Jetzt müssen noch klinische Studien folgen

Omikron-Studie mit Corona-Medikament: Mit diesen Daten überrascht Molnupiravir

Egypt begins producing COVID-19 drug Molnupiravir at Eva Pharma facility, in Cairo
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Omikron-Studie zu Molnupiravir: Entscheidende Daten zum Corona-Medikament
  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Molnupiravir kann Ergebnisse zum Corona-Medikament präsentieren. Bei der Wirksamkeit bleiben aber noch Fragezeichen.

Das Jahr 2022 könnte das Jahr der Corona-Medikamente werden. Noch sind die mRNA-Impfstoffe von Biontech, Moderna und der Vektorimpfstoff AstraZeneca sowie das proteinbasierte Vakzin Novavax und der Totimpfstoff von Valneva die erste Wahl im Kampf gegen das Virus. Inzwischen stehen aber die Medikamente wie Molnupiravir und Paxlovid stärker im Fokus. Zu Molnupiravir (Handelsname Lagevrio) gibt es jetzt eine neue Omikron-Studie.

Nachdem das Corona-Medikament des US-amerikanisches Pharmaunternehmen Merck & Co. (MSD) bereits zu Beginn des Jahres 2022 eine Notfallzulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erhalten hatte, kann es zur Behandlung von nicht hospitalisierten Corona-Pa­tienten eingesetzt werden.

Unabhängige Studien mit Molnupiravir: Omikron-Wirksamkeit im Test

Ende Januar gaben MSD und Ridgeback Biotherapeutics Einblicke in die Ergebnisse aus sechs präklinischen Studien. Dabei wurde deutlich, dass Molnupiravir „in vitro gegen die SARS-CoV-2-Variante Omikron (B1.1.529) Aktivität gezeigt hat“. In der Mitteilung des Unternehmens erklärt dazu Dr. Dean Y. Li, Präsident der Forschungslabore von MSD: „Die Ergebnisse mehrerer unabhängiger in-vitro-Studien zeigten, dass Molnupiravir eine konsistente antivirale Wirksamkeit gegen die weltweit zirkulierende Hauptvariante Omikron aufweist.“

in vitro

Bei in-vitro-Untersuchungen werden laut Definition Organismen und Strukturen nicht in ihrem natürlichen Zusammenhang, sondern grundsätzlich unter experimentellen Bedingungen untersucht. Es handelt sich bei in vitro um organische Vorgänge, die außerhalb eines lebenden Organismus stattfinden.

Die neu gewonnen Daten dieser Omikron-Studie schaffen laut Dr. Li, „zusätzliches Vertrauen in das Potenzial von Molnupiravir“. Es könne demnach eine wichtige „Behandlungsoption für bestimmte Erwachsene“ werden. Er bezieht sich dabei auf Erwachsene mit einer milden bis moderaten Corona-Erkrankung, die ein „hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben“.

Molnupiravir: in-vitro-Studien zum Corona-Medikament in sechs Ländern

In der Stellungnahme weisen die Verantwortlichen darauf hin, dass die in-vitro-Studien „unabhängig voneinander von Forschern aus sechs Ländern durchgeführt“ wurden. Mit dabei waren Belgien, die Tschechische Republik, Deutschland, Polen, die Niederlande und die Vereinigten Staaten.

Präklinische Studien

Bei präklinischen Studien findet die Forschung immer im Labor statt. Es handelt sich dabei meist um Untersuchungen an Zell- und Tiermodellen.

Zu den Studien schreibt MSD: „Bei den Studien wurden etablierte zellbasierte Assays verwendet, um die antivirale Aktivität von Molnupiravir und anderen antiviralen COVID-19-Wirkstoffen gegen besorgniserregende SARS-CoV-2-Varianten, einschließlich Omikron, zu bewerten“. Noch bleiben aber ein paar Fragezeichen. Denn: Molnupiravir muss nach präklinischen noch in klinischen Studien gegen Omikron untersucht werden.

Molnupiravir: Phase-3-Studie veröffentlicht

Wie Merck & Co. mitteilt, ist das Corona-Medikament Monlnupiravir (Handelsname Lagevrio) bereits in über zehn Ländern zugelassen. Mit dazu zählt auch Großbritannien. Erst kürzlich wurde in der medizinischen Fachzeitschrift The New England Journal of Medicine die Phase-3-Studie zu den Tabletten veröffentlicht.

In dieser als MOVe-OUT-Studie bezeichneten Testreihe war, so schreibt es auch MSD selbst, „die Wirksamkeit der Molnupiravir-Therapie in wichtigen Patienten-Untergruppen – einschließlich Patienten, die mit den besorgniserregenden SARS-CoV-2-Varianten Delta, Gamma und Mu infiziert waren – im Allgemeinen konsistent“, also stabil.

Im Beitrag der Fachzeitschrift ist zu lesen, dass die „Überlegenheit von Molnupiravir in der Zwischenanalyse nachgewiesen wurde“. Weiter heißt es: „Das Risiko einer Krankenhauseinweisung aus irgendeinem Grund oder Tod bis Tag 29 war unter Molnupiravir (28 von 385 Teilnehmern geringer als in der Placebogruppe.

Corona-Medikament in der Kritik: Mögliche Nebenwirkungen von Molnupiravir

Immer gab es in der Vergangenheit auch extrem kritische Stimmen zu Molnupiravir. So hatte ein US-Professor gegenüber Technology Review und gegenüber der Washington Post große Bedenken geäußert. Er stellte die Wirksamkeit in Frage und warnte vor den möglichen Nebenwirkungen.

Mit den Bedenken scheint er nicht ganz alleine zu sein. Auch der Professor für Molekulare Zellbiologie an der Universität Zürich, Urs Greber hatte sich schon sehr früh zu dem Medikament von MSD geäußert: „Der Entscheid des Beratergremiums hat mich sehr überrascht. Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich unvorsichtig und nicht nachvollziehbar.“ Beide Corona-Medikamente wurden inzwischen auch schon verglichen.

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