Reinfektionsfälle werden häufiger

Corona: Mehrfach-Infektionen – deshalb erkranken Menschen häufiger erneut

  • Fabienne Schimbeno
    VonFabienne Schimbeno
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Immer mehr Menschen stecken sich mehrfach mit dem Coronavirus an. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Einmal vom Coronavirus genesen, wiegen sich die meisten Menschen in Sicherheit. Doch Pustekuchen: Mehrfachansteckungen mit dem Coronavirus sind seit Ausbruch der deutlich ansteckenderen Omikron-Variante immer wahrscheinlicher geworden. Das bestätigt das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Doch wie kommt es zu den immer häufiger auftretenden Reinfektionen? Wir fassen die Gründe für eine Mehrfachansteckung mit dem Coronavirus zusammen:

KrankheitCOVID-19
ErregerSARS-CoV-2
UrsprungChina
MutationOmikron (B.1.1.529)

Mehrfachinfektion mit Corona: Zahl seit Oktober 2021 erheblich gestiegen

Wie das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg bestätigt, gibt es immer häufiger den Fall, dass sich Menschen zum zweiten oder dritten Mal mit dem Coronavirus infizieren, berichtet HEIDELBERG24. Laut SWR hätten sich in Stuttgart zwei Menschen gleich viermal mit COVID-19 angesteckt. Zuvor hatten die „Stuttgarter Nachrichten“ darüber berichtet.

Die Zahl der Reinfektionen sei laut Angaben des Landesgesundheitsamts im April 2022 auf 3,8 Prozent gestiegen – im Oktober 2021 seien es noch 0,6 Prozent gewesen. Doch wie kommt es zu den immer häufiger auftretenden Reinfektionen?

Corona-Mehrfachinfektionen: Das sind die Gründe

Wie SWR-Wissenschaftsredakteur David Beck der Landesrundfunkanstalt gegenüber mitteilt, ist es keine Überraschung, dass es Einzelfälle gibt, in denen sich Menschen gleich viermal mit dem Coronavirus infizieren. „Bereits Ende 2020 gab es erste Berichte von Reinfektionen, es sei also klar gewesen, dass das geschehen konnte“, heißt es im Bericht.

Mit Auftreten der hochansteckenden Omikron-Variante sei eine Reinfektion dann noch mal wahrscheinlicher geworden. Das liege unter anderem daran, dass die Virusvariante den Schutz vor einer Infektion stärker umgehen könne, wird David Beck im SWR-Bericht zitiert. Bereits im Herbst 2021 haben Experten herausgefunden, dass die Immunität bei Genesenen nach einer Omikron-Infektion wohl deutlich kürzer ist als gedacht.

Mehrfachansteckung mit Corona von Verlauf und Variante abhängig

Wie das Online-Nachrichtenportal inFranken.de weiter berichtet, hängt eine erneute Ansteckung auch von dem Verlauf der Krankheit ab: Eine Studie der University of California in San Francisco habe kürzlich gezeigt, dass der Körper in der Regel mehr Antikörper bildet, wenn die Krankheit schwer verläuft. „Milde Verläufe, wie sie Omikron vorwiegend auslöst, haben dagegen eine geringere Immunantwort zur Folge“, heißt es im Bericht.

Die Studie hat außerdem gezeigt, dass eher Antikörper gegen eine spezifische Variante gebildet wurden. „Genauso wie die Impfstoffe, die auf dem Spike-Protein des Wuhan-Virus beruhen, nur bedingt vor einer Infektion mit Omikron schützen, schützt auch eine Infektion mit Varianten vor Omikron nur bedingt vor einer Ansteckung mit Omikron“, wird Carsten Watzl von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie zitiert.

Coronavirus: Menschen werden unvorsichtiger

Andersherum schütze eine Omikron-Infektion laut Experten nicht so gut vor einer erneuten Ansteckung mit den bisherigen oder künftigen Varianten.

Wissenschaftsredakteur David Beck vom SWR argumentiert zudem damit, dass Menschen, die geimpft oder genesen sind, insgesamt unvorsichtiger werden. Das liege daran, dass sie sich vermutlich vor dem Virus geschützt fühlen, erklärt der Journalist. Zudem gebe es kaum noch Corona-Schutzmaßnahmen: Seit dem 3. April 2022 wurde die Corona-Verordnung in vielen Bereichen massiv gelockert.

Es sei auch nicht ungewöhnlich, dass sich Menschen immer wieder mit demselben Virus infizieren würden. „Mit manchen Erkältungsviren infiziere man sich im Laufe eines Lebens vermutlich mehrfach“, heißt es im Bericht.

Coronavirus: Zweite oder dritte Infektion milder

Die gute Nachricht: Die zweite oder dritte Infektion verläuft laut Angaben des SWR milder. Antikörper aus den Schleimhäuten von Mund, Nase und Rachen würden zwar schnell verschwinden, aber die im Blut antikörperproduzierenden Zellen wanderten nach einer Impfung oder Infektion ins Knochenmark, wo sie Jahrzehntelang überleben können.

„Kommt es dann zu einer erneuten Infektion, wird das Immunsystem schnell mobilisiert und das Virus bekämpft, bevor es größeren Schaden anrichten kann“, schreibt der SWR. Neueste Studien verraten, zu welchen Corona-Spätfolgen es auch nach einer milden Omikron-Infektion kommen kann. (fas)

Rubriklistenbild: © picture alliance / REUTERS | Yves Herman

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