Internationale Studienreihe der WHO

Kommt jetzt die Pandemie-Wende? WHO prüft Medikamente gegen Coronavirus

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Weil antivirale Wirkstoffe enttäuschten, setzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun auf andere Mittel gegen Covid-19. (Symbolbild)
  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
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Weil Impfungen im Kampf gegen das Coronavirus allein nicht reichen, prüft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun drei Medikamente gegen Covid-19.

Husten, Fieber, Gliederschmerzen - das sind die häufigsten Symptome für eine Infektion mit dem Coronavirus. Noch vor einem Jahr hätten viele bei solchen Symptomen ein passendes Medikament eingenommen und das Bett gehütet. Denn man hätte im schlimmsten Fall die Grippe oder eine Erkältung gehabt. Doch jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie sieht die Sache mit Medikamenten ganz anders aus. Welche Präparate sind sinnvoll und werden vor allem bei schweren Covid-19-Verläufen verabreicht?

Im Kampf gegen Covid-19 können Impfstoffe nicht die einzige Antwort auf die Krankheit sein. Es sind zwar vier Vakzine in der EU und somit auch in Deutschland zugelassen, aber mit Remdesivir nur ein Medikament. Das will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun ändern und hat drei weitere mögliche Präparate in eine groß angelegte, internationale Studienreihe aufgenommen.

Studie der WHO: Könnten diese Medikamente gegen Covid-19 die Wende bringen?

An der sogenannten Solidarity Trial - Solidaritätsstudie - können Forschungsteams weltweit teilnehmen und neue Medikamente oder deren Kombinationen gegen die vom Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 vorschlagen. Die multinationale klinische Studie wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und ihren Partnern organisiert.

Schon letztes Jahr wurden vier Medikamente getestet, diese brachten jedoch nicht den gewünschten Erfolg. Denn das Virus befindet sich im ständigen Wandel und fast täglich kommen Wissenschaftler zu neuen Erkenntnissen über das Coronavirus. So wurde Corona aufgrund seiner Symptome bislang für ein Erkältungsvirus gehalten. Forscher kamen nun zu der überraschenden Erkenntnis, dass alles anders ist. Demnach soll es sich bei Covid-19 um eine Gefäßerkrankung handeln.

Weltgesundheitsorganisation (WHO) prüft drei Medikamente gegen Covid-19-Erkrankung

Diese und andere Forschungsergebnisse sind vor allem bei der Medikamentenwahl von großer Bedeutung und müssen berücksichtigt werden. Aufgrund dessen stehen nun drei weitere Präparate bei der WHO auf dem Prüfstand. Es handelt sich hierbei um Entzündungshemmer, denn dieser Therapieansatz hat sich bei schweren Covid-19-Verläufen bereits als vielversprechend erwiesen.

Laut Spiegel sollen diese Medikamente gegen Covid-19 überprüft werden:

  • Infliximab: Dieses Medikament gehört zu monoklonalen Antikörpern. (Monoklonale Antikörper sind Antikörper, die von einer bestimmten Zelllinie gebildet werden und sich gegen ein identisches Epitop (Bestandteil des Antigens) richten. Quelle: pei.de) Infliximab richtet sich jedoch nicht gegen das Coronavirus selbst, sondern wird zur Therapie bei Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn und rheumatischer Arthritis eingesetzt. Es blockiert ein Protein, das von Immunzellen, sogenannten Makrophagen, freigesetzt wird und Entzündungen fördert.
  • Imatinib: Dieses Arzneimittel wird normalerweise zur Krebstherapie eingesetzt. Forscher hoffen, dass es womöglich auf gleich zwei Wegen einen Therapievorteil bringt. Zum einen könnte es verhindern, dass das Virus in menschliche Zellen einfällt und dadurch die Ausbreitung des Erregers dämpfen. Zum anderen soll es die Aktivität von Proteinen herabsetzen, die Entzündungen fördern, sogenannter Zytokine.
  • Artesunat: Dieses Medikament wurde ursprünglich entwickelt, um einzellige Parasiten zu bekämpfen, die Malaria verursachen. Es hat darüber hinaus auch potenziell entzündungshemmende Eigenschaften.

Medikamente gegen Covid-19 müssen einiges können

Doch was sollte ein Medikament gegen Covid-19 können? Eine Corona-Erkrankung verläuft in mehreren Stadien. Und diese Stadien bestimmen, welches Medikament am sinnvollsten ist. Laut infektionsschutz.de vermehrt sich das Virus zu Beginn der Infektion in den Körperzellen. Das Immunsystem des Körpers wird aktiv und bekämpft die Infektion. In dieser Phase ist es sinnvoll, das Immunsystem gegebenenfalls mit Medikamenten zu unterstützen.

Verläuft die Infektion schwer und der Patient muss ins Krankenhaus und bekommt es mit einer überschießenden Immunreaktion zu tun, wäre es schädlich, ein Medikament zu geben, das das Immunsystem zusätzlich anheizt. Außerdem sollten die von der WHO geprüften Medikamente bereits zugelassen sein. Das hat den Vorteil, dass sie schnell in die klinischen Studien eingesetzt werden können, weil sie bereits aufwendige Tests bestanden haben.

Studie der WHO: „Wir brauchen zumindest vielversprechende Signale...“

Ob Medikamente gegen Autoimmunerkrankungen, Krebs und Malaria auch tatsächlich bei Covid-19 wirksam sind, muss sich jedoch erst zeigen. Die WHO soll die drei Wirkstoffe ausgewählt haben, weil sie in kleineren Studien Hinweise auf mögliche Wirksamkeit geliefert haben, wie der Spiegel weiter berichtet.

Ein weiterer Vorteil von Infliximab, Imatinib und Artesunat sei auch, dass sie in größeren Mengen verfügbar wären, sagte John-Arne Røttingen. Der wissenschaftliche Direktor des norwegischen Instituts für öffentliche Gesundheit leitet den Lenkungsausschuss des Solidarity Trials. „Wir brauchen zumindest vielversprechende Signale, dass einige der Wirkstoffe funktionieren könnten“, sagte er dem Fachblatt Nature. „Und wir brauchen Medikamente, die wir an viele Länder liefern können.“

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