Herzmuskelentzündung nach mRNA-Impfung?

Herzprobleme nach Corona-Impfung mit Biontech – WHO vermutet Zusammenhang

  • Lisa Klein
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Nachdem in Israel und den USA Hunderte Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung mit Biontech gemeldet wurden, hält nun die WHO einen Zusammenhang für wahrscheinlich. 

Im April hat Israel mehrere Dutzend Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung mit dem Biontech/Pfizer-Vakzin* gemeldet, wie *echo24.de damals berichtet hat. Auch in den USA wurden inzwischen über 300 Fälle einer Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) oder des Herzbeutels (Perikarditis) vermeldet. Israels Gesundheitsministerium und deutsche Experten erachteten die Daten damals als nicht besorgniserregend und konnten keinen Zusammenhang zwischen Impfung und Herzleiden bestätigen. Nun hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den Herzproblemen geäußert und hält einen Zusammenhang für wahrscheinlich.

Israelische Medien hatten im April über eine Analyse berichtet, der zufolge 62 Fälle von Myokarditis aufgetreten seien, vor allem bei jungen Männern im Alter von 18 bis 30 Jahren. Davon seien zwei Patienten – ein Mann und eine Frau – gestorben. Insgesamt haben in Israel laut Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) seit Beginn der Impfkampagne bereits 5,2 der neun Millionen Einwohner eine Zweitimpfung erhalten – das entspricht 59,9 Prozent der israelischen Bevölkerung. In dem Land wurde nahezu ausschließlich mit dem Biontech/Pfizer-Präparat geimpft, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Herzmuskelentzündung nach Corona-Impfung – Zusammenhang ist wahrscheinlich

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums teilte im April mit, ein Expertenteam überwache alle Nebenwirkungen der Corona-Impfungen und veröffentliche regelmäßig Berichte. Die in den Medien zitierte Analyse sei aber nicht vom Ministerium veröffentlicht worden. „Sie zeigt keinen eindeutigen Anstieg der Sterblichkeit wegen der Impfung, und es ist auch nicht sicher, dass es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg der Zahl von Herzmuskelentzündungen gibt.“

Nun sieht die WHO doch einen „wahrscheinlichen Zusammenhang“ zwischen Corona-Impfungen mit einem mRNA-Vakzin* und den Herzmuskelentzündungen, die aber „sehr selten“ seien, wie ntv berichtet.

In den USA sind nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde (CDC) 323 Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung mit einem mRNA-Vakzin bei Patienten unter 30 Jahren aufgetreten. Es gibt den Verdacht, dass die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna bei jungen Menschen vereinzelt eine Myokarditis oder Perikarditis verursachen können.

Den 323 Fällen von Myokarditis oder einer Perikarditis stehen allerdings mehr als 50 Millionen Impfdosen gegenüber, die bis dahin an zwölf bis 29-Jährige verabreicht wurden. Insgesamt überwiege laut WHO der Nutzen der Impfung gegenüber den Risiken eindeutig. Der Biontech-Impfstoff soll nachweislich auch vor der Delta-Mutante schützen* – das Vakzin wird also auch in Zukunft einen großen Nutzen haben.

Herzprobleme nach Corona-Impfung – Pfizer äußert sich zu den möglichen Nebenwirkungen

Der Impfstoffhersteller Pfizer teilte im April mit, das Unternehmen sei über die Berichte in Israel informiert. „Wir haben keine Rate von Myokarditis beobachtet, die höher wäre, als man es in der allgemeinen Bevölkerung erwarten würde“, hieß es in der Mitteilung. „Ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung wurde nicht festgestellt. Es gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Beweis dafür, dass in Verbindung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff ein Risiko von Myokarditis besteht.“

Was ist eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis)?

Myokarditis bezeichnet eine Entzündung des Herzmuskels, welche unterschiedliche Ursachen haben kann. Viele Herzmuskelentzündungen verlaufen symptomlos. Eine Myokarditis folgt meistens auf eine Infektion der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts mit Viren, aber auch andere Keime oder eine autoimmunologische Erkrankung können zu einer Entzündung des Herzens führen.

Eine Myokarditis kann lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen und zum plötzlichen Herztod führen. Wird eine Myokarditis frühzeitig entdeckt, können therapeutische Maßnahmen ergriffen werden.

Nach Angaben des deutschen Kardiologen Dirk Westermannn wird das Auftreten von Herzmuskelentzündungen auf etwa 10 bis 20 Fälle pro 100.000 Einwohner pro Jahr geschätzt, wie die dpa berichtet. Die Erkrankung trete normalerweise vermehrt bei jüngeren Patienten auf. Auslöser seien unter anderem Virusinfektionen.

Herzprobleme nach Impfungen sind keine Seltenheit

„Grundsätzlich ist ein Zusammenhang von Impfungen mit dem Auftreten von Herzmuskelentzündungen bekannt“, sagt Westermann. Dies betreffe aber nicht mRNA-Impfstoffe wie den von Biontech/Pfizer, sondern sei vor allem durch die Pockenimpfung bekannt. „Nach mRNA-Impfungen sind auch in Spanien und in den USA sehr wenige Fälle einer Herzmuskelentzündung bekannt geworden“, sagt er. „Auch hier ist eine klare Kausalität bisher nicht belegbar.“ *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ole Spata/dpa

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