Impfstoff aus Russland

Corona-Impfstoff: EU-Arzneibehörde prüft Sputnik V – Kommt bald die Zulassung?

  • Julia Cuprakowa
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Anfangs wurde der russische Impfstoff Sputnik V kritisiert. Nun eröffnet die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) ein Prüfungsverfahren zur Zulassung.

Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus und das Ende der Krise scheint noch in weiter Ferne zu liegen. Doch auch wenn die aktuellen Coronazahlen in jüngster Zeit wieder ansteigen, soll es bald Lockdown-Lockerungen geben. Darauf haben sich Bund und Länder beim letzten Corona-Gipfel geeinigt. Dabei spielt auch der Impffortschritt in Baden-Württemberg und ganz Deutschland eine entscheidende Rolle. Umso erfreulicher ist die Nachricht, dass den Menschen der Bundesrepublik und in der EU demnächst ein weiterer Impfstoff zur Verfügung stehen könnte. Konkret geht es um den russischen Impfstoff Sputnik V, der in mehreren Ländern bereits verimpft wird.

Corona-Impfstoff: EU-Arzneibehörde prüft Sputnik V im „Rolling-Review-Verfahren“

Wie die Deutsche Presse-Agentur an diesem Donnerstag, 4. März, berichtet, hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ein schnelles Prüfverfahren für den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V eröffnet. Die Entscheidung für die Prüfung von Sputnik V basiere auf Ergebnissen von Laborversuchen und klinischen Studien bei Erwachsenen, wie die EMA in Amsterdam mitteilte. Nach den Studien soll der russische Impfstoff die Bildung von Antikörpern gegen das Virus anregen und könne beim Schutz vor Covid-19 helfen. Doch was heißt das genau?

Die Wirksamkeit des Impfstoffes soll nach dem schnellen „Rolling-Review-Verfahren“ (fortlaufende Überprüfung) bewerten werden. Dabei werden Testergebnisse bereits geprüft, auch wenn noch nicht alle Ergebnisse vorliegen und auch kein Zulassungsantrag gestellt wurde. Mit diesem fortlaufenden Verfahren könne man die Belege, die für einen Antrag auf Marktzulassung benötigt werden, schneller zusammen bekommen – heißt im Umkehrschluss, dass der Impfstoff schneller zugelassen werden kann. Wann genau eine Zulassung jedoch erfolgen könnte, ist bis jetzt nicht abzusehen.

Sputnik V: Kommt bald die Zulassung? EU-Kommission trifft endgültige Entscheidung

Der Hersteller von Sputnik V hatte zwar zuletzt mehrfach angegeben, dass ein Antrag bei der EU-Behörde gestellt worden sei. Das war, aber nach Angaben der EMA nicht der Fall. Demnach soll der Antrag auf Prüfung sogar aus Deutschland stammen. Der russische Hersteller hatte die Firma R-Pharm Germany GmbH mit Sitz im bayerischen Illertissen (Landkreis Neu-Ulm) als EU-Partner bei der EMA angegeben, heißt es in einer Mitteilung.

Die EU-Kommission stellte außerdem klar, dass sie mit den Sputnik-Herstellern derzeit nicht über einen Lieferrahmenvertrag für alle 27 EU-Staaten verhandele. Das könne sich dann ändern, wenn die Mitgliedsstaaten entscheiden, das Portfolio an Impfstoffen für die EU zu erweitern. Bisher sind in der EU drei Corona-Impfstoffe zugelassen worden. Sie stammen von den Herstellern Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca. Am 11. März wird die EMA voraussichtlich auch die Zulassung des Impfstoffes des US-Herstellers Johnson&Johnson empfehlen. Die endgültige Entscheidung über eine Zulassung trifft die EU-Kommission – das aber gilt als eine Formsache.

Weiterer Corona-Impfstoff: „Sputnik V kann einen wichtigen Beitrag leisten...“

Russlands staatlicher Direktinvestmentfonds RDIF, der an der Finanzierung der Sputnik-Entwicklung beteiligt ist, begrüßte den Start des EMA-Verfahrens und kündigte für den Fall der Zulassung an, 50 Millionen Menschen in der EU mit dem Impfstoff zu versorgen. Im Juni könne es losgehen, sagte RDIF-Chef Kirill Dmitrijew. Bisher sei Sputnik V in 42 Ländern mit einer Gesamtbevölkerung von 1,1 Milliarden Menschen registriert. Auch Ungarn und die Slowakei hätten das Präparat mit einer Wirksamkeit von 91,6 Prozent bereits ohne EMA zugelassen.

„Sputnik V kann einen wichtigen Beitrag leisten zur Rettung von Millionen Leben in ganz Europa“, sagte Dmitrijew. Russland könne die Entscheidung der EMA indessen kaum erwarten. „Die Partnerschaft beim Impfstoff sollte über der Politik stehen, und die Zusammenarbeit mit der EMA gilt als ausgezeichnetes Beispiel, das bestätigt, dass nur eine Vereinigung der Kräfte dabei hilft, die Pandemie zu besiegen“, sagte er.

Rubriklistenbild: © Pavel Golovkin

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