Mögliche Nebenwirkung im Fokus

Menstruations-Störungen als mögliche Nebenwirkung der mRNA-Impfstoffe?

  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Die Corona-Impfungen sorgen regelmäßig für Schlagzeilen - jetzt beunruhigt eine mögliche Nebenwirkung bei mRNA-Impfstoffen viele Frauen. Was steckt dahinter?

Fieber, Gliederschmerzen, Magen-Darm-Probleme - nach einer Corona-Impfung treten sehr häufig mehr oder weniger schlimme Nebenwirkungen auf. In der Vergangenheit haben die Vektor-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson besonders wegen seltener, aber potenziell tödlicher Hirnvenenthrombosen auf sich aufmerksam gemacht. Die Vakzine wurden in der Folge viel schlechter angenommen und wurden vielerorts zum Ladenhüter. Könnte dieses Szenario jetzt auch den mRNA-Impfstoffen BioNTech und Moderna drohen?

Jedenfalls gibt es mittlerweile immer wieder Berichte von Frauen, die in sozialen Netzwerken besorgniserregende Nebenwirkungen schildern. Sie schreiben von „abnormalen vaginalen Blutungen“, die nicht zu ihrem normalen Zyklus passen oder sogar viel stärker und schmerzhafter ausfallen als üblicherweise. Außerdem berichten auch Frauen in der Menopause über Blutungen.

mRNA-Impfstoffe unter Verdacht: Löst die Corona-Impfung starke Regelblutungen aus?

Erste Fälle wurden wohl schon Anfang Februar dieses Jahres in Israel bekannt. Denn während hierzulande erst seit Kurzem auch junge Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden, wurden dort zu diesem Zeitpunkt schon viele Frauen jüngerer Altersgruppen geimpft. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, wurde hauptsächlich der Wirkstoff von BioNTech verwendet.

Der BioNTech-Impfstoff „Comirnaty“ gerät nun auch wegen möglicher Nebenwirkungen in die Kritik. (Symbolbild)

Daraufhin gab es immer wieder Tweets und Einträge in Internetforen, in denen geimpfte Frauen anormale Regelblutungen schilderten. Doch obwohl auch das israelische Gesundheitsministerium darauf aufmerksam wurde, fanden die Beschwerden vorerst keine Beachtung. Die Regierung Israels hielt einen Zusammenhang nicht für erwiesen, da die Periode durch viele Faktoren wie „Stress oder die Ernährung“ beeinflusst werden könne. So ein Statement aus dem Ministerium. Dennoch gab das israelische Gesundheitsministerium an, die Angelegenheit weiter zu verfolgen und zu untersuchen.

mRNA-Impfstoffe unter Verdacht: Bisher unerforschtes Gebiet - Hormonzyklus nach Corona-Impfung gestört?

Etwa zeitgleich machte eine US-amerikanische Professorin aus Illinois selbst die Erfahrung einer verfrühten und starken Periode nach ihrer Corona-Impfung. Dr. Kathryn Clancy startete daraufhin einen Aufruf bei Twitter - sie wollte wissen, ob es anderen Geimpften genauso ergangen war - und erhielt prompt mehrere hundert Antworten.

Eine Kollegin sagte mir, sie hätte von anderen gehört, die sehr schwere Impf-Nachwirkungen erlitten hätten. Ich frage mich, ob auch andere Veränderungen in ihrem Menstruationszyklus festgestellt haben? Denn ich habe vor anderthalb Wochen meine erste Dosis Moderna erhalten und meine Periode etwa einen Tag zu früh bekommen, und ich sprudle, als wäre ich wieder in meinen Zwanzigern.

Dr. Kate Clancy über Twitter (24. Februar 2021)

Etwa 500 Geimpfte berichteten von ihren Zyklusstörungen nach der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff. Darunter nicht nur junge Frauen, die eben besonders starke Blutungen hatten, sondern auch Damen in den 50ern, die teilweise schon mehrere Jahre lang in der Menopause waren und nach der Impfung trotzdem nochmals mit vaginalen Blutungen zu kämpfen hatten.

Doch die Erfahrungsberichte allein bringen noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu möglichen Impf-Nebenwirkungen. Denn dieser Aspekt wurde weder in den Zulassungsstudien der Hersteller behandelt, noch gibt es andere wissenschaftliche Untersuchungen dieses Phänomens. Viele Frauen melden diese Unregelmäßigkeit gar nicht beim Arzt, selbst wenn sie einen Zusammenhang mit der Impfung vermuten. In weiteren Fällen nahmen Mediziner die azyklischen Regelblutungen ihrer Patientinnen nicht ernst - einige Frauen twittern sogar, dass sie von ihrem Arzt ausgelacht wurden.

mRNA-Impfstoffe unter Verdacht: US-Wissenschaftlerin startet Forschung - nach eigener Erfahrung

Das soll sich jetzt aber ändern. Clancy hat sich der Thematik angenommen und mittlerweile eine groß angelegte Internetumfrage gestartet. Bis Ende April sollen bereits über 25.000 Frauen dort über ihre vaginalen Blutungen nach Corona-Impfungen mit mRNA-Impfstoffen berichtet haben. Jetzt will die Wissenschaftlerin die Daten auswerten. Dabei möchte sie nicht nur wissen, ob sich die mRNA-Impfung auf den Zyklus auswirkt, sondern auch, wie genau.

Ihre Vermutung: Die mRNA-Impfstoffe könnten Entzündungsreaktionen in weiblichen Körpern auslösen. Dafür verantwortlich sind laut Clancys Vermutung sogenannte „Lipid-Nanopartikel“, die in den Vakzinen enthalten sind. Diese Teilchen stehen bereits in der Kritik, weil Forscher vermuten, dass sie bei manchen Geimpften allergische Reaktionen auslösen können.

mRNA-Impfstoffe unter Verdacht: Langzeitfolgen nach Corona-Impfung?

Und genau zu diesem Schluss kommen auch weitere Forscherinnen, die nach ihrer Impfung selbst die Erfahrung gemacht haben, dass sich der Hormonzyklus verändert. Unter anderem Katharine Lee von der Washington University in St. Louis und auch die Hämatologin Akshat Jain aus Kalifornien. Sie geht sogar noch weiter und erklärt gegenüber ABC-News: Falls nach einer Impfung tatsächlich eine Entzündung im Körper entsteht, könnte das die „massive Ausschüttung des Hormons Östrogen“ anregen - und das könnte wiederum die azyklischen Regelblutungen auslösen.

Immerhin gehen die Forscherinnen bisher davon aus, dass die Störungen im Hormonzyklus nach der Corona-Impfung mit einem mRNA-Vakzin nur vorübergehend sind und Betroffene nicht nachhaltig in ihrer Gesundheit beeinträchtigt werden. Dennoch sind sie sauer. Katherine Lee beispielsweise erklärte gegenüber „Good Morning America“, man müsse endlich die Forschung auch an den weiblichen Körper anpassen.

Dass sich die Forschung bisher so wenig für die Auswirkungen einer Impfung auf den weiblichen Zyklus interessiert habe, sei ein Zeichen dafür, was passiert, wenn Frauen in medizinischen Studien zurückgelassen werden. In Zukunft müssten Frauen, insoweit sich ein Zusammenhang zwischen Blutung und Impfung bestätigt, vor ihrer Impfung über die möglichen Folgen aufgeklärt werden.

Rubriklistenbild: © Till Simon Nagel/dpa

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