Vergleich zu Tuberkulose und Grippe

Zahl der Covid-19-Todesfälle steigt: Wie tödlich Corona tatsächlich ist - ein Vergleich

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Jeden Tag erreichen uns neue schockierende Nachrichten zu Corona-Fällen und Corona-Toten. Wie gefährlich ist Covid-19 wirklich? Ein Vergleich der Sterbefälle in Deutschland.

Tuberkulose galt als weltweit tödlichste Infektionskrankheit – zumindest noch 2019. Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zehn Millionen Menschen auf der Welt an Tuberkulose erkrankt, rund 1,4 Millionen von ihnen starben. Aktuell vermeldet die WHO (Stand 17. Dezember 2020) über 72 Millionen Covid-19-Fälle und mehr als 1,6 Millionen Tote im Zusammenhang mit Covid-19. Corona hat die weltweit bislang tödlichste Infektionskrankheit im Jahr 2020 überholt, wie echo24.de* berichtet. Aber wie tödlich ist Corona in Deutschland wirklich?

Coronavirus und Grippe: Jährlich große Schwankungen bei Todesfällen

Zunächst lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit: Im Jahr 2019 verstarben in Deutschland insgesamt 939.520 Menschen. Die häufigste Todesursache war 2019 – wie schon in den Vorjahren – eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Über ein Drittel aller Sterbefälle (35,3 Prozent) waren darauf zurückzuführen. Zweithäufigste Todesursache waren Krebserkrankungen. 4,4 Prozent aller Todesfälle waren auf eine nicht natürliche Todesursache wie zum Beispiel eine Verletzung oder Vergiftung zurückzuführen. Doch das sind Zahlen aus dem Jahr, als die Corona-Pandemie noch nicht das Leben der Menschen in Deutschland verändert hatte.

Und wie ist es bei der Infektionskrankheiten wie der Grippe? Bei den Grippe-Toten gab es jährlich große Schwankungen. In den Jahren 2017 und 2018 hatten Grippewellen zu einem Anstieg der Sterberate geführt. Im März 2018 bei einer besonders heftigen Grippewelle starben in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts 107.100 Menschen. Zum Vergleich: Im März 2019 waren es 86.500, im März 2020 87.100. Teilweise schätzte das RKI die Todesfälle durch die saisonalen Influenza-Infektionen auf bis zu 25.000 (2017/2018). 

Coronavirus Deutschland: Deutlich mehr Todesfälle im April 2020

Zu Beginn war Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern vergleichsweise gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Und trotzdem: Wie Dr. Felix zur Nieden vom Statistischen Bundesamt in einem Podcast erklärt, waren die Sterbefallzahlen in der letzten Woche im März 2020 und den ganzen April über deutlich erhöht. Gleich­zeitig war laut RKI ein Anstieg der Todesfälle zu beobachten, die mit dem Corona­virus in Zusammen­hang stehen. Allein im April lagen die Sterbefallzahlen mit 83.800 Verstorbenen zehn Prozent (konkret 7.422 Verstorbene) über dem Durchschnitt der Vorjahre – und das trotz der zu der Zeit bereits ergriffenen Corona-Maßnahmen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen.

Ein solcher Anstieg an Sterbefällen in diesem Monat des Jahres sei völlig untypisch, die Grippewelle galt zu diesem Zeitpunkt schon als beendet. Aber warum stiegen die Todeszahlen nicht bereits im März in der ersten Corona-Hochphase? Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass Patienten mit einem schweren Verlauf Studien zufolge im Schnitt erst drei Wochen nach Beginn der Symptome sterben.

Wie das WDR Wissenschaftsmagazin Quarks berichtet, sind in Bayern und Baden-Württemberg* zwischen März und Mai mehr Menschen verstorben als in der Zeit davor. Hier wurden in diesem Zeitraum auch besonders viele Menschen positiv auf Corona getestet. „Der Blick auf die Sterbefallzahlen legt nahe, dass deren zeitweise Erhöhung in einem Zusammenhang mit der Pandemie stand, also ein Corona-Effekt naheliegend ist“, schreibt auch das Statistische Bundesamt in einem Bericht.

Coronavirus Deutschland: Zahl der Covid-19-Todesfälle steigt deutlich an 

Ab Anfang Mai bewegten sich die Sterbefallzahlen zunächst wieder etwa im Durchschnitt. Im August waren es wieder überdurchschnittlich viele Sterbefälle. Die Experten führen das auf die Hitzeperiode zurück. „Man weiß, Hochaltrige leiden besonders unter hohen Temperaturen, haben entsprechend auch höhere Sterbewahrscheinlichkeiten, und wenn wir in den heißesten Wochen des Jahres besonders hohe Sterbefallzahlen sehen, geht man davon aus, dass es da einen Zusammenhang gibt“, so zur Nieden.

Mit der zweiten Corona-Welle kehrten aber auch erhöhte Sterbefallzahlen zurück. Vorläufigen Ergebnissen zufolge sind im Oktober 2020 in Deutschland mindestens 78.346 Menschen gestorben – vier Prozent mehr als durchschnittlich in den Jahren 2016 bis 2019. Dabei lag die Zahl der Sterbefälle in der ersten Oktoberhälfte noch im Bereich des Durchschnitts der Vorjahre. „Die Zahl der Todesfälle von Personen, die zuvor laborbestätigt an Covid-19 erkrankt waren, stieg allerdings von Woche zu Woche“, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Allein in der letzten Oktober-Woche starben mindestens 19.030 Menschen – das sind fünf Prozent mehr als in den Vorjahren. Die überdurchschnittlich hohe Zahl an Sterbefällen in Deutschland im Oktober 2020 ist fast ausschließlich auf Fälle bei Menschen ab 80 Jahren zurückzuführen. Laut den Zahlen des RKI treten Todesfälle durch Covid-19 häufiger bei Über-80-Jährigen auf. In der Woche vom 9. bis 15. November starben acht Prozent mehr Menschen als der Durchschnitt der Vorjahre, in der Vorwoche betrug der Unterschied noch fünf Prozent. Einen Lichtblick gibt es: Noch 2020 soll es in Deutschland die ersten Corona-Impfungen geben* und auch eine Impf-Strategie steht schon fest*.

Coronavirus in Deutschland: Anstieg der Todesfälle nicht nur durch Covid-19

Die Experten geben folgendes zu bedenken: „Man kann aber nicht wissen, was ohne die Maßnahmen passiert wäre. Das muss man stets im Hinterkopf behalten, wenn man die Gefährlichkeit der Pandemie mit Hilfe der Sterbefallzahlen berechnen möchte“, erklärt Felix zu Nieden. Prinzipiell sind erhöhte Sterbefallzahlen auch nicht ausschließlich auf Corona zurückzuführen, wie Quarks berichtet. Die ergriffenen Corona-Maßnahmen könnten auch dazu geführt haben, dass Menschen, die gesundheitliche Probleme hatten, nicht zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen – und so nicht ausreichend versorgt werden.

Wie tödlich ist Corona wirklich? Weltweit sind bislang über 1,6 Millionen Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. (Symbolbild)

Eine weitere These zu den Sterbefällen, die nicht mit Sars-CoV-2 in Verbindung stehen, begründet sich auf der Isolation, durch die sich der Gesundheitszustand einiger derart verschlechtert, dass sie früher sterben. Aber auch Faktoren wie das Wetter können eine erhöhte Sterberate bedingen. Im Sommer hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) regelmäßig Warnungen vor Hitze veröffentlicht. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa/Symbolbild

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