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Corona-Ursprung: Führt neue Spur in chinesisches Labor?

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Von: Magdalena Fürthauer

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Entstammt das Coronavirus doch einem Labor? Ergebnisse eines unabhängigen Rechercheteams richten nun den Blick auf ein Virologie-Institut im chinesischen Wuhan.

Wuhan/Washington - Beinahe drei Jahre lang hält das Coronavirus die Welt bereits in Atem. Als Ausgangspunkt lässt sich mittlerweile relativ unumstritten die chinesische Stadt Wuhan ausmachen, die Anfang Januar 2020 die ersten Lockdowns verhängte. Ein Fischmarkt, auf dem auch mit lebenden Tieren gehandelt wurde, gerät dabei besonders ins Visier. Nun befeuern jedoch die Ergebnisse der unabhängigen US-Rechercheorganisation ProPublica die Mutmaßungen, dass das Virus eigentlich einem Labor entstammt.

Corona-Ursprung in Wuhan: Führt neue Spur in chinesisches Labor?

Während in Chinas Metropolen erneut Corona-Lockdowns verhängt werden, veröffentlichte das Rechercheteam rund um seinen Leiter Toy Reid gemeinsam mit der Vanity Fair am Freitag besagten Bericht. Die Anschuldigungen gegen das Virologie-Institut von Wuhan (WIV) und die chinesische Regierung sind schwerwiegend.

So sei die Ausrüstung am Institut vor 2020 mehr als nur mangelhaft, die Technologiestandards nicht zeitgemäß und das Personal nicht für den Umgang mit solch hoch-pathogenen Viren ausgebildet gewesen, wie sie am WIV untersucht worden seien. Außerdem seien die frühen Erfolge in der Impfforschung kritisch zu hinterfragen.

Virologie-Institut in Wuhan
In diesem Virologie-Institut in Wuhan sollen die Zustände dem Umgang mit hoch-pathogenen Viren nicht gerecht geworden sein. © Hector RETAMAL / AFP

Reid stützt seine Recherche auf Unterlagen und E-Mails aus dem chinesischen Labor, die teilweise frei im Internet einzusehen seien, sowie auf Gespräche mit diversen Virologen. Fünf Monate hätte das Team insgesamt daran gearbeitet.

Coronavirus: Bericht von problematischen Zuständen in Wuhan-Labor

Dass im WIV bereits vor 2020 an Coronaviren geforscht wurde, ist nichts Neues. Auch andere Institute haben sich mit dieser Art von Viren in der Vergangenheit auseinandergesetzt, lediglich Sars-CoV-2 bzw. Covid-19 und ihre Mutationen sind neu. Die Nähe zum ausgemachten Anfang der Pandemie streicht ProPublica allerdings besonders hervor. So befinde sich ein Campus des Virologie-Instituts in Wuhan nur acht Meilen entfernt vom Fischmarkt, der andere etwas weiter südlich.

Aus den untersuchten Dokumenten – allesamt auf Chinesisch – gehe hervor, unter welchem Druck die Forscher und Forscherinnen des WIV rund um 2019 gestanden hätten. Demnach habe die Regierung wissenschaftliche Durchbrüche verlangt, weswegen das Personal im Labor vier bis sechs Stunden am Stück arbeiten musste. Dies habe bedeutet, dass die Mitarbeiter in dieser Zeit nichts essen, nichts trinken und auch nicht auf die Toilette gehen konnten.

Corona aus dem Labor? Forschungsumstände werden „Umgang mit gefährlichen Viren nicht gerecht“

Zwischen 2016 und 2018 hätten mehrere Untersuchungen der Laboratorien in Wuhan ergeben, dass die Forschungsumstände dort „dem Umgang mit gefährlichen Viren nicht gerecht“ würden. So sei der Umgang mit Desinfektionsmittel fehlerhaft gewesen und Wasser aus dem Labor direkt in das allgemeine Abwassersystem geleitet worden.

Selbst die Forscher in Wuhan seien sich dieses Problems bewusst gewesen und hätten sich mehrmals beschwert, weder die Ausrüstung, die Standards, das Personal noch die Erfahrung zu haben, um mit solchen Viren umzugehen. In einem Dokument habe jemand aus dem Institut gar notiert, dass das Öffnen von Reagenzgläsern mit Proben mit „Pandoras Box“ zu vergleichen sei. „Diese Viren kommen ohne Schatten und verschwinden ohne jede Spur“, zitiert Reid die Stelle. Von einer weltweiten Pandemie war damals noch keine Rede.

Coronavirus: Probleme in chinesischem Labor – „Sicherheitsschulung“ 2019

Am 19. November 2019 habe schließlich ein hoher Regierungsbeamter und Leiter der chinesischen Akademie der Wissenschaften das Labor in Wuhan besucht, das unter anderem an Coronaviren forschte. Dabei soll es sich „um eine besondere Sicherheitsschulung“ gehandelt haben. Er habe dabei „mehrere generelle Probleme“ bezüglich der Sicherheit des Labors gefunden.

Das ProPublica-Team behauptet sogar, Hinweise gefunden zu haben, dass Parteichef Xi höchstpersönlich über die Vorgänge informiert gewesen sei. Außerdem deute vieles darauf hin, dass sich die erste Person zwei Tage vor dem Besuch mit dem Coronavirus angesteckt habe.

Corona: Erste Impfung durch Militärinstitution entwickelt – verantwortlicher Wissenschaftler offenbar tot

Zuletzt geht der Bericht noch auf die Tatsache ein, dass eine chinesisch-medizinische Militärinstitution im Februar 2020 vor allen anderen Pharmaunternehmen ein Patent für eine Corona-Impfung eingereicht hat. Mehrere Experten hätten dem Rechercheteam versichert, dass dies nur möglich sein könnte, wenn eine Genomsequenzierung des Virus bereits im November 2019 vorhanden gewesen sei. Erst mehrere Wochen später sprach die chinesische Regierung jedoch offiziell vom Ausbruch des Coronavirus.

Der dafür verantwortliche Wissenschaftler, Zhou Yusen, ist laut ProPublica mittlerweile tot. Eine Todesursache sei nicht bekannt. Es ist jedoch zu betonen, dass es sich bei all den Rechercheergebnissen um Mutmaßungen handelt, die auf einigen, jedoch nicht allen offiziellen Dokumenten beruhen. Viele davon sind für Nicht-Regierungsinstitutionen außerhalb Chinas nicht einsehbar. (mef)

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