dpa

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