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Omikron: Ist die vierte Impfung jetzt sinnvoll?

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Von: Christina Eppel

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Die Corona-Zahlen in Deutschland sind weiterhin hoch. Für viele ist die dritte Impfung bereits einige Monate her – doch über die vierte Impfung teilen sich die Meinungen.

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die vierte Corona-Impfung aktuell für Menschen ab 70 Jahren und für Menschen mit Vorerkrankungen, die Risikofaktoren darstellen könnten, einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion zu erleiden. Hierzu zählen beispielsweise Immundefekte. Doch das geht Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nicht weit genug. Er forderte kürzlich eine Erweiterung der Empfehlung – wohl auch wegen der rasanten Verbreitung der Omikron-Variante BA.2.

Konkret forderte Lauterbach, die Altersschwelle auf 60 Jahre herabzusenken. Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte der Gesundheitsminister, in dieser Altersgruppe könne die Sterblichkeit im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion durch eine vierte Impfdosis noch einmal um 80 Prozent reduziert werden – im Vergleich zur dritten Impfung. Als Quelle für diese Informationen nannte Gesundheitsexperte Lauterbach Erkenntnisse aus Israel. Die Daten hierzu sind allerdings erst vor einigen Tagen als Preprint erschienen. Das bedeutet, dass sie noch nicht von externen Fachleuten geprüft wurden.

Omikron: Sollten jetzt auch jüngere Menschen eine vierte Impfung erhalten?

Reinhold Förster, der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), deutet die Daten aus Israel etwas anders und meinte gegenüber der dpa: „Ein generelles Absenken der Altersschwelle bei der Impfempfehlung ist momentan nicht angezeigt.“ Für den Aufbau eines langanhaltenden Schutzes vor Covid-19 reichen, so Förster, drei Immunisierungsschritte aus. Idealerweise sind das drei Impfstoffdosen – oder, wenn unvermeidbar, zwei Impfungen und eine Infektion.

Beide Gruppen haben bei Omikron ein sehr geringes Sterberisiko durch Covid-19.

Reinhold Förster, der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI)

Nach Einschätzung des Immunologie-Experten zeigen die israelischen Daten nur minimale Unterschiede zwischen den verglichenen zwei Gruppen aus dreifach und vierfach Geimpften. „Beide Gruppen haben bei Omikron ein sehr geringes Sterberisiko durch Covid-19.“ Die Angaben zur verringerten Sterblichkeit basierten daher auf relativ kleinen absoluten Zahlen. Doch nicht nur die Erkenntnisse aus Israel sieht DGfI-Vize Förster als Grund dafür, vorerst keine weitere Empfehlung für eine vierte Impfung auszusprechen.

Corona-Variante Omikron: Experte skeptisch gegenüber vierter Impfdosis

Der Immunologe erklärte, dass seine Einschätzung auch auf der Annahme basiert, dass auf die derzeit vorherrschende, hochansteckende aber oft mild verlaufende Omikron-Variante des Coronavirus in einigen Monaten eine neue Virusmutation folgen wird. Welche Variante sich dann durchsetzt, welche Impfstoffe es dann gibt und was das wiederum für die Impfempfehlungen zum Winter hin bedeutet, sei derzeit noch völlig offen. Bei den bisherigen Corona-Mutationen sei, so Förster, der Nutzen einer Drittimpfung klar erwiesen gewesen – dagegen sei die Datenlage jetzt eine ganz andere.

Sich absichtlich mit dem Coronavirus zu infizieren, um einer Impfung zu entgehen, das halten Experten übrigens für den falschen Lösungsansatz. Ein Experte ist sogar der Meinung: Der Genesenen-Status reicht als Schutzwirkung gegen die Omikron-Variante nicht aus. Denn zum einen schützen die Impfstoffe gleich gegen mehrere Virusvarianten, während eine Infektion mit einer bestimmten Mutation nicht unbedingt Immunität gegenüber allen anderen Versionen garantiert. Zum anderen verhindert der Pieks sehr zuverlässig einen schweren Verlauf.

Außerdem sind die Anzeichen einer Infektion mit der Omikron-Variante tückisch – oft können die Symptome nur schwer von einer Allergie oder einer normalen Erkältung unterschieden werden. Hier kann nur ein Schnelltest oder ein PCR-Test Klarheit verschaffen.

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