Studien zum Coronavirus

Corona-Impfstoff: Kann ich auch geimpft andere anstecken? Neue Erkenntnisse

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Die Corona-Impfstoffe sind die große Hoffnung im Kampf gegen die Pandemie. Dabei bleibt aber eine elementare Frage: Können Geimpfte trotzdem noch andere Menschen mit dem Coronavirus anstecken?

Noch immer bestimmt die Corona-Pandemie das Leben der Menschen auf der ganzen Welt. Weil die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Baden-Württemberg noch immer zu hoch und die angepeilte Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche noch immer weit entfernt ist, wurde der Lockdown ab dem 11. Januar noch einmal verschärft. Kontakte müssen damit weiter eingeschränkt werden, der Einzelhandel, Schulen und Kitas bleiben geschlossen.

Corona-Impfungen laufen! Aber: Können Geimpfte andere Menschen trotzdem anstecken?

Angesicht der neuen, noch härteren Regeln wächst der Wunsch der Bürger nach einer Rückkehr zur Normalität weiter an. Dabei gibt es eine große Hoffnung: die Corona-Impfungen. Seit dem 27. Dezember wird in Deutschland geimpft. In Baden-Württemberg sind bislang die Zentralen Impfzentren und die mobilen Impfteams im Einsatz, am 22. Januar sollen die Kreisimpfzentren starten. Gesundheitsminister Manne Lucha teilte zuletzt mit, derzeit würden mit der derzeit vom Bund zur Verfügung gestellten Menge an Impfstoff täglich 6.500 Menschen im Südwesten geimpft werden.

Der Impfstart verläuft aufgrund des begrenzten Impfstoffs schleppend. Und noch immer gibt es in der Bevölkerung viele Fragen zu den Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna. Eine der wichtigsten dabei: Können Geimpfte andere Menschen trotzdem noch mit dem Coronavirus anstecken? Diese Frage hat nämlich eine enorme Auswirkung auf eine mögliche Herdenimmunität. Und die Antwort auf diese Frage fällt noch schwer.

Corona-Impfungen: Sterile Immunität – schützt der Impfstoff nicht nur vor Krankheit?

Fest steht: Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mitteilt, haben die Impfungen laut Herstellerangaben eine hohe Wirksamkeit von bis zu 95 Prozent. Die Corona-Impfstoffe können außerdem vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Im idealen Fall schützt ein Impfstoff nicht nur vor einer Krankheit, sondern auch davor, dass sich Menschen überhaupt infizieren. Diese „sterile Immunität“ ist bislang noch nicht für die Corona-Impfstoffe nachgewiesen. Bislang fehlen dazu noch die Daten, Ergebnisse könnte es in den kommenden Monaten geben.

Was bedeutet sterile Immunität?

Unter steriler Immunität versteht man die Art der Immunität, bei der das Virus abgefangen wird, bevor es über die Schleimhäute in den Körper aufgenommen wird. Durch die Impfung wird nicht nur die Erkrankung, sondern bereits eine Infektion verhindert. Der Geimpfte trägt das Virus dann nicht in sich und kann es auch nicht weitergeben. Wird durch eine Impfung eine Infektion nicht verhindert, aber vor einer Erkrankung geschützt, spricht man laut Pharmazeutischer Zeitung von „funktionaler Immunität“.

Corona-Impfstoff: Geimpfte trotz Impfung ansteckend? Neue Daten geben zu bedenken

„Im Fall der Kandidaten für eine Sars-CoV-2-Impfung wissen wir heute noch nicht, ob sowohl die Erkrankung als auch ein Ausscheiden des Erregers verhindert werden“, gibt Dr. Sebastian Hoehl vom Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt am Main gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung zu bedenken. Aus einer „Nature-Publikation“ geht beispielsweise hervor, dass der Corona-Impfstoff von AstraZeneca Schäden in der Lunge von geimpften Affen komplett verhindert, aber die Tiere das Virus über die Nase noch ausatmen. Auch hna.de* berichtet über die neuen Erkenntnisse zum Corona-Impfstoff.

Das Sozialministerium von Baden-Württemberg teilt auf seiner Website mit: „Trotz Immunität können Sie das Virus möglicherweise noch übertragen – die [AHA-]Regelungen gelten vorerst also weiterhin, zum Schutz aller.“ Um herauszufinden, ob die Impfstoffe auch die eigentliche Infektion verhindern, müssen die Geimpften regelmäßig getestet werden, um zu checken, ob sie das Coronavirus in sich tragen – und wie hoch die Viruslast ist. Laut Zeit Online ist das aufwendig und teuer.

Corona-Impfungen: Können Geimpfte Virus übertragen? Auswirkung für Herdenimmunität

Wie die SZ berichtet, bezweifeln einige Experten, dass sich mit mRNA-Impfstoffen (wie denen von Biontech/Pfizer und Moderna) eine solche „sterile Immunität“ herstellen lässt. Andere halten es für möglich. Dennoch gibt es Hoffnung, denn erste Daten deuten darauf hin, dass gegen Corona Geimpfte zumindest weniger Viren ausscheiden. Es sei anzunehmen, dass Infektionen bei Geimpften schwächer verliefen, kürzer seien und sich weniger Virus auf der Schleimhaut finde, erklärte Florian Krammer, Professor für Impfstoffforschung aus New York gegenüber Zeit Online. Der Geimpfte könnte ansteckend sein, aber wahrscheinlich nicht mehr so stark wie ohne Impfung.

Aber reicht das für einen Schutz gegen die Corona-Erkrankung und die Ansteckung? Das wird sich vermutlich erst zeigen. Aus diesem Grund müssen Geimpfte weiterhin Abstand halten und Maske tragen. Und was bedeutet das für die Herdenimmunität? Die WHO sprach davon, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden müssten, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Wenn aber Geimpfte trotzdem ansteckend sind, müssten sich womöglich noch mehr Menschen impfen lassen. Zunächst einmal gilt es aber, weitere Daten abzuwarten. *echo24.de und hna.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa

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