Corona-Mutanten Ausbreitung

Heftige Konsequenzen wegen Corona-Mutationen? Studie zu Grenzschließungen schockt 

  • Julia Cuprakowa
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Die aus dem Ausland stammenden Corona-Mutanten sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Laut einer Studie wurden die Grenzen 2020 zu spät geschlossen, um eine großflächige Ausbreitung zu verhindern.

Das Coronavirus breitet sich in Baden-Württemberg weiter aus. Aus Sorge vor einer großflächigen Ausbreitung der Corona-Mutanten zieht Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sogar wieder erneute Grenzkontrollen und sogar Schließungen in Erwägung. Denn wie eine Studie jetzt zeigt, kamen die Grenzschließungen in Europa vor rund einem Jahr zu spät, um das Coronavirus nachhaltig aufzuhalten.

Studie zur Corona-Pandemie: Grenzschließungen 2020 kamen zu spät

Bereits am 8. März 2020 habe es in Europa etwa genauso viele lokale Ansteckungen mit dem Virus gegeben wie durch Reisende aus dem Ausland eingeschleppt wurden, berichten Forscher um die Mathematikerin und Biostatistikerin Tanja Stadler von der ETH Zürich im Fachmagazin „PNAS“. Die EU schloss die Grenzen aber erst am 17. März.

Die Forscher hatten die Ausbreitung des Erregers anhand sequenzierter Virus-Genome nachvollzogen. „Wenn man die Grenzen mit dem Ziel geschlossen hat, das Virus nicht hereinzulassen: Dafür war es zu spät“, sagte Stadler der Deutschen Presse-Agentur. Bei Infektionsgeschehen, wie es am 8. März bereits vorhanden war, sei eine Grenzschließung nur noch verbunden mit einer drastischen Einschränkung der Kontakte im Land sinnvoll gewesen.

Dann trage die Reduzierung der Kontakte aus dem Ausland etwas dazu bei, die Ausbreitung zu bremsen. Nun besteht erneut die Gefahr einer großflächigen Coronavirus-Ausbreitung. Doch dieses Mal geht es um die zahlreichen aus dem Ausland stammenden Virus-Mutanten. Konkret geht es um die südafrikanische und britische Coronavirus-Varianten. Ein Arzt aus Sinsheim machte kürzlich eine ernüchternde Entdeckung über die besagten Mutanten und ging damit an die Öffentlichkeit.

Coronavirus-Ausbreitung in Deutschland: Forscherin aus Zürich - „Man hätte den Infektionsherd austrocknen müssen“

Stadler hat mit Kolleginnen und Kollegen die Ausbreitung von Sars-CoV-2 in Europa anhand entzifferter Virus-Genome aus 19 europäischen Ländern und der Provinz Hubei in China untersucht. Sie arbeitet im ETH-Departement für Biosysteme, das in Basel angesiedelt ist.

Aus der Aufarbeitung könnten Schlüsse für eine mögliche neue Pandemie gezogen werden, so Stadler. „Hätte man früher anerkannt, welche Gefährlichkeit die Pandemie hat, hätte man den Infektionsherd austrocknen müssen. Aus epidemiologischer Sicht wäre eine frühe Abschottung des Ausgangsortes der Pandemie in der chinesischen Provinz Hubei zentral gewesen“, sagte die Forscherin. „Es ist extrem wichtig, am Anfang schnell zu handeln, um zu verhindern, dass ein Virus global zirkulieren kann. Aber im Nachhinein weiß man immer mehr.“

Laut Studie zur Corona-Ausbreitung: Erste Infektionskette wurde erfolgreich unterbrochen

In Deutschland sei die erste bekannte Infektionskette - nach der Ansteckung von Mitarbeitern der Firma Webasto in Oberbayern bei einer chinesischen Kollegin - Ende Januar unterbrochen worden. Diese Linie sei wahrscheinlich ausgelaufen und komplett beendet. Es seien aber weitere Infektionen nach Deutschland gebracht worden, aus China und aus Italien, wo der erste große Ausbruch in Europa passierte.

In Italien hätten die Ansteckungen vor Ort etwa Mitte Februar begonnen. „Ende Februar fing die lokale Zirkulation in Deutschland an“, sagte Stadler. Die Virusvariante, die bis zum späten Frühjahr in Europa grassierte, habe sich wahrscheinlich großteils von Hubei aus über Italien ausgebreitet.

Rubriklistenbild: © Thomas Sehr

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