US-Impfstoff zeigt gute Ansätze

Top-Impfstoff der US-Armee? Vakzin soll gegen alle Corona-Varianten schützen

COVID-19 Vaccine in Orlando
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Neuer Top-Impfstoff: US-Armee will überlegenes Vakzin entwickelt haben.
  • Dominik Jahn
    VonDominik Jahn
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Corona-Impfstoff: Die Daten des Forschungsinstitut des Walter-Reed-Militärkrankenhauses sind vielversprechend. Es gibt dennoch Zweifel.

Mit der aktuellen Omikron-Variante des Coronavirus haben sich auch die Ansprüche an die Impfstoffe verändert. Die mRNA-Impfstoffe von Biontech, Moderna und der Vektorimpfstoff AstraZeneca sowie das proteinbasierte Vakzin Novavax müssen eine viel größere Wirkungsbreite aufweisen. Einen solchen Super-Impfstoff will jetzt die US-Armee entwickelt haben. Erste Virologen haben allerdings Zweifel.

Während in Europa aktuell auf die Entwicklung und Zulassung von Corona-Impfstoffen wie dem Totimpfstoff Valneva oder Sanofi (proteinbasiertes Vakzin) geschaut wird, und auch die Forschung nach Corona-Medikamenten wie Paxlovid und dem - wegen gefährlicher Nebenwirkungen - umstrittenen Tabletten von Molnupiravir vorangetrieben wird, setzt man in den USA weiter große Hoffnungen auf die US-Armee.

Impfstoff der US-Armee: Erste Studien-Ergebnisse

Bereits zu Beginn des Jahres 2021 machte die New York Times in einem Artikel auf den neuen Impfstoff aufmerksam. Demnach könnte es ein Vakzin gegen alle möglichen Coronaviren werden. Im Dezember 2021 berichtete dann Defense One, ein Portal für Neuigkeiten und Analysen in Sicherheitsfragen der USA: „Innerhalb weniger Wochen werden Wissenschaftler des Walter Reed Army Institute of Research bekannt geben, dass sie einen Impfstoff entwickelt haben, der gegen COVID-19 und alle seine Varianten, sogar Omicron, sowie frühere SARS-Viren wirksam ist“.

Walter Reed Army Institute of Research (WRAIR)

Das Walter Reed Army Institute of Research gilt aus die größte biomedizinische Forschungseinrichtung des US-Verteidigungsministeriums. Als Hauptaufgaben zählen die Grundlagenforschung und die angewandte medizinische Forschung zur Unterstützung des US-Militärs. Daneben wurden in der Vergangenheit auch zahlreiche nichtmilitärische Entwicklungen vorangetrieben.

Dem Bericht zur Folge hätte das Armeelabor fast zwei Jahre an dem Spike-Ferritin-Nanopartikel-COVID-19-Impfstoff (SpFN) gearbeitet. Bereits in der Phase-I-Studie gab es positive Ergebnisse mit Testpersonen. Gegenüber Defense One erklärte Dr. Kayvon Modjarrad, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten von Walter Reed Ende Dezember, dass der Impfstoff noch Phase-2- und Phase-3-Studien durchlaufen müsse: „Wir testen unseren Impfstoff gegen alle verschiedenen Varianten, einschließlich Omicron.“

Zweifel am Super-Impfstoff der US-Armee: Virologen äußern sich

Doch kommt da wirklich der Wunder-Impfstoff aus den USA? Virologen aus Baden-Württemberg haben da so ihre Zweifel. In einem Gespräch mit dem SWR äußerte sich Hartmut Hengel, ärztlicher Leiter des virologischen Instituts der Universität Freiburg zu dem Spike-Ferritin-Nanopartikel-COVID-19-Impfstoff. Ansätze seien dabei durchaus interessant. Hengel: „Es handelt sich hierbei um einen Totimpfstoff, der die Möglichkeit bietet, verschiedene Spike-Antigene von verschiedenen Corona-Varianten in einer Spritze zu kombinieren.“ Man könnte also „einen breit wirksamen Impfstoff erzeugen“.

Einen allumfassenden Impfstoff gegen Coronaviren sieht der Leiter des virologischen Instituts aber noch nicht: „Der Impfstoff schützt gegen die, die man bereits kennt, nicht aber gegen die Viren, die in Zukunft noch auftreten werden.“ Vieles sei noch zu unklar. Hartmut Hengel: „Die Technologie und das Design des Impfstoffes sind neu. Die Immunantworten, die man bei den Versuchstieren gesehen hat und jetzt neuerdings auch in der Phase 1 am Menschen, sind schon sehr vielversprechend.“

Vakzin der US-Armee: Totimpfstoff oder proteinbasierter Impfstoff?

Auch scheint bei dem Impstoff der US-Armee die Zuordnung wieder zur Streitfrage zu werden. Ähnlich wie bei Novavax schwanken die Angaben zwischen Totimpfstoff und proteinbasiertem Impfstoff. So sprach Hengel gegenüber dem SWR von Totimpfstoff, während in einem Beitrag des Redaktionsnetzswerks Deutschland von einem Proteinimpfstoff gesprochen wird.

Über die möglichen Chancen durch den neuen Corona-Impfstoffe der US-Armee sagte Dr. Andreas Radbruch, Immunologe und wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin vor wenigen Tagen in einem Bericht von t-online: „Ich denke, dieser Impfstoff ist vielen anderen in der Entwicklung befindlichen Impfstoffen, die ebenfalls auf etwas mehr als nur ein Spike-Protein setzen, zumindest konzeptionell nicht grundsätzlich überlegen. Sie sind auch alle noch nicht zugelassen.“

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