Teststrategie der Bundesregierung

Corona-Schnelltests –  wie verlässlich sind die Ergebnisse?

  • Julia Cuprakowa
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Um das Coronavirus in Schach zu halten und weitere Lockerungen zu ermöglichen, soll es mehr Schnell- und Selbsttest geben. Dabei sehen die Testergebnisse nicht wirklich vielversprechend aus.

Endlich scheint die Coronavirus-Ausbreitung in Baden-Württemberg etwas an Fahrt verloren zu haben, denn die 7-Tage-Inzidenzen erlauben fast überall Lockerungen. Damit es jedoch nicht zu einer erneuten Welle kommt, sollen die Lockerungen und zahlreiche Öffnungen durch Corona-Schnelltest unterstützt werden. So soll jeder, der es will, auch ohne besonderen Anlass untersuchen können, ob man mit dem Coronavirus infiziert ist und möglicherweise andere anstecken könnte.

Die kostengünstigen Selbsttests aus dem Einzelhandel und kostenlose Schnelltests sollen in etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten Klarheit über eine mögliche Infektion liefern. Die sogenannten Antigen-Schnelltests soll jeder Bürger gratis in Apotheken, Arztpraxen oder Testzentren einmal pro Woche machen lassen können, die Kosten dafür übernimmt der Bund. Allerdings haben die Länder noch bis Anfang April Zeit für die Umsetzung dieser Maßnahme. Doch wie verlässlich sind solche Tests eigentlich?

Corona-Test: Ergebnisse der Schnell- und Selbsttests nicht immer richtig

Die Antigen-Schnelltests für das Coronavirus funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie Schwangerschaftstests. Durchgeführt werden können sie nur durch geschultes Personal. Dafür wird ein Nasen- oder Rachenabstrich gemacht. Die Auswertung erfolgt im Gegensatz zu einem „normalen“ PCR-Test direkt vor Ort. Antigen-Tests suchen in Abstrich-Proben nicht nach Erbgut wie ein PCR-Test, sondern nach Molekülen, die charakteristisch für das Virus sind. Die Selbsttests aus Apotheken, Einzelhandel und Discountern sind dabei mit den Schnelltests identisch. Sie müssen aber zunächst selbst bezahlt werden, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Doch wie zuverlässig ist so eine Schnellanalyse? Studien zeigen, dass Antigen-Schnelltests prinzipiell weniger zuverlässig sind als die für die offiziellen PCR-Tests. Dabei sind zwei Werte entscheidend: die Sensitivität und die Spezifität. Die Spezifität gibt an, wie viele Nicht-Infizierte korrekt ein negatives Ergebnis erhalten. Die Sensitivität wiederum gibt an, wie viele infizierte Personen tatsächlich der korrekt ein positives Testergebnis erhalten. Um die Tests und die Ergebnisse möglichst genau zu machen, wurden vom Paul-Ehrlich-Institut Mindestanforderungen für solche Antigen-Tests festgelegt.

Mindestanforderungen für Antigen-Tests

Die Spezifität muss über 97 Prozent liegen, das heißt, mindestens 97 von 100 Gesunden müssen als solche erkannt werden. Die Sensitivität soll größer als 80 sein, das heißt mindestens 80 von 100 Infizierten muss der Test erkennen. Bei allen Selbsttests (Stand 6.3.), die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bislang zugelassen hat, liegt die Spezifität den Herstellerangaben zufolge bei mindestens 98 Prozent. Es kann demnach in einigen Fällen zu falsch-positiven Ergebnissen kommen - was sich dann durch die zwingend notwendige Prüfung durch einen genaueren PCR-Test herausstellt.

Die Sensitivität liegt bei den bisher zugelassenen Selbsttests nach Herstellerangaben und BfArM-Stichproben bei gut 95 Prozent. Das Problem: Die Tests schlagen am besten bei einer hohen Viruslast an. Infizierte mit geringer Viruslast - etwa zu Beginn oder beim Abklingen der Erkrankung - werden möglicherweise nicht entdeckt.

Corona-Schnelltests: Führt falsche Sicherheit zu steigenden Inzidenzen und mehr Infizierten?

Könnten die falschen Ergebnisse also dazu führen, dass sich Infizierte in Sicherheit wiegen und ungewollt andere Menschen anstecken? Ein Rechenbeispiel: Geht man davon aus, dass in einer Gruppe von 10.000 getesteten Personen 1.000 tatsächlich das Coronavirus tragen, dann könnten mindestens 50 dieser Infizierten im Selbsttest fälschlicherweise ein negatives Ergebnis bekommen. Sie nähmen an, nicht infiziert zu sein - und stecken so womöglich weitere Menschen an. Fehler beim Gebrauch der Tests können diese Werte noch merklich beeinflussen.

„Ein negatives Ergebnis im Antigen-Test schließt eine Infektion nicht aus, insbesondere, wenn eine niedrige Viruslast vorliegt“, so das RKI. Laut dpa sei zudem die Aussagekraft zeitlich begrenzt - schon am nächsten Tag kann das Ergebnis anders sein. Daher ist ein negatives Ergebnis kein Freifahrtschein, die Corona-Regeln zu missachten.

Schnell- und Selbsttest auf das Coronavirus: Frust durch falsch-positives Ergebnis

Ein fälschlicherweise positiver Antigen-Test kann wiederum für Frust sorgen. Denn bis zum daraufhin unabdingbaren Ergebnis des PCR-Tests gehen sie dann davon aus, infiziert zu sein und andere anstecken zu können. Aber erst die Erfahrung der kommenden Monate wird zeigen, wie groß die Probleme durch falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse tatsächlich sind - und auch, wie gut sich mit den Schnelltests die Corona-Pandemie in Schach halten lässt.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Martin Wagner

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