Ostern während Corona-Pandemie

RKI mit schlimmer Erwartung zu Ostern: Fliegt uns die Inzidenz um die Ohren?

  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
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Das Coronavirus ist erneut auf dem Vormarsch. Vor allem die Fallzahlen mit der Corona-Variante B.1.1.7 schnellen in Deutschland in die Höhe. Das RKI prognostiziert eine extreme Inzidenz nach Ostern.

Das Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland nimmt weiter an Fahrt auf. Besorgniserregend ist vor allem der rasante Anstieg der bundesweiten 7-Tage-Inzidenz. Sie wird heute, 15. März, mit 82,9 angegeben, nach 79 gestern und 76,1 am Tag davor. Der deutschlandweite Höchstwert lag bisher bei 217 am 23. Dezember 2020. Der von der Politik festgelegte Grenzwert für Lockerungen* der Corona-Maßnahmen liegt, seit dem letzten Bund-Länder-Treffen, bei einer 7-Tage-Inzidenz von 50, wie echo24.de* bereits berichtete.

Und gerade dieser Wert rückt für viele Bundesländer wieder in weite Ferne. Sollte Deutschland die Corona-Ausbreitung nicht bald in den Griff bekommen, könnten die Neuinfektionszahlen nach Ostern höher sein als um die Weihnachtszeit 2020. Die Inzidenz könnte dann bei 350 liegen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) prognostiziert.

Coronavirus-Ausbreitung in Deutschland: Prognose vom RKI - Corona-Mutante B.1.1.7 bereitet sich schnell aus

Doch wieso kommt es erneut zu einem rasanten Anstieg der Corona-Zahlen? Sind etwa die regional beschlossenen Lockerungen Schuld daran? Grund hierfür sei unter anderem die sich rasch ausbreitende Corona-Mutante B.1.1.7, die erstmals in Großbritannien nachgewiesen wurde, heißt es im RKI-Lagebericht vom 12. März.

Laut RKI zeigt sich bei der Variante B.1.1.7 ein exponentiell ansteigender Trend der 7-Tage-Inzidenz. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, habe sich diese alle zwölf Tage verdoppelt. Demgegenüber zeige der Verlauf bei allen übrigen Varianten einen Rückgang um etwa 19 Prozent pro Woche. Diese beiden Trends würden sich zurzeit noch überlagern, was insgesamt zu der nur langsam ansteigenden 7-Tage-Inzidenz der vergangenen vier Wochen geführt habe.

Deutschland: Impf-Offensive gegen Mutanten-Ausbreitung - gleichzeitig Probleme bei Impfstoff-Versorgung

Um die Corona-Zahlen wieder in den Griff zu bekommen und gleichzeitig die langersehnten Lockerungen beibehalten zu können, müssen mehr Menschen in Deutschland geimpft werden. Doch auch in dieser Hinsicht gibt es einen derben Rückschlag. Denn: Es soll Probleme bei der Versorgung mit Corona-Impfstoffen geben.

Das Pharmaunternehmen AstraZeneca hatte mitgeteilt, dass anstatt der zuletzt anvisierten 220 Millionen Dosen nur noch 100 Millionen bis zur Jahresmitte an die EU-Staaten gehen werden. Der deutsche Anteil daran liegt rechnerisch bei etwa 19 Millionen. Der Konzern begründete dies unter anderem mit Exportbeschränkungen, ohne Details zu nennen.

Laut Robert-Koch-Institut (Stand: 10. März) wurden in Deutschland bereits über acht Millionen Impfdosen verabreicht. (Symbolbild).

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wie alle anderen EU-Mitgliedsstaaten auch wird Deutschland im März vorübergehend deutlich weniger Impfstoff von AstraZeneca bekommen* als geplant.“ Nach den neuesten Daten, die das Unternehmen der EU-Kommission übermittelt habe, sollen die Lieferschwankungen nach Auskunft des Impfstoffherstellers bis Ende März aber wieder ausgeglichen sein, so der Sprecher. Es sei generell schwierig, verlässliche Angaben über die Liefermengen von AstraZeneca zu bekommen. Im Gegensatz zu Biontech würden diese häufig von den Ankündigungen abweichen.

Und auch der neu zugelassenen Impfstoff von Johnson & Johnson soll, nach Erwartung von Bundesgesundheitsminister Spahn, erst Mitte oder Ende April in Deutschland ankommen. Grund dafür seien unter anderem Zweifel an der Exportpolitik der USA. Das Weiße Haus betont zwar, es gebe kein Exportverbot, die Priorität sei aber, zuerst die US-Bevölkerung zu impfen.

Corona-Mutante B.1.1.7-Ausbreitung in Deutschland: Intensivmediziner fordert sofortigen Lockdown

Um die Impfkrise zu überbrücken und die zeitgleich die Corona-Ausbreitung im Zaum zu halten, fordert ein Intensivmediziner die sofortige Rückkehr in den Lockdown. „Von den Daten, die wir jetzt haben und sehen und mit dem Durchsetzen der britischen Mutante würden wir sehr stark dafür plädieren, jetzt sofort wieder in einen Lockdown zu gehen, um einfach eine starke dritte Welle zu verhindern“, sagte der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, am im rbb-Sender Radioeins, wie der Tagesspiegel berichtet. DIVI ist die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.

Außerdem hoffe Karagiannidis sehr, dass die Landesregierungen rechtzeitig die vereinbarte „Notbremse“ ziehen würden. Bund und Länder hatten eine Rückkehr in den Lockdown vereinbart, wenn in einer Region die 7-Tage-Inzidenz wieder die Marke von 100 erreicht. „Ansonsten würden wir jetzt noch einmal 5000, 6000 Patienten auf der Intensivstation sehen“, sagte der Intensivmediziner. „Man sieht sehr deutlich, dass wir sehr schnell jetzt wieder in steigende Intensiv-Zahlen geraten werden, sofern wir dem Virus jetzt die Möglichkeit dazu geben.“  *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene

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