Anteil bei fast 60 Prozent

Coronavirus: Jetzt dominiert Delta auch in Deutschland - neue Maßnahmen?

  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
    schließen

Die Delta-Variante des Coronavirus herrscht nun auch in Deutschland vor - und bestätigt damit beunruhigende Prognosen. Zeitgleich sinkt das Impftempo. Experten warnen!

Eigentlich steht Deutschland gut da - die Corona-Pandemie scheint im Moment unter Kontrolle. Die 7-Tage-Inzidenz für die Bundesrepublik ist zwar zuletzt wieder leicht gestiegen, liegt aber immer noch bei einem sehr niedrigen Wert von 5,2. Baden-Württembergs Inzidenzwert ist sogar leicht gesunken*. Doch trotz der vermeintlich entspannten Lage sind Experten alles andere als relaxt. Viele befürchten, dass die besonders ansteckende Corona-Variante „Delta“ die vierte Welle bringen könnte. Das berichtet echo24.de*.

Denn die Delta-Variante breitet sich immer weiter aus - zeitgleich ebbt das Impftempo ab. Viele Deutsche schwänzen ihre Zweitimpfung, oftmals ohne den Termin abzusagen. Auch die Impfzentren in Öhringen und Rot am See sind von diesem unerfreulichen Phänomen betroffen. Ein Problem - besonders wenn man bedenkt, dass die Delta-Mutation mittlerweile auch in Deutschland Überhand nimmt. Zwar sind die Infektionszahlen noch gering, doch der prozentuale Anteil von Delta-Infektionen liegt mittlerweile bei 59 Prozent. Das hat das Robert Koch-Institut RKI jetzt bekannt gegeben.

Delta-Variante dominiert: Politiker und Ärzte fordern Kreativität für Corona-Impfkampagne

In Sorge, wie sich das auch auf die absoluten Infektionszahlen auswirken könnte, fordern nun sowohl Politiker als auch Ärzte, die Impfkampagne durch zusätzliche Anreize voranzutreiben. Denn wie Merkur.de* berichtet, explodieren die Infektionszahlen in einigen Ländern bereits wieder. Auch deshalb erklärte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund kürzlich gegenüber der Rheinischen Post, es sei mehr Kreativität bei den lokalen Behörden gefragt. Die Vorsitzende Susanne Johna erklärte, man müsse „Menschen auch direkt ansprechen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum kommen.“

Ihre Devise: je niederschwelliger, desto besser. Und mit dieser Idee ist Johna nicht alleine. Sabine Dittmar, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, erklärte in der Welt, es wäre sinnvoll, wenn Bürger sich auch in Fußgängerzonen, Wohnsiedlungen und bei Veranstaltungen impfen lassen könnten. Der Ministerpräsident des Saarlandes, Tobias Hans, denkt sogar noch einen Schritt weiter.

Coronavirus Delta-Variante: Anreize für die Impfung schaffen?

Hans sprach sich gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe dafür aus, zusätzliche Anreize zu schaffen. Seine Idee: „Man könnte an eine Verlosung denken“, dabei könne zum Beispiel ein Fahrrad oder ein anderer schöner Preis ausgegeben werden. Außerdem meinte auch Hans, mobile Impfteams und Sonderaktionen seien gerade in sozialen Brennpunkten nötig.

Die Impfzentren gehen mittlerweile teilweise den Weg und bieten außergewöhnliche Impfaktionen an. In Heilbronn beispielsweise soll die sogenannte „Impfbrücke“ Menschen schneller zum Impftermin bringen*, in Rot am See im Kreis Schwäbisch Hall sollen die Vakzine von AstraZeneca und Johnson & Johnson in Sonderaktionen am kommenden Wochenende (10. und 11. Juli) ohne Termin verimpft* werden.

Corona - Impfkampagne stockt: Das macht die Delta-Variante so gefährlich

Die Zahl der Neu-Impfungen ist in den letzten zwei Wochen extrem zurückgegangen - während bis vor Kurzem noch mehr als eine Million Dosen pro Tag verimpft wurde, vermeldet das RKI für Dienstag, den 6. Juli, nur noch knapp unter 700.000 verbreichte Impfdosen. Das ist, wie schon angedeutet, besonders im Hinblick auf die Delta-Variante des Coronavirus problematisch.

Impfstatus Deutschland (6. Juli)
Menschen mit mindestens einer Impfung57,1 %
Verabreichte Impfdosen78,7 Millionen
Tägliche Impfungen+699.546

Vor allem deshalb, weil die extrem ansteckende „Doppelmutante“ sich wahnsinnig schnell ausbreitet. Nicht nur, dass ihr Anteil bei den untersuchten Proben mittlerweile fast 60 Prozent ausmacht, viele Fälle könnten auch völlig unentdeckt bleiben. Denn die Delta-Variante des Coronavirus äußert sich in anderen Symptomen als das bisherige Virus. Als typisch geltende Signale einer Covid-19-Erkrankung treten bei der Delta-Mutante beinahe gar nicht mehr auf. Es fällt dadurch oft schwer, Corona von einer normalen Erkältung oder einer Sommergrippe zu unterscheiden*.

Delta-Variante dominiert erstmals: Maßnahmen verschärfen oder aufheben?

Deshalb rät die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk, dringend weiter zum Masketragen. Außerdem müssten, so Falk, auch andere Corona-Regeln von Abstand über Hygienemaßnahmen bis hin zum Testen dringend erhalten bleiben. Denn für die Delta-Variante des Coronavirus sei es „ein Leichtes, von einer Person zur nächsten zu springen.“

Doch hier gehen die Meinungen auseinander, denn auch wenn die bisherigen Impfstoffe gegen das Coronavirus in Deutschland laut Experten nicht zu 100 Prozent gegen die Delta-Variante schützen, sollten sie für viele Experten das Mittel zur Bekämpfung der Pandemie sein. Saarland-Landeschef Hans hat deshalb sogar einen ersten Vorstoß in Richtung weiterer Lockerungen gemacht.

Mit sinkenden Inzidenzen fällt auch vielerorts die Maskenpflicht. Doch nicht alle Experten sind davon überzeugt. (Symbolbild)

Man könne die Schutzmaßnahmen nur so lange aufrechterhalten, wie sie dazu dienten, eine Überforderung des Gesundheitssystems zu verhindern, erklärte er den Funke-Zeitungen. Wenn „die Belegungszahlen in den Krankenhäusern auf niedrigem Niveau verharren, müssen wir unsere Corona-Maßnahmen schrittweise zurücknehmen“, forderte er. Alles andere wäre seiner Überzeugung nach verfassungsrechtlich nicht haltbar. *echo24.de und *Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema