Coronavirus in Deutschland

Corona-Pandemie: Vierte Welle! Was jetzt helfen soll

Die vierte Welle ist in vollem Gange. Auch die Belegung der Intensivbetten steigt seit Juli wieder an. (Symbolbild)
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Die vierte Welle ist in vollem Gange. Auch die Belegung der Intensivbetten steigt seit Juli wieder an. (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Die Situation wiederholt sich. Wie auch im letzten Jahr steigen die Corona-Infektionen seit einigen Wochen wieder an. Kann die vierte Welle noch gestoppt werden?

Die vierte Corona-Welle nimmt Fahrt auf – seit Juli steigen die Infektionszahlen stetig an und Intensivmediziner machen sich Sorgen. Auch in Baden-Württemberg ist die 7-Tage-Inzidenz mittlerweile auf über 90 geklettert*. Zeitgleich scheitern die Behörden immer häufiger an der Kontaktverfolgung, wo diese doch als unverzichtbar gilt, um die Pandemie auch weiterhin im Zaum zu halten. Wie echo24.de* berichtet, warnte auch der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, vor einem „fulminanten Verlauf“ der vierten Welle. Kann man dieses Szenario überhaupt noch verhindern?

Wenn es nach WELT-Redakteur Olaf Gersemann geht, dann ist es tatsächlich denkbar. „Die vierte Welle könnte brechen“, erklärt der Journalist. Seine Argumentation: Im Vergleich zur Vorwoche ist die deutschlandweite 7-Tage-Inzidenz in den letzten Tagen immer weiter zurückgegangen. Gersemann ist der Meinung, die vierte Infektionswelle verliere damit an Dynamik. Aktuell liegt die bundesweite 7-Tage-Inzidenz bei 77,9. Zum ersten Mal seit dem zweiten September ist der Wert damit unter 80 gesunken.

Coronavirus Deutschland: Kann die vierte Welle noch gebrochen werden?

Auch der 7-Tage-Schnitt der neuen Corona-Fälle liegt mittlerweile vier Prozent unter Vorwochenniveau. Das ist der beste Wert seit dem sechsten Juli. „Der Trend deutet darauf hin, dass die vierte Welle nicht nur flacher wird, sondern sogar brechen könnte“, berichtet Gersemann mit Blick auf die Zahlen des Robert Koch-Instituts.

Doch auch der WELT-Redakteur weiß, dass die aktuellen Zahlen „einen erneuten Anstieg der Fallzahlen im Herbst“ nicht ausschließen - und vor einem eben solchen Szenario warnen Experten wie RKI-Chef Wieler. Er appelliert erneut an die deutsche Bevölkerung, sich gegen Corona impfen zu lassen. Die Impfkampagne sei aktuell die größte Herausforderung, sagte Wieler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Im Vergleich zu manch anderem europäischen Land steht Deutschland schließlich nicht besonders gut da. Während die Bundesrepublik nur schleppend vorankommt und aktuell bei ca. 62 Prozent vollständigen Impfungen stockt, kann Portugal etwa schon eine Impfquote von 77,6 verzeichnen - Dänemark liegt bei 80 Prozent.

Corona in Deutschland: Diese Methoden sollen helfen, die vierte Welle zu brechen

Die Impfmüdigkeit der Deutschen soll derweil mit unterschiedlichsten Ansätzen überwunden werden. Während die einen auf Belohnungen bei Impfung setzen - wie Gutscheine, Freikarten oder sogar eine „Impfprämie“ - wollen andere mit strengeren Regeln für Ungeimpfte an die Sache herangehen. In Baden-Württemberg beispielsweise gilt ab heute (Donnerstag, 16. September) eine neue Corona-Verordnung*, die in einem Stufenplan sogar die sogenannte 2G-Regel vorsieht.

Ab einem gewissen Schwellenwert werden Menschen ohne vollständige Immunisierung dann weitestgehend vom kulturellen Leben ausgeschlossen. Der Besuch im Restaurant, Theater oder Kino fällt auf unbestimmte Zeit flach. Doch auch Frank Ulrich Montgomery, der Vorsitzende des Weltärztebundes, hat sich jetzt für eine eben solche Verschärfung der Corona-Beschränkungen ausgesprochen.

Corona in Deutschland: 2G-Regel bleibt umstritten – Ausnahmen gefordert

„Um die vierte Welle zu brechen, bevor sie dramatisch wird, sollte man jetzt bundesweit überall dort, wo es möglich ist, eine 2G-Regel einführen“, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Allerdings müsse es auch Ausnahmen geben - beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr, von dem man Ungeimpfte nicht einfach so ausschließen könne. Allerdings plädiert Montgomery auch hier für eine strengere 3G-Regel. „Ungeimpfte müssten dann einen aktuellen PCR-Test vorweisen. Ein einfacher Schnelltest dürfte nicht mehr ausreichen“, sagte der Ärztebund-Chef.

Schulen und Kitas dürfen nicht wieder eingeschränkt werden

Rolf Mützenich, SPD-Fraktionschef

Auch Politiker wie SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich fordern zumindest Ausnahmen von der 2G-Regel, beispielsweise bei Kindern. „Schulen und Kitas dürfen nicht wieder eingeschränkt werden“, sagte Mützenich der Rheinischen Post. Doch auch er spricht sich generell für die 2G-Regel aus, um die vierte Corona-Welle zu brechen. Denn auch wenn die Zahlen aktuell wieder leicht zurückgehen, warnen Experten vor zu voreiliger Entwarnung.

Corona in Deutschland: Epidemiologe sieht Grund zu „vorsichtigem Optimismus“

Der Saarbrücker Experte für Corona-Prognose Thorsten Lehr beispielsweise sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa: „Dieses Verhalten der Inzidenzkurve haben wir fast auf den Tag genau im letzten Jahr beobachten können.“ Auch damals sei die Inzidenz leicht abgesunken beziehungsweise auf konstantem Niveau verharrt, bevor sie Ende September stark angestiegen sei. Wenn die aktuelle Impfsituation sich nicht verbessere und die Kontaktbeschränkungen so locker blieben, wie jetzt, sei ein ähnlicher Anstieg Ende September, Anfang Oktober wieder erwartbar.

Doch es gibt auch optimistische Forscher. Der Epidemiologe Hajo Zeeb sieht in den aktuell relativ konstanten Infektionszahlen einen Grund zu vorsichtigem Optimismus. In diesem Jahr seien die Hospitalisierungs- und Sterbezahlen niedriger als noch 2020. Deshalb geht er davon aus, dass „der Verlauf dieses Jahr deutlich günstiger wird“, wenn keine neuen Varianten kommen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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