Impfbereitschaft in Deutschland

Coronavirus: Reicht das? So viele Menschen wollen sich wirklich impfen lassen

Bestätigung über eine bereits erhaltene Impfung gegen das Coronavirus im Impfpass
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Danach sehnen sich derzeit viele Menschen: eine Impfung gegen das Coronavirus.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Immer mehr Impfstoffe gegen das Coronavirus werden zugelassen. Doch wie viele Menschen wollen sich wirklich impfen lassen?

Nach dem Corona-Impfstoff von Biontech hat die Europäische Union (EU) am Mittwoch auch den Wirkstoff von Moderna zugelassen. Im Februar könnte auch das Präparat von AstraZeneca folgen, wann der Impfstoff von CureVac zugelassen wird, ist noch immer unklar. Die Aussichten, dass die Lockdowns bald der Vergangenheit angehören könnten, sind also gut.

Gäbe es da nicht ein kleines Problem: Zwar gibt es immer mehr Impfstoffe gegen das Coronavirus, doch immer weniger Menschen sind sich sicher, ob sie sich impfen lassen wollen. Das zeigt unter anderem eine Umfrage für das Projekt Covid-19-Snapshot-Monitoring (Cosmo), über die auch das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet.

Impfstoff-Umfragen zeigen: Weniger Menschen wollen sich gegen Corona impfen lassen

Laut der letzten Umfrage aus der zweiten Dezemberwoche beantwortete etwas weniger als die Hälfte (48 Prozent) der 1379 Befragten die Frage, ob sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, mit (eher) ja. Als im Frühjahr des vergangenen Jahres die erste Welle in Deutschland grassierte, lag dieser Wert noch bei 79 Prozent.

Ähnliche Ergebnisse lieferte auch eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Mediengruppe RTL. Dort wurden Mitte Dezember 1004 Menschen gefragt, ob sie sich impfen lassen würden. 47 Prozent der Befragten gaben an, sich sofort impfen zu lassen, sobald sie die Möglichkeit hätten. Weitere 40 Prozent wollten „lieber erst einmal abwarten“, während sich 10 Prozent gar nicht impfen lassen wollten.

In einer echo24.de-Umfrage gaben rund 40 Prozent an, sich impfen zu lassen. Etwa 24 Prozent sind sich noch nicht sicher, während 36 Prozent der Teilnehmer sich nicht impfen lassen wollen. Auch in anderen Staaten ist das Interesse an einer Impfung eher rückläufig, wie das RND unter Berufung auf das Hamburg Center for Health Economics berichtet.

Coronavirus: Skepsis vor Sicherheit der Impfstoffe senkt Impfbereitschaft

Die Teilnehmer der Covid-19-Snapshot-Monitoring-Umfrage wurden zudem gefragt, aus welchen Gründen sie sich für oder gegen eine Impfung entschieden haben. Unter den Teilnehmern, die sich impfen lassen wollen, war das Vertrauen in den Impfstoff deutlich größer, zudem waren sie der Überzeugung, dass der Staat schwere Nebenwirkungen versorgen und behandeln würde.

Als Gründe für eine Impfung nannte über die Hälfte (52 Prozent) den Schutz der eigenen Gesundheit. Etwa ein Viertel der Befragten (24 Prozent) begründete die Impfung gegen das Coronavirus mit der Hoffnung auf ein Ende der geltenden Beschränkungen.

Pflegerin Christine Helbig vom Klinikum Stuttgart bekommt die erste Corona-Impfung in Baden-Württemberg.

Die Befragten, die sich gegen eine Impfung aussprachen, begründeten ihre Entscheidung damit, Nutzen und Risiko gegeneinander abwägen zu wollen. Zudem wurde häufig die Befürchtung genannt, dass die Nebenwirkungen der Impfstoffe - wie beispielsweise von AstraZeneca oder Biontech - nicht offen gelegt würden. So sank auch das Vertrauen in die Sicherheit eines neuen Impfstoffs gegen das Coronavirus laut Covid-19-Snapshot-Monitoring auf den niedrigsten Stand seit der ersten Erhebung.

Coronavirus: Weniger als die Hälfte der Pflegekräfte lässt sich impfen

Wie die WAZ berichtet, lässt sich dieses Phänomen auch unter den Pflegekräften beobachten. Während sich die meisten Senioren gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, ist dies nur bei jeder zweiten Pflegekraft der Fall. „Allgemein ist die Skepsis gegenüber Impfungen in Deutschland besonders groß“, erklärt Professor Markus Zimmermann.

Zudem beobachtet Zimmermann, dass in Gesprächen mit angehenden Pflegern immer wieder von genetischen Veränderungen oder Eingriffen in die DNA geredet wird. Das liegt auch daran, dass die Entwicklungszeit der Impfstoffe sehr kurz war und entsprechend wenig über die Langzeitfolgen bekannt ist. Aber auch an mangelnder Aufklärung, wie die Impfstoffe wirken und wie sie sich unterscheiden.

Coronavirus: Mehr Aufklärung über Impfstoffe nötig

Dass es sich bei den aktuellen Impfstoffen gegen das Coronavirus um genbasierte Wirkstoffe handelt, ist richtig, aber das Gesundheitsministerium versichert auf seiner Internetseite zusammengegencorona.de: „Es gibt nach heutigem Wissensstand aber keine Anzeichen, dass sie die Gene des Menschen beeinflussen.“

Auch Professor Zimmermann betont: „Ich würde mich sofort impfen lassen!“ Allerdings seien auch Aufklärungskampagnen wichtig. So hat beispielsweise der Bundesverband für Pflegeberufe ein Video-Seminar zum Thema Corona-Impfungen gestartet. „Das muss man intensivieren“, fordert Zimmermann.

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