Astrazeneca, Biontech und Co.

Zweitimpfung gegen Corona: Viren-Experte sieht Spielraum bei Abständen

  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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Bei Astrazeneca, Biontech und Co. braucht es für den vollständigen Schutz eine zweite Impfung. Allerdings lässt die teilweise lange auf sich warten.

Ursprünglich vergingen einmal drei Wochen zwischen der ersten und der zweiten Impfung mit dem Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer. Mittlerweile sind es sechs oder mehr. Die Abstände zur Zweitimpfung haben Sinn - sie hängen mit einem besseren Impfschutz zusammen. Trotzdem sieht der Tübinger Virenexperte Peter Kremsner durchaus Spielraum. Vor allem aus einem Grund.

Grundsätzlich hätten die Corona-Impfstoffe ihre Zulassung in Verbindung mit den entsprechenden Impfabständen erhalten und sollten auch so geimpft werden, erklärte der Leiter des Instituts für Tropen- und Reisemedizin des Universitätsklinikums in Tübingen. „Nur mit guten Gründen sollte man davon abweichen.“

Corona-Zweitimpfung: Virenexperte sieht Spielraum bei Abständen

Doch in der Reisemedizin sei es etwa durchaus üblich, von solchen Vorgaben abzuweichen, um Menschen kurz vor einer Reise noch einen Impfschutz zu ermöglichen. Auch bei den Corona-Impfungen sei eine Abweichung von den vorgesehenen Impfabständen möglich, sagte Kremsner, der die Studie für den Corona-Impfstoff des Tübinger Biotech-Unternehmens Curevac leitet.

ImpfstoffZweitimpfung
Biontech/Pfizernach sechs Wochen
Modernanach sechs Wochen
Astrazenecanach zwölf Wochen
Johnson&Johnsonkeine Zweitimpfung

Hausärzte im Südwesten hatten berichtet, dass sie Anfragen erhielten von Menschen, die lieber mit den Corona-Impfstoffen von Biontech und Moderna geimpft werden wollten, da bei diesen die Zweitimpfung bereits nach rund sechs Wochen anstehe und so schneller ein vollständiger Impfschutz erreicht werden könne.

Zweite Corona-Impfung: Abstand verkürzen möglich, aber mit Grenzen

Vollständig Geimpfte dürfen derzeit wie auch Genesene und Getestete wieder mehr Freiheiten genießen. Für den Impfstoff von Astrazeneca wird ein Abstand von zwölf Wochen zwischen den beiden Impfdosen empfohlen. Anfang Mai stellte das Bundesgesundheitsministerium es den Ärzten und Impfwilligen frei, den Abstand auf bis zu vier Wochen zu verkürzen.

Virenexperte Kremsner erinnerte daran, dass Menschen nach der ersten Impfung nicht über den vollen Impfschutz verfügten. Zudem sind der Verkürzung der Impfabstände aus Sicht Kremsners Grenzen gesetzt. „Die zweite Impfdosis bereits nach wenigen Tagen zu impfen, macht keinen Sinn.“

Aktuell werden beispielsweise in Baden-Württemberg wegen des anhaltenden Impfstoffmangels fast ausschließlich Zweitimpfungen verabreicht. Diese sollen garantiert werden. Neue Termine werden in den Impfzentren daher kaum noch vergeben.

Astrazeneca und Biontech: Zweitimpfung nach kürzerer Zeit möglich?

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, der Ulmer Virologe Thomas Mertens, sprach sich im Gespräch mit „Zeit Online“ klar gegen eine Verkürzung etwa bei Astrazeneca aus. Den Abstand zu verkürzen, sei wissenschaftlich Unsinn. Wenn statt zwölf nur vier Wochen zwischen den beiden Impfungen lägen, verringere sich der Impfschutz, sagte Mertens. Bei zwölf Wochen Abstand betrage die Wirksamkeit über 80 Prozent, bei vier nur gut über 50.

Anders sieht es laut Kremsner bei einem längeren Abstand als empfohlen zwischen den beiden Impfdosen aus. Verlängere man den Abstand, habe man vor der zweiten Impfdosis vermutlich einen geringeren Schutz als sonst vorgesehen. „Doch nach der zweiten Impfung sollte der Impfschutz gleich gut sein - auch bei einem längeren Abstand zwischen den Impfungen als vorgesehen“, so Kremsner.

Dritte Impfung: Virenexperte sicher - „schaden wird sie nicht“

Ob nach den Sommerferien im Herbst erneut eine Impfung notwendig sein wird, lässt sich aus Sicht Kremsners derzeit nicht sagen. Dazu fehlten noch die Daten. „Schaden wird eine dritte Impfung aber sicher nicht.“ Die mögliche Auffrischung einer Corona-Impfung sorgt derzeit immer wieder für Diskussionen.

Wie lange und wie gut der Schutz einer Impfung anhalte, könne individuell sehr unterschiedlich sein. Abschätzen lasse sich das etwa durch das Messen von Antikörpern. „Doch selbst bei Impfstoffen, die wir schon sehr lange kennen, fehlt uns zum Teil die Erfahrung, wie lange sie wie gut wirklich schützen“, sagte Kremsner.

Rubriklistenbild: © Fredrik von Erichsen/dpa

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