Corona-Zahlen schnellen in die Höhe

Mutiertes Coronavirus springt auf Menschen über: Dänemark tötet über 15 Millionen Nerze

  • Julia Cuprakowa
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In Dänemark ist eine mutierte Variante des Coronavirus von infizierten Tieren auf Menschen übergesprungen. Die Regierung reagiert mit einem drastischen Schritt.

Angst vor mutiertem Coronavirus: Dänemark tötet über 15 Millionen Nerze

Update, 6. November: Mit Hochdruck wird auf der Welt nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht. Nun verbreitet sich allerdings eine mutierte Version des Virus, die alle bisherigen Fortschritte zunichtemachen könnte. Deutschlands Nachbarland Dänemark hat jetzt drastische Schritte beschlossen.

Nachdem der Erreger von Tieren auf mehrere Menschen übergesprungen ist, wurde entschieden, alle 15 bis 17 Millionen Zuchtnerze im Land zu töten. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet ordnete die Regierung den drastischen Schritt am Mittwochnachmittag an. Seit die Corona-Pandemie auch in Europa angekommen ist, wurde in Dänemark nun bei einer sogenannten „Cluster 5“ Mutante des Virus beobachtet, dass es von infizierten Tieren auf den Menschen übergesprungen ist.

Ursprungsmeldung: Das Coronavirus breitet sich wieder rasant in ganz Deutschland aus. Auch in Baden-Württemberg schnellen die Infektionszahlen* in die Höhe. Wie echo24.de* berichtet, sticht vor allem ein Stadtkreis besonders hervor - Heilbronn*. Denn: Dort ist der 7-Tage-Inzidenz-Wert so hoch, wie sonst nirgendwo in Baden-Württemberg. Und wie alles Lebendige, breitet sich das Virus nicht nur aus, sondern mutiert und passt sich an. Zu dieser Erkenntnis kamen Forscher aus der Schweiz, als sie eine neue Variante des Coronavirus entdeckt haben. Diese mutierte Version soll sich in den letzten Monaten in ganz Europa ausgebreitet haben.

COVID-19-VirusSymptome
Häufige Symptome Fieber, Trockener Husten, Müdigkeit
Seltenere SymptomeGliederschmerzen, Halsschmerzen, Durchfall, Bindehautentzündung, Kopfschmerzen

Coronavirus: Mutierte Variante breitet sich in Europa aus

Weltweit forschen die Wissenschaftler an dem Coronavirus. Laut Forschern gibt es Tausende verschiedene Mutationen im Erbgut des Erregers, Hunderte davon grassieren auch in Europa. Manche Varianten breiten sich schnell und weitläufig aus, andere sterben oder klingen ab. Laut Forscher der Universität Basel entstand eine dieser Virus-Mutationen in diesem Sommer, und zwar in Spanien*, wie auch costanachrichten.com* berichten. Doch wie konnte sich das Virus so schnell in ganz Europa ausbreiten?

Wie StN.de berichtet, seien wohl die gelockerten Kontakt- und Reisebeschränkungen Schuld an der rasanten Ausbreitung. Vor allem durch den Tourismus im Sommer gelangte die mutierte Variante namens 20A.EU1 in zahlreiche Länder Europas, vermuten Schweizer Wissenschaftler und Emma Hodcroft, die nun eine Studie dazu veröffentlicht hat.

Coronavirus-Ausbreitung: Mutierte Variante - Ursprung in Spanien

Die Forschenden der Universität Basel analysierten und verglichen Virusgenom-Sequenzen von Covid-19-Patienten aus ganz Europa, um die Entwicklung und Verbreitung des Erregers nachzuvollziehen. Ihre Analyse legt nahe, dass 20A.EU1 erstmals im Sommer in Spanien auftrat. Die frühesten Hinweise auf die neue Variante stehen im Zusammenhang mit einem Super-Spreader-Ereignis unter Landarbeitern im Nordosten Spaniens. Anschließend gelangte 20A.EU1 in die lokale Bevölkerung, verbreitete sich rasch über das ganze Land und macht heute fast 80 Prozent der Virus-Sequenzen in Spanien aus, heißt es in einer Mitteilung der Universität Basel. Aber wie unterscheidet sich diese Mutation von dem „normalen Coronavirus“?

Eine Zelle (blau) die mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2, rot) infiziert ist.

20A.EU1 ist durch Mutationen gekennzeichnet, die Aminosäuren in den Spike-, Nukleokapsid- und ORF14-Proteinen des Virus modifizieren. Laut Stuttgarter Nachrichten hilft das Spike-Protein dem Virus dabei, in die Zellen einzudringen. Und obwohl nach derzeitigem Wissensstand nichts darauf hinweist, dass die Ausbreitung von 20A.EU1 auf eine Veränderung der Übertragbarkeit zurückzuführen ist, arbeiten die Wissenschaftler weiter an dem Virus, um mögliche Auswirkungen der Spike-Mutation A222V auf den Phänotyp des SARS-CoV-2-Virus zu untersuchen. Sie hoffen auch, bald Zugang zu Daten zu erhalten, um die klinischen Auswirkungen der Variante zu beurteilen. Ist die mutierte Variante aus Spanien nun ansteckender als der Phänotyp des SARS-CoV-2?

Corona-Ausbreitung in Europa: „Keine Hinweise auf erhöhte Übertragung“

„Es ist wichtig festzuhalten, dass es derzeit keinen Hinweis darauf gibt, dass die Verbreitung der neuen Variante auf einer Mutation beruht, die die Übertragung erhöht oder den Krankheitsverlauf beeinflusst“, betont Dr. Emma Hodcroft, Hauptautorin der Studie. „Eine Virus-Variante, die durch ein anfängliches Super-Spreader-Ereignis Anschub erhält, kann sich schnell im ganzen Land durchsetzen“, erklärt Dr. Iñaki Comas, Co-Autor der Studie.

Seit Juli hat sich 20A.EU1 mit Reisenden weiterverbreitet, als sich die Grenzen in ganz Europa öffneten. Die Variante wurde nun in zwölf europäischen Ländern sowie in Hongkong und Neuseeland nachgewiesen. Derzeit entsprechen 90 Prozent der Sequenzen aus dem Vereinigten Königreich, 60 Prozent der Sequenzen aus Irland und zwischen 30 und 40 Prozent der Sequenzen in der Schweiz und den Niederlanden der neuen Variante 20A.EU1. Damit ist diese Mutation momentan eine der am weitesten verbreiteten in Europa. Auch in Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Lettland, Norwegen und Schweden wurde sie identifiziert. Lässt sich die Ausbreitung des Mutanten noch irgendwie stoppen oder eindämmen?

Ausbreitung der mutierten Corona-Variante: Wissenschaftler empfehlen Reisebeschränkungen

Die Wissenschaftler empfehlen eine Evaluation der Wirksamkeit von Grenzkontrollen und Reisebeschränkungen zur Eindämmung von SARS-CoV-2. „Langfristige Grenzschließungen und strenge Reisebeschränkungen sind weder durchführbar noch wünschenswert“, erklärt Hodcroft, „aber anhand der Ausbreitung von 20A.EU1 scheint klar zu sein, dass die getroffenen Maßnahmen oft nicht ausreichten, um die Weiterverbreitung der neuen Variante zu stoppen. Nachdem die Länder hart daran gearbeitet haben, die Zahl der SARS-CoV-2-Infektionen auf ein niedriges Niveau zu senken, müssen sie bessere Wege finden sich zu ‚öffnen‘, ohne einen Anstieg der Fälle zu riskieren.“ *echo24.de und *costanachrichten.com sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Holger Hollemann/dpa

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