Der Staat als Anteilseigner für 300 Millionen Euro

CureVac schließt Million-Deal mit Staat: Hoffen auf Impfstofferfolg

Pharmaunternehmen Curevac
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CureVac bekommt Zuschlag für Impfstoffversorgung.
  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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CureVac bekommt Zuschlag für Impfstoffversorgung. Unternehmen äußert sich zu Vorwürfen, die Vergabe könne beeinflusst sein.

Update vom 13. April: Jetzt ist es beschlossen. Der Bund schließt einen Versorgungsvertrag mit CureVac. Das Tübinger Biotech-Unternehmen soll damit neben BioNTech, Celonic, IDT sowie Wacker und CordenPharma, als Bietergemeinschaft zusammen mit dem britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline (GSK) die Impfstoffversorgung bis ins Jahr 2029 sichern.

Noch vor gut einem halben Jahr stand CureVac im Blickpunkt der Öffentlichkeit, da das Unternehmen seinen Zulassungsantrag für den entwickelten Impfstoff zurückziehen musste. Zu schwach waren die Ergebnisse. Jetzt also der Zuschlag für die Impfstoffversorgung und ein Stück des insgesamt wohl rund drei Milliarden Euro schweren Vertrags mit den fünf Herstellern. Die einzelnen Summen sind nicht bekannt.

Impfstoffversorgung: Darum gibt sich CureVac zuversichtlich bei der Entwicklung

Doch warum Curevac? Noch kann das Biotech-Unternehmen keinen fertigen Impfstoffs vorweisen. Auf Nachfrage von echo24.de wollte sich das Unternehmen im März nicht zu den Vorgängen äußern. Man wollte die abschließende Entscheidung des Kabinetts abwarten. Auf die erneute Anfrage folgte nun aber die Reaktion.

Eine Sprecherin des Herstellers verwies dabei auf die aktuelle Entwicklung von „mehreren vielversprechenden mRNA-Kandidaten“. In der Zusammenarbeit mit GSK, seien dabei COVID-19-Impfstoffe der zweiten Generation nur ein Projekt von weiteren. Weiter heißt es dazu: „CV2CoV, der erste Kandidat aus dieser Reihe, zeigte in präklinischen Studien eine frühere und stärkere Immunantwort als sein Vorgänger (CVnCoV); durchaus vergleichbar mit einem zugelassenen mRNA-Impfstoff“.

Nach den bisherigen Ergebnissen in präklinischen Studien, schützt er demnach im Vergleich zu CVnCoV auch besser gegen alle getesteten Varianten, inklusive der Beta-, Delta- und Lambda-Variante. Die Daten stimmen CureVac „selbstverständlich optimistisch“.

CureVac definiert seine Rolle bei der Impfstoffversorgung

Die Rolle von CureVac in der Bietergemeinschaft mit GlaxoSmithKline ist laut der Aussagen auch klar definiert. Der Vertrag dreht sich dem Statement zur Folge um zweierlei: „Es geht entweder um die reine Herstellung oder um sogenannte Originators“. Das Tübinger Unternehmen sieht sich dabei als Originator (Urheber/Erfinder): „Dadurch liegt unser Fokus nicht nur auf der Produktion, sondern auch auf der Entwicklung eigener Impfstoffe, um diese dann zur Verfügung zu stellen – bis zu 80 Millionen Dosen in kurzer Zeit.“

Weiter heißt es dazu: „CureVac übernimmt die Produktion in Deutschland, GSK unterstützt bei der Abfüllung (Fill & Finish) im Rahmen ihres Europäischen Netzwerks. Gemeinsam treiben wir die Entwicklung unseres breiten Impfstoffprogramms der zweiten Generation voran“.

Beeinflusste Vergabe: CureVac weist Vorwurfe zurück

Einen möglichen Vorwurf, die Vergabe könnte durch die Tatsache beeinflusst sein, dass laut Nachrichtensender ntv, der deutsche Staat „einer der größten Anteilseigner von CureVac“ ist, weist man in Tübingen deutlich zurück. Im Sommer 2020 hatte sich der Staat demnach mit 300 Millionen Euro an dem Biotech-Unternehmen beteiligt.

CureVac erklärt dazu: „Das Vergaberecht ist klar: Öffentliche Aufträge und Konzessionen werden im Wettbewerb und im Wege transparenter Verfahren vergeben. Dabei gelten strenge Vorschriften, insbesondere der Gleichbehandlungsgrundsatz und das Diskriminierungsverbot. Das war hier auch der Fall.“  

Kassiert CureVac trotz Impfstoff-Flop Millionen vom Bund für Impfstoffversorgung?

Erstmeldung vom 25. März: Im Kampf gegen das Coronavirus sind in Deutschland und ganz Europa zahlreiche Impfstoffe auf dem Markt. Neben den mRNA-Impfstoffen von Biontech, Moderna, dem Vektorimpfstoff AstraZeneca und dem proteinbasierten Vakzin Novavax könnte auch bald der sogenannte Totimpfstoff von Valneva zur Verfügung stehen. Jetzt will sich die Bundesregierung in Sachen Impfstoffversorgung für die Zukunft absichern.

Am 16. März hat das Bundesministerium für Gesundheit darüber in einer Mitteilung informiert. Darin heißt es: „Heute hat das Kabinett beschlossen, mit fünf Unternehmen Verträge zur Bereitstellung von Corona-Impfstoffen für die kommenden Jahre bis 2029 abzuschließen.“ Die Wahl der möglichen Hersteller lässt allerdings Fragen offen.

CureVac muss Zulassungsantrag zurückziehen: Impfstoff-Flop 2021

Wie das Ministerium weiter schreibt, handelt es ich um das Biotechnologieunternehmen Biontech, die Bietergemeinschaft Wacker/CordenPharma, Celonic und IDT Dessau. Damit findet sich auf der Liste der Bundesregierung mit Biontech/Pfizer gerade einmal einer der ganz großen Namen der Impfstoffherstellung und ein Gewinner im Milliarden-Geschäft der Pharmahersteller.

Bietergemeinschaft

Laut Bundesministerium für Gesundheit ist in diesem Fall eine Bietergemeinschaft ein Zusammenschluss von mindestens zwei Unternehmen, die in einer Ausschreibung ein gemeinsames Angebot abgeben. Ziel der Gründung einer Bietergemeinschaft ist es, den Auftrag nach Zuschlagserteilung arbeitsteilig als Arbeitsgemeinschaft durchzuführen.

Auffällig, mit CureVac taucht ein Hersteller auf, der in der Vergangenheit doch eigentlich als großer Verlierer in der Impfstoffherstellung galt. Im Oktober 2021 gab das biopharmazeutische Unternehmen mit Hauptsitz in Tübingen bekannt, dass ein Zulassungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) wieder zurückgezogen werde. Grund: schwache Ergebnisse bei der Wirksamkeit.

CureVac mit zweitem Versuch: Kommt jetzt der Impfstoff-Erfolg?

Im Januar 2022 folgten dann Meldungen über einen erneuten Anlauf des Herstellers. Auf echo24.de-Nachfrage gab man damals Seitens CureVac an, man habe zusammen mit dem „Partner GSK parallel zur Entwicklung des Impfstoffes der ersten Generation (CVnCoV) bereits letztes Jahr mit der Entwicklung des breit angelegten Programms für Impfstoffe der zweiten Generation begonnen“.

Laut der Sprecherin des Unternehmens hieß zum damaligen Zeitpunkt, dass CV2CoV „als monovalenter Impfstoffkandidat gegen die ursprüngliche Virus Variante konzipiert“ sei. Monovalente Impfstoffe sind Vakzine, wie sie bei Impfungen gegen FSME, Masern oder Hepatitis A eingesetzt werden.

Doch auch der zweite Versuch scheint nicht der große Erfolg zu werden. In einem Bericht vom 28. Februar titelt die WirtschaftsWoche über einen drohenden zweiten Impfstoff-Flop. Dazu heißt es: „Das Tübinger Unternehmen hat Konsequenzen gezogen, entwickelt eine neue Version des Vakzins – doch für einen Erfolg spricht auch im zweiten Anlauf wenig“

CureVac: Kein Impfstoff auf dem Markt aber Millionen Euro vom Bund

Und dennoch soll‘s Millionen Euro vom Bund geben zur Sicherung der Impfstoffversorgung im Pandemiefall. Vom Bundesministerium für Gesundheit heißt auf Nachfrage von echo24.de dazu: „Gegenstand der Ausschreibung war der Abschluss von Rahmenverträgen über die Bereitstellung von Produktionskapazitäten für mRNA-, vektor- und proteinbasierte Impfstoffe. Die Marktzulassung eines eigenen Impfstoffs war keine Voraussetzung für eine Beteiligung an dem Verfahren. Entscheidend war vielmehr, dass die Unternehmen über das Know-how und die Kapazitäten verfügen, um die in den nächsten Jahren benötigten Impfstoffe herstellen zu können“.

Insgesamt rechnet der Bund für das Vorhaben mit den fünf Herstellern mit Kosten von bis zu 2,861 Milliarden Euro für die Jahre 2022 bis 2029. Das Unternehmen CureVac wollte sich unserer Redaktion gegenüber aktuell noch nicht zu dem Thema äußern, da „ein formeller Kabinettsbeschluss“ noch ausstehe. Man zeigt sich aber nach Abschluss der Beschlüsse offen für Gespräche.

CureVac: Der deutsche Staat als Anteilseigner für 300 Millionen Euro

Dass die Zusammenarbeit von CureVac mit GSK Früchte trägt, dürfte durchaus im Sinne der Bundesregierung sein. Immerhin ist, so schreibt es auch der Nachrichten Sender ntv, der deutsche Staat „einer der größten Anteilseigner von CureVac“. Dieser hat sich „im Sommer 2020 mit 300 Millionen Euro an der Firma beteiligt“.

Weiter heißt es in dem Bericht, habe der Curevac-Vorstandsvorsitzende Franz-Werner Haas gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärt, dass die neue neue Koalition in Berlin eindeutig signalisiert habe, „dass sie an ihrem Engagement festhalten wird, weil sie uns in der mRNA-Technologie neben Biontech zu einem der führenden Wissenschaftsunternehmen in Europa zählt“.

Impfstoffherstellung: CureVac-Kooperationen mit Sanofi, Wacker und Celonic.

Hoffnung gibt es immerhin, wenn man in Betracht zieht, dass Glaxo-Smith-Kline (GSK) in Zusammenarbeit mit dem französischen Hersteller Sanofi einen proteinbasierten Impfstoff zur Zulassung bei der EMA eingereicht hat.

Eine Zusammenarbeit mit Wacker und Celonic, den anderen Bietergemeinschaften um den Zuschlag für die Millionen vom Bund, hatte CureVac im September 2021 gekündigt. Laut Pharma+Food gab das Unternehmen „geringere kurzfristige Spitzennachfrage nach Impfstoffen im Anschluss an die erste Welle der Pandemie-Impfstoffanstrengungen“ an.

Impfstoffversorgung: Hintergründe der Beschlüsse

In der Mitteilung des Bundesministerium für Gesundheit heißt es zu den Hintergründen der Beschlüsse zur Impfstoffversorgung im Pandemiefall: „Die Verträge gewähren der Bundesregierung im Falle des Andauerns der Covid-19 Pandemie oder einer neuen Pandemie den Zugriff auf Produktionskapazitäten der Unternehmen und treffen so Vorsorge für den Fall einer erneuten Engpasssituation. Neben der Bereithaltung von Produktionskapazitäten umfassen die Verträge auch Vereinbarungen zur Herstellung und Lieferung von Impfstoffen an die Bundesregierung“.

  • Pandemiebereitschaftsverträge:
  • Die im Zuge der Corona-Pandemie neu geschaffenen Produktionskapazitäten sollen durch die Pandemiebereitschaftsverträge gesichert werden, so dass auch für die kommenden Jahre schnell und ausreichend Impfstoff verfügbar ist. Hierbei zahlt der Bund den Unternehmen ab dem Zeitpunkt der Bereitschaft ein jährliches Bereitschaftsentgelt dafür, dass die Kapazitäten erhalten und im Abruffall zeitnah für die Produktion von ausreichend Impfstoff für die Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung steht. Der Bund rechnet hierbei mit Kosten von bis zu 2,861 Milliarden Euro für die Jahre 2022 bis 2029.

Zur bisher bestehenden Taskforce Impfstoffproduktion heißt es weiter: „Die vor einem Jahr im Bundeswirtschaftsministerium eingerichtete Taskforce Impfstoffproduktion unter der Leitung von Dr. Christoph Krupp hat durch die Ausarbeitung der Pandemiebereitschaftsverträge ihr Mandat erfüllt. Das Mandat der Taskforce endet zum 31. März 2022.
Die weitere Verwaltung und das Management übernimmt nun das im Zuge der Pandemie errichtete Zentrum für Pandemieimpfstoffe und -Therapeutika beim Paul-Ehrlich-Institut (ZEPAI) im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Im nächsten Schritt werden mit den fünf Unternehmen die Pandemiebereitschaftsverträge unterzeichnet“.

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