News-Ticker zur Pandemie in Deutschland

Corona in Deutschland: Ex-Bundespräsident Gauck bezeichnet Impfverweigerer als „Bekloppte“

Ex-Bundespräsident Gauck mit einem ernsten Gesicht, einen Anzug tragend, vor beigem Hintergrund.
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Ungeimpfte und Impfgegner gefährden ihre Umgebung, findet Alt-Bundespräsident Joachim Gauck.
  • VonBettina Menzel
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Die Inzidenz ist am Samstag leicht gesunken. Während der Ärztepräsident vor Druck warnt, bezeichnet Alt-Präsident Gauck Impfgegner als „Bekloppte“. Der Ticker.

  • Die 7-Tage-Inzidenz lag am Samstagmorgen nach Angaben des RKI bei 82,8 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Der Wert sank damit im Vergleich zum Vortag.
  • Der Ärztepräsident Klaus Reinhardt hält es derzeit für „unangemessen noch mehr Druck auf Nicht-Geimpfte auszuüben.“ (siehe Update vom 11. September, 8.33 Uhr)
  • Baden-Württemberg plant verpflichtende, wöchentliche Tests für ungeimpfte Arbeitnehmer und Selbstständige. Sie müssen die Testergebnisse vier Wochen lang aufbewahren und gegebenenfalls den Behörden vorzeigen. (siehe Update vom 11. September, 12.57 Uhr)
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 11. September, 15.31 Uhr: Die Kurve der vollständig Geimpften flacht in Deutschland immer mehr ab. Knapp 62 Prozent der Deutschen haben inzwischen ihre zweite Impfung gegen Covid-19* erhalten.

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck ist wütend. Bei einer Tagung für Lehrer in Rostock betonte der berentete Politiker, die Pandemie sei noch nicht vorbei. „Dann ist ja auch schrecklich, dass wir in einem Land leben, in dem nicht nur Bildungswillige leben, sondern auch hinreichende Zahlen von Bekloppten.“ betonte Gauck. Nicht für sich selbst, sondern für ihr Umfeld schafften Impfverweigerer Probleme. „Also Entschuldigung: Das darf ich mal so locker formulieren, ich bin ja jetzt Rentner und muss nicht mehr auf jedes Wort achten.“

Ungeimpfte und Impfgegner gefährden ihre Umgebung, findet Alt-Bundespräsident Joachim Gauck.

BaWü verschärft Corona-Regeln wohl noch - Ärztepräsident spricht von „unangemessenem“ Druck

Update vom 11. September 2021, 12.57 Uhr: Baden-Württemberg plant verpflichtende, wöchentliche Tests für ungeimpfte Arbeitnehmer und Selbstständige. Das gilt für all jene, die Kontakt zu außenstehenden Personen haben. Das berichten die Zeitungen Heilbronner Stimme und der Südkurier am Samstag. Gelten soll diese Regelung, sobald die neue Corona-Warnstufe im Bundesland greift. Arbeitnehmer und Selbstständige müssen die Tests dann bis zu einen Monat lang aufbewahren und sie den Behörden auf Wunsch vorzeigen.

Eine Stellungnahme der Behörden gab es zunächst noch nicht. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur erklärte ein Ministeriumssprecher, man wolle den genauen Details der Verordnung noch nicht vorgreifen. In Baden-Württemberg gibt es künftig verschiedene Warnstufen: Stufe eins gilt ab einer Belegung von 250 Intensivbetten. Ebenso greift die Stufe, bei einer Hospitalisierungsinzidenz von acht. Das bedeutet, dass innerhalb von sieben Tagen acht Menschen pro 100.000 Einwohner in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Für Ungeimpfte hat das zur Folge, dass sie einen PCR-Test vorlegen müssen, um gewisse öffentliche Bereiche zu betreten. Stufe zwei gilt ab 390 belegten Intensivbetten oder einer Hospitalisierungsinzidenz von zwölf. Ungeimpfte können sich dann nicht mehr freitesten. Bei Sport- oder Kulturveranstaltungen müssen sie dann draußen bleiben. Auch Restaurantbesuche wären dann nicht mehr möglich. Die Details der neuen Coronaschutzverordnung will die Landesregierung in etwa eineinhalb Wochen veröffentlichen.

Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige bald in den USA? FDA könnte Notzulassung erteilen

Update vom 11. September 2021, 8.45 Uhr: Insider verraten, dass die Zulassung der Impfstoffe Pfizer und BionTech für Kinder in den USA bereits im Oktober kommen könnte. Das berichtet Tagesschau.de am Samstagmorgen. Das Nachrichtenportal beruft sich dabei auf „zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen“. Sofern die Unterlagen rechtzeitig eingereicht würden, könnte die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA den Impfstoffen von Pfizer und BionTech für Kinder bis Ende Oktober eine Notzulassung erteilen, so der Bericht weiter. Zugelassen wären diese dann für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren.

Nur wenige Menschen nutzen bislang Auffrischungsimpfungen in Deutschland

In Deutschland ließen sich unterdessen bislang 162.000 Menschen eine Auffrischungsimpfung verabreichen. Das geht aus Angaben des Robert-Koch-Instituts hervor. „Die Zahlen zeigen, dass derzeit weder besonders viele Ärzte bei den Auffrischimpfungen mitmachen noch in der Bevölkerung der Bedarf nach einer weiteren Dosis groß ist“, sagte Andreas Gassen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung der Welt am Sonntag.

Aus Sicht von Gassen liegt dies unter anderem an der fehlenden Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). „Die Bevölkerung hat mittlerweile zu Recht gelernt, beim Impfen nicht auf Politiker, sondern eher auf Mediziner zu hören“, so Gassen weiter. Die Stiko plant nach eigenen Angaben allerdings zeitnah eine Empfehlung herauszugeben. Die Auffrischimpfungen durchzuführen, sei für Ärzte schlecht vergütet und organisatorisch aufwendig, so der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung weiter.

Präsident der Bundesärztekammer hält noch mehr Druck auf Ungeimpfte für „unangemessen“

Update vom 11. September 2021, 8.33 Uhr: Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, bezeichnet stärkere Einschränkungen für Ungeimpfte als unangebracht. „Noch mehr Druck auf Nicht-Geimpfte auszuüben, wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht angemessen“, sagte Reinhardt im Gespräch mit der Passauer Neuen Presse am Samstag.

Als Argument führt der Ärztepräsident an, dass das Gesundheitssystem derzeit nicht überlastet sei und noch stärkere Maßnahmen gegen Ungeimpfte daher nicht legitimiert wären. „Zum anderen dürfte mehr Druck bei Unentschlossenen, die man mit vernünftigen Argumenten überzeugen könnte, eher Gegenreaktionen auslösen“, gibt der Arzt zu bedenken. So werde man die fehlenden 20 bis 25 Prozent der Nicht-Geimpften nicht erreichen. Statt den Druck zu erhöhen, fordert der Ärztepräsident mehr Aufklärungsarbeit: „Bestehende Zweifel zu zerstreuen und Fake-News über das Impfen (...) konsequent zu korrigieren“, sei die Lösung, um die Menschen zu erreichen.

Mehrere Bundesländer hatten angekündigt, künftig keine Entschädigung mehr bei einem Verdienstausfall durch Quarantäne zu zahlen. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise* läuft die Hilfe am 11. Oktober zusammen mit den kostenlosen Bürgertests aus. Dann gibt es dort keine Lohnfortzahlung für Ungeimpfte, die in Quarantäne müssen. „Diese Debatte ist überzogen“, hält der Präsident der Ärztekammer entgegen. Zudem löse sie die daraus folgende Frage aus, wie mit anderen Menschen umgegangen werde, die Raubbau an ihrem Körper betreiben, so Klaus Reinhardt weiter.

Inzidenz sinkt am Samstag leicht im Vergleich zum Vortag, liegt aber höher als noch eine Woche zuvor

Erstmeldung vom 11. September 2021: Am Samstagmorgen wurden 11.214 Neuinfektionen aus den vergangenen 24 Stunden gemeldet. Das sind 379 mehr als vor einer Woche.. Damit liegt die Anzahl der Infektionen* innerhalb der letzten sieben Tage* bei 82,8 pro 100.000 Einwohner. Am Freitag lag der Wert noch bei 83,8 und eine Woche zuvor bei 80,7. Das geht aus Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI)* hervor. Die Bundesrepublik befindet sich in der vierten Welle, bei der vor allem junge Altersgruppen betroffen sind. Der RKI-Chef Lothar Wieler warnte zuletzt vor einem dramatischen Anstieg der Neuinfektionen, sollte die Zahl der Impfungen nicht deutlich gesteigert werden.

Insgesamt starben in Deutschland seit Beginn der Pandemie 92.598 Personen an oder mit dem Virus. Die bekannten Infektionen liegen derzeit bei 4.070.295, insgesamt sind 3.817.900 genesen.
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