Kampf gegen die Corona-Pandemie

Corona-Impfung: Ist eine Herdenimmunität noch realistisch?

Zwei Männer warten im Impfzentrum auf ihre Impfung.
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Können wir in Deutschland durch Impfungen eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus erreichen? (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    vonChristina Rosenberger
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Corona-Impfungen gelten als das langersehnte Ticket raus aus der Pandemie. Doch dazu braucht es eine sogenannte Herdenimmunität. Kann Deutschland die noch erreichen?

Die deutsche Impfkampagne kommt langsam, aber sicher in Fahrt. Immer mehr Menschen erhalten eine Impfberechtigung* und obwohl es noch Lieferschwierigkeiten* gibt, werden die Impfzentren und niedergelassenen Ärzte immer besser mit Impfstoff versorgt. Immerhin sind mittlerweile 24,7 Prozent der Deutschen mindestens ein Mal gegen das Coronavirus geimpft - 7,4 Prozent haben auch schon ihre Zweitimpfung erhalten. Gemeinsam mit den Menschen, die bereits an Corona erkrankt waren, werden sie als „immun“ bezeichnet.

Doch von der sogenannten Herdenimmunität sind wir in Deutschland noch weit entfernt. Wie echo24.de* berichtet, sprechen Experten über eine Impfquote von 50 bis 90 Prozent, damit ein Schutz für die ganze Gemeinschaft eintritt. Deshalb liegt weiterhin alle Hoffnung auf einer hohen Bereitschaft in der Bevölkerung, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Denn auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte jüngst:

Angenommen, die Herdenimmunität läge bei 70 Prozent. Der Laie denkt dann häufig, wenn sich 70 Prozent impfen lassen, kann sich der Rest nicht mehr infizieren. Das ist aber falsch.

Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitspolitiker

Herdenimmunität in Deutschland: Corona-Mutationen bereiten Forschern Sorgen

Weiter erklärte Lauterbach gegenüber der Welt, selbst wenn allen Bürgern ein Impfangebot gemacht würde, hieße das noch nicht, dass die Bars wieder so öffnen können, wie es vor der Pandemie war. Außerdem gibt es eine weitere Hürde auf dem Weg zur Herdenimmunität: die neuen Coronavirus-Mutationen bereiten Wissenschaftlern Kopfzerbrechen. Zwar haben Forscher jüngst erklärt, es gebe bisher keine Coronamutation, gegen die unsere bisherigen Impfstoffe nicht wirken, doch gibt es Virusvarianten, die zumindest die Wirksamkeit der Impfstoffe beeinträchtigen.

Die südafrikanische Mutante B.1.351 zum Beispiel ist laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland so ein Kandidat. Obwohl sie in Deutschland laut Robert-Koch Institut bisher nur bei einem Prozent liegt - also für das Infektionsgeschehen derzeit keine Rolle spielt, gibt jetzt eine aktuelle Preprint-Studie aus Indien Grund zur Vorsicht. Denn die Ergebnisse belegen, dass der Schutz vor B.1.351 zumindest bei dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer beeinträchtigt ist. Demnach könnten sich Geimpfte mit der südafrikanischen Mutante infizieren und den Erreger auch übertragen.

Herdenimmunität gegen das Coronavirus: Experten streiten über Erreichbarkeit

Deshalb stellt sich die Frage: Ist eine Herdenimmunität mit Blick auf die immer weiter verbreiteten Corona-Mutationen überhaupt noch möglich? Und Experten sind sich bei der Antwort uneins. Der Präsident der Gesellschaft für Virologie, Ralf Bartenschlager, zum Beispiel ist recht optimistisch. Er hält die Herdenimmunität durch konsequente Impfungen weiterhin für das entscheidende Mittel gegen die Pandemie - trotz der Virusvarianten. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte er: „Wie weit wir damit kommen - ob wir eine vollständige Kontrolle im Sinne einer Vermeidung von Infektionen erreichen -, kann man im Moment nicht abschließend sagen.“

Die Epidemiologin Lauren Ancel Meyers aus Texas dagegen glaubt nicht mehr daran, dass eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus möglich ist. In einem Artikel des Fachmagazins Nature sagt sie, sie glaube nicht, „dass wir die Schwelle der Herdenimmunität erreichen und dass die Pandemie dann endgültig verschwindet.“ Sie geht davon aus, dass die Immunität - auch bei Geimpften - mit der Zeit womöglich nachlässt und wir mit zukünftigen Ausbrüchen rechnen müssen.

Corona-Impfungen in Deutschland: Wird eine dritte Dosis nötig?

Doch diese Möglichkeit ziehen mittlerweile auch manche Impfstoff-Hersteller in Betracht. Der Chef des Pharma-Konzerns Pfizer, Albert Bourla, bezeichnete es kürzlich als „wahrscheinliches Szenario“, dass eine dritte Dosis notwendig werde. Dies soll irgendwo zwischen sechs und zwölf Monaten der Fall sein. Danach könnte es sein, dass jährliche Auffrischungen nötig werden. Das bestätigt auch BioNTech-Chef Uğur Şahin kürzlich gegenüber Euronews. Er geht allerdings davon aus, dass Deutschland bereits im August eine Herdenimmunität erreichen kann. Auch wa.de* berichtet, dass Experten über die Erreichbarkeit der Herdenimmunität* streiten.

Denn auch wenn die Corona-Impfstoffe möglicherweise keinen hundertprozentigen Schutz aufbauen können, bedeutet das noch lange nicht, dass sie unwirksam sind. Sie können - im Gegenteil - bei geimpften Personen verhindern, dass die Krankheit einen schweren Verlauf nimmt oder sogar zum Tod führt. Und schon jetzt zeigt sich in Deutschland, wie effektiv die Impfungen eigentlich sind. Denn bei den höheren Altersgruppen, die zuallererst ein Impfangebot erhalten haben, betrug die Inzidenz laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland in der vergangenen Woche noch 104 - um Weihnachten herum lag der Wert bei 726 Fällen pro 100.000 Einwohnern. *echo24.de und *wa.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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