Erste Studien überraschen

Corona-Impfung und Delta-Variante: Wie wichtig ist eine dritte Impfung?

  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Schützt eine dritte Corona-Impfung noch besser vor der Delta-Variante des Coronavirus? Neue Untersuchungen kommen zu teils überraschenden Ergebnissen.

Stand 5. Juli haben laut Robert Koch-Institut (RKI) mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland eine Erstimpfung bekommen. Und: Insgesamt 39,3 Prozent der Menschen haben auch schon ihren zweiten Piks hinter sich und werden vom RKI als vollständig geimpft registriert. Doch die Delta-Variante des Coronavirus* ist auf dem Vormarsch und viele Fragen sich, ob in absehbarer Zeit eine dritte Impfdosis sinnvoll sein könnte. Berichten von echo24.de* zufolge gibt es dazu nun neue Erkenntnisse.

Das Problem ist, dass die Impfstoffe gegen das Coronavirus* alle neu entwickelt werden mussten und man deshalb nicht auf Langzeitstudien zurückgreifen kann. Was es aber gibt, sind Untersuchungen, in welchen die Immunantwort nach einer Impfung via Blutprobe analysiert wird. Auf Grundlage der genannten Methode wurde erst kürzlich eine neue Studie zum Corona-Impfstoff von AstraZeneca* durchgeführt, über die das Portal hna.de aktuell berichtet. Das Ergebnis: Eine dritte Impfung mit dem Vakzin erzeugt offenbar eine hohe Immunreaktion.

Dritte Corona-Impfung: Neue Studie zu AstraZeneca überrascht

Berichten des Spiegels zufolge wurde in der AstraZeneca-Studie zudem beobachtet, dass die T-Zellen-Antworten – die zeigen, wie lange man gegen ein Virus immun ist – nach der dritten Dosis AstraZeneca besser waren. Die Studie der University of Oxford und des Herstellers AstraZeneca wurde allerdings noch nicht von unabhängigen Forschern begutachtet. Sprich: Die neuen Erkenntnisse zur Corona-Impfung und der Immunantwort sind also erst einmal noch mit Vorsicht zu genießen. Und noch etwas sollte man hier bedenken.

Die AstraZeneca-Studie bescheinigt zwar eine starke Immunantwort nach einer dritten Impfung, unklar bleibt aber, ob eine dritte Impfung wirklich notwendig ist. Nochmal anders sieht die Sache im Bereich der mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna aus. Eine neue US-Studie – die kürzlich im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde – kommt zu dem Schluss, dass nach der zweiten Impfdosis mit einem mRNA-Impfstoff ein über Jahre anhaltender Schutz bestehen könnte.

Dritte Corona-Impfung: Weiterer Piks? Wann der notwendig werden könnte

Berichten des Spiegels zufolge ist es deshalb fraglich, ob die Mehrheit all der Menschen, die mit Biontech oder Moderna geimpft wurden, in absehbarer Zeit überhaupt eine dritte Corona-Impfung brauchen. Was in der US-Studie allerdings nicht berücksichtigt wird, sind noch ansteckendere Varianten des Coronavirus, die in Zukunft auftreten könnten. In der US-Studie haben die Forscher die sogenannten Gedächtniszellen der geimpften Probanden untersucht.

Know-how Gedächtniszellen

Die Gedächtniszellen spielen bei der Impfung eine wichtige Rolle. Sie sorgen dafür, dass das Immunsystem Erreger wie Viren wiedererkennt, die schon einmal im Körper waren. Erinnern sich die Gedächtniszellen, können schnell spezifische Antikörper gebildet werden. Mit einer Impfung wird unserem Körper eine Infektion vorgetäuscht. Im Fall einer realen Infektion kann der Körper nach einer Impfung schnell auf den fremden Erreger reagieren.

Die Datenlage zur dritten Corona-Impfung mit AstraZeneca, Biontech und Moderna ist noch sehr dürftig. Zwar gibt es schon erste Studien zur Wirksamkeit insgesamt, wann oder für wen eine dritte Impfung im Einzelfall aber tatsächlich sinnvoll ist, beantworten die allerdings nicht. Und wie sieht die Sachlage eigentlich nach einer Impfung mit Johnson & Johnson aus? Immerhin muss das Vakzin nur einmal verimpft werden und soll ebenfalls wirksam gegen die Delta-Variante sein. Unklar ist allerdings auch hier, wie lange genau die Schutzwirkung anhält.

Dritte Corona-Impfung: Das ist zur Wirkung von Johnson & Johnson bekannt

Der Spiegel berichtet allerdings von einer Studie zu Johnson & Johnson aus Israel, die Hinweise auf einen mindestens acht Monate langen Immunschutz gibt. Doch genau wie bei AstraZeneca, Biontech und Moderna gilt: Neu auftretende Mutationen könnten eine raschere Auffrischung notwendig machen. Gegebenenfalls müssten die einzelnen Corona-Impfstoffe angepasst werden. Zudem muss man bedenken, dass Ältere oder Menschen mit speziellen Vorerkrankungen schneller eine Auffrischung brauchen könnten.

Sollte eine Auffrischung notwendig werden, könnte für die Betroffenen eine Kreuzimpfung infrage kommen. Denn: Neuste Studien belegen die hohe Wirksamkeit von Kreuzimpfungen*, weshalb auch die Stiko in ihrer neusten Empfehlung* rät, sich nach der ersten AstraZeneca-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff impfen zu lassen. Möglich ist aber auch, dass die einzelnen Hersteller selbst eine Auffrischungsimpfung entwickeln, die auch an mögliche neue Mutationen des Coronavirus angepasst ist

Manche Menschen müssen vielleicht bald wieder eine Arztpraxis aufsuchen, um sich eine weitere Impfung verabreichen zu lassen (Symbolbild).

Das Fazit: Neue Studien wie zu AstraZeneca zeigen, dass eine dritte Impfung eine noch stärkere Immunantwort hervorrufen kann. Andererseits ist die Schutzwirkung auch nach zwei Impfungen schon sehr hoch. Insofern kann die Frage, ob eine dritte Impfdosis noch besser gegen die Delta-Variante hilft, nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden. Fakt ist, dass Auffrischungen irgendwann notwendig werden könnten. *echo24.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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