Covid-19-Impfung und die Mutationen

Corona-Mutanten: Wie wirksam sind Impfungen gegen Virusvarianten?

Ein Forscher zeigt, wie ein PCR-Test für die Analyse auf Mutationen des Coronavirus vorbereitet wird.
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Inwiefern schützen unsere bekannten Corona-Impfungen auch vor Virusmutationen? (Symbolbild).
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Die Impfkampagne schreitet in Deutschland voran - doch wie wirksam sind die bisherigen Impfstoffe gegen Corona-Mutationen, die sich auch hierzulande verbreiten?

Die Situation in Deutschland scheint sich langsam wieder zu entspannen. Seit einiger Zeit gehen die Corona-Zahlen endlich wieder kontinuierlich zurück. Zuletzt meldete das Robert Koch-Institut (19. Mai) für die Bundesrepublik eine 7-Tage-Inzidenz von 72,8 - und auch in ehemaligen Hotspot-Gebieten wie Heilbronn gibt es nun endlich die Aussicht auf erste Lockerungen der Bundesnotbremse*. Diese Entwicklung verdanken wir wohl den strengen Lockdown-Regelungen, aber zu einem gewissen Anteil auch den Impfungen gegen das Coronavirus.

Wie echo24.de* berichtet, sind mittlerweile 40,6 Millionen Impfdosen in Deutschland verabreicht worden. Somit haben laut impfdashboard.de 37,5 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens eine Impfdosis erhalten (Stand: 18. Mai). 11,5 Prozent der Deutschen sind sogar schon vollständig immunisiert. Doch bei all der Sicherheit, die so eine Covid-19-Impfung verspricht, bleibt doch immer noch die Frage, wie gut man nach der Immunisierung tatsächlich gegen das Coronavirus geschützt ist.

Corona Mutation: Diese Virusvarianten sind in Deutschland bekannt

Mittlerweile gibt es verschiedenste Virusmutationen - die Bekanntesten sind wohl die britische, die südafrikanische, die brasilianische und die indische. Ihnen wird oft nachgesagt, sie seien gefährlicher, ansteckender oder tödlicher als das eigentliche ursprüngliche Coronavirus. Intensiv wird daran geforscht - und besonders stehen die Impfstoffe im Fokus. Und die Frage: Wie geschützt sind Geimpfte auch gegen die neuen Covid-19-Varianten?

Die gute Nachricht vorab: Grundsätzlich gehen Forscher momentan davon aus, dass alle Präparate, die bisher in Deutschland auf dem Markt sind, auch in gewissem Maße gegen die bekannten Mutanten des Coronavirus helfen*. Die Devise lautet: Sich zu impfen bringt mehr Sicherheit vor einer schweren Erkrankung als einfach ungeschützt zu bleiben. Bleibt trotzdem die Frage, wie gut die Immunisierung bei den einzelnen Varianten wirkt, die hierzulande bekannt sind.

Corona Mutation: In Deutschland sind bereits Virusvarianten verbreitet

Denn teilweise sind die Corona-Mutanten in Deutschland schon weit verbreitet. Besonders hat sich die sogenannte „Britische Variante B.1.1.7“ des Virus durchgesetzt. Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) dominiert sie derzeit die untersuchten Proben mit einem enormen Anteil von 90 Prozent. Die Mutante B.1.351, die zuerst in Südafrika nachgewiesen wurde, macht nach Angaben des RKI etwa ein Prozent der untersuchten Proben aus, die Variante P.1 aus Brasilien liegt bei etwa 0,5 Prozent.

Die Variante B.1.617, die in Indien entdeckt wurde und als sogenannte „Doppelmutante“ Schlagzeilen machte, macht in Deutschland bisher laut untersuchten Proben einen Anteil von weniger als zwei Prozent aus. Laut RKI werden wöchentlich etwa 30 Fälle der indischen Corona-Variation nachgewiesen - weiter heißt es aber, der Anteil sei jüngst „stetig gestiegen“.

Corona Mutation: So wirken sich die Varianten auf die Impfstoff-Wirksamkeit aus

Doch nur weil sich Coronavirus-Mutationen schneller oder besser verbreiten, heißt das noch lange nicht, dass auch der Impfschutz beeinträchtigt ist. Das ist laut Forschung bisher bekannt:

  • Die Britische Variante B.1.1.7: Sie beeinträchtigt die Wirksamkeit des BioNTech-Impfstoffes laut Robert Koch-Institut „nicht sonderlich“. Das haben Analysen aus Israel und Großbritannien ergeben. Der Wirkstoff von AstraZeneca dagegen könnte etwas weniger effektiv sein als beim ursprünglichen Virus. Die Studien dazu sind laut RKI allerdings nur „eingeschränkt aussagekräftig“, weil nur wenige Fälle betrachtet wurden.
  • Die Indische Variante B.1.617: Laut Robert Koch-Institut deuten die ersten Untersuchungen darauf hin, dass diese Mutante die Wirksamkeit von Impfstoffen „nicht substanziell beeinträchtigt“. US-Forscher haben das herausgefunden. Allerdings gilt auch hier: Um diese Aussage fix zu bestätigen, wurden noch nicht genügend Fälle untersucht. Ende April sagte Leif-Erik Sander, der Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité dem Science Media Center: „Ein Grund zur Sorge, dass die Impfungen durch diese Virusvariante ihre Wirksamkeit verlieren, besteht aktuell nicht.“
  • Die Südafrikanische Variante B.1.351: Bisher gibt es nur wenige Daten zu dieser Mutante. Allerdings geht das RKI davon aus, dass sie die Wirksamkeit der bisherigen Impfstoffe „zumindest reduziert“. In Katar wurde allerdings analysiert, dass der BioNTech-Impfstoff schwere und tödliche Krankheitsverläufe sehr gut verhindert. Das AstraZeneca-Vakzin wird laut einer Studie aus Südafrika als etwas weniger wirksam beschrieben und auch beim Mittel von Johnson & Johnson könnte nach vorläufigen Daten der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA die Wirksamkeit vermindert sein.
  • Die Brasilianische Variante P.1: Diese Virusmutation ähnelt nach Angaben des RKI der Covid-19-Variante B.1.351 und könnte demnach ebenfalls die Wirkung der Impfstoffe reduzieren. Mitte März untersuchten Forscher aus Großbritannien die Mutante P.1 und kamen zu dem Ergebnis, dass die Impfstoffe von BioNTech und AstraZeneca wohl genauso gut wirken wie gegen die britische Variante B.1.1.7. Eine Studie aus den USA wiederum ergab im Februar, dass die Präparate von BioNTech und Moderna bei P.1 und B.1.351 eine „signifikant verminderte“ Wirksamkeit aufweisen.

Bleibt also festzuhalten, dass es bisher leider noch keine sicheren Angaben zur Wirksamkeit der einzelnen Impfstoffe gibt, aber sehr wohl eine Tendenz. Die lautet: Auch wenn die Mutationen vielleicht die Wirksamkeit der Impfstoffe einschränken, gibt es keinen Grund zur Sorge. Denn Experten meinen, dass alle Impfstoffe, die bisher in Deutschland zugelassen sind, vor sehr schweren bis tödlichen Verläufen bei den derzeit bekannten Covid-19-Mutationen schützen.

Außerdem meinen die Forscher, dass man die bestehenden Impfstoffe rasch gegen bedrohliche Mutanten anpassen kann - und durch Auffrischungsimpfungen immer auch der Schutz gegen mögliche neue Mutationen geboten werden kann. Das wäre dann in etwa so, wie es bereits bei der jährlichen Grippeimpfung gehandhabt wird. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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