Mutanten nicht mehr „britisch“ oder „indisch“

Corona-Mutation „Alpha“: Neue Namen für Virusvarianten - aus wichtigem Grund

  • Christina Rosenberger
    vonChristina Rosenberger
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Die Corona-Mutationen spielen eine immer wichtigere Rolle. Jetzt bekommen sie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) neue Namen. Und das hat einen guten Grund...

Auf der ganzen Welt sind Corona-Mutationen auf dem Vormarsch. Ob es nun die britische, südafrikanische oder brasilianische Variante ist - sie alle haben es mittlerweile auch nach Deutschland geschafft - und machen Schlagzeilen, weil sich Wissenschaftler immer wieder die Frage stellen, ob unsere Impfungen auch gegen die Varianten helfen. Die Virusmutante, die bisher auf den Namen „britische Variante“ oder B.1.1.7 hört, macht hierzulande aktuell sogar 90 Prozent der untersuchten Proben aus. Künftig soll die Mutation „Alpha“ heißen - echo24.de* erklärt, wieso.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich jetzt dazu entschieden, die Mutationen künftig nach griechischen Buchstaben zu benennen. Das gab die WHO am Montag in Genf bekannt. Demnach gilt die neue Regel für alle Varianten, die als „besorgniserregend“ oder als „von Interesse“ eingestuft wurden und soll „in der öffentlichen Diskussion helfen“, sagte Maria Van Kerkhove von der WHO.

Corona-Mutationen mit neuen Namen: WHO nutzt griechische Buchstaben - wieso?

Dieses neue System der griechischen Buchstaben benennt nun vorerst die Corona-Mutationen aus Südafrika, Brasilien, Indien und Großbritannien. Es soll die wissenschaftlichen Namen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Lediglich die Länder-Bezeichnungen sollen in Zukunft wegfallen. Denn sie zeigen eigentlich nur auf, wo die Virusvariante jeweils zum ersten Mal nachgewiesen wurde - haben aber in der Vergangenheit dazu geführt, die betroffenen Länder zu stigmatisieren und zu diskriminieren.

Initialisiert wurde die Umbenennung der Corona-Varianten vor allem deshalb, weil es in den USA immer wieder zu Hass, Diskriminierung und Angriffen auf Bürger asiatischer Herkunft gekommen war. Daran soll der frühere US-Präsident Donald Trump laut Aktivisten Schuld haben, denn er bezeichnete Covid-19 immer wieder als „China-Virus“, weil Corona dort zuerst nachgewiesen wurde.

Corona-Mutationen mit neuen Namen: Deshalb sollen sich Alpha, Beta, etc. durchsetzen

Solche Verbal-Attacken sollen, wenn es nach der WHO geht, jetzt endgültig aufhören. „Kein Land soll für die Entdeckung und die Meldung von Varianten stigmatisiert werden“, erklärte Van Kerkhove. Um die Diskriminierung in Zukunft zu verhindern und die öffentliche Kommunikation zu erleichtern, will die WHO deshalb nun die nationalen Behörden und Medien dazu ermutigen, die neuen Namen zu übernehmen.

  • Mutation Alpha: Sie wurde zuerst in Großbritannien entdeckt und gilt als leichter zu übertragen. Ihre wissenschaftliche Bezeichnung ist B.1.1.7
  • Mutation Beta: Diese Corona-Variante wurde zuerst in Südafrika nachgewiesen. Zu ihren mutmaßlichen Eigenschaften gehört eine „reduzierte Wirksamkeit der Immunantwort“. Sie wird wissenschaftlich als Mutation B.1.351 bezeichnet.
  • Mutation Gamma: Diese Covid-19-Mutation ist bisher als „brasilianische Variante“ bekannt, weil sie in Brasilien entdeckt wurde. Sie ähnelt der Mutante „Alpha“ und ihre wissenschaftliche Bezeichnung ist P.1.
  • Mutation Delta: Diese Variante ist besonders in Indien weit verbreitet und wurde auch dort zuerst nachgewiesen. Sie wird im allgemeinen Sprachgebrauch auch als „Doppelmutation“ bezeichnet. Wissenschaftler nennen diese Corona-Variante B.1.617.2.

Zwar hätten auch die bisherigen wissenschaftlichen Bezeichnungen ihre Vorteile, sie seien aber schwer auszusprechen - und auch zu merken. Deshalb würden sie häufig verwechselt. Damit das nicht dazu führt, dass beispielsweise in den Nachrichten versehentlich die falsche Variante genannt wird, und dadurch Fehlinformationen über die einzelnen Corona-Mutationen in Umlauf gebracht werden, soll nun eben das einfachere System der griechischen Buchstaben etabliert werden.

Corona-Mutationen mit neuen Namen: Auch andere Bezeichnungen waren angedacht

Doch die WHO hat sich die Entscheidung für die Verwendung griechischer Buchstaben nicht leicht gemacht. Monatelang beriet ein Gremium darüber, wie die Virusvarianten in Zukunft heißen sollten. Im Gespräch waren zunächst auch griechische Götter oder pseudo-klassische Wortschöpfungen. Laut dem Bakteriologen Mark Pallen wurden aber all diese Ideen wieder verworfen.

Die Corona-Mutationen heißen ab sofort nach griechischen Buchstaben. Die bisherige „britische Variante“ wird jetzt als „Alpha“ bezeichnet. (Symbolbild)

Das Gremiumsmitglied erklärte, viele der Namen würden bereits genutzt - für Marken, Unternehmen oder Außerirdische. Den Vorschlag, die Varianten als VOC1, VOC2, VOC3 etc. zu bezeichnen, habe Pallen laut eigener Aussage selbst gestoppt, weil sie zu sehr einem englischen Schimpfwort ähnelten, wenn man sie laut ausspricht. So ging die WHO letztendlich den Weg, die Corona-Mutationen nach griechischen Buchstaben zu benennen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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