Wie viel Wahrheit steckt in den „Verschwörungs“-Videos?

Was ist dran an „Schwarzen Würmern“ und Ethylenoxid in Tupfern und FFP2-Masken?

„Schwarze Würmer“ und Ethylenoxid in Corona-Tupfer und FFP2-Masken? Ein Experte erklärt, was es mit den mysteriösen Phänomenen auf sich hat.

Die Corona-Pandemie* ist schon seit Anfang an ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker: Mikro-Chips in Impfungen, Überwachung durch Bill Gates, Coronavirus als Biowaffe, tödliches Ethylenoxid in FFP2-Masken und Schnelltest-Stäbchen – die Liste ist lang. „Enthüllungs-“Videos und Beiträge rund um das Coronavirus verbreiten sich im Netz rasend schnell. Derzeit kursieren etliche Videos in den sozialen Netzwerken, in denen von merkwürdigen Funden und Substanzen in Masken und Testkits berichtet wird, wie etwa „schwarze Würmer“.

Handelt es sich dabei nur um Verschwörungstheorien und einem weiteren Versuch von Corona-Leugnern und Gegnern*, die Pandemie ins Lächerliche zu ziehen oder ist tatsächlich etwas dran an den „Schwarzen Würmern“ und dem Ethylenoxid in Corona-Stäbchen und FFP2-Masken? Experten haben sich die Phänomene angesehen – in einem Video auf rtl.de erklärt der Medizinjournalist Dr. Specht, was es damit wirklich auf sich hat. An einer Sache ist tatsächlich etwas Wahres dran.

Was hat es mit den „Schwarzen Würmern“ auf Corona-Tupfern und FFP2-Masken auf sich?

Für Aufsehen und wilde Diskussionen sorgen im Netz derzeit die Wattestäbchen, welche bei einem Corona-Test zum Einsatz kommen, und die FFP2-Masken: Unter einem Mikroskop zeigen sich bei näherer Betrachtung der Tupfer und Masken in verschiedenen Videos angeblich kleine schwarze Würmer, die sich bewegen.

„Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“, leitet der Medizinjournalist Dr. Specht das Video auf rtl.de ein. „Was ich von biologischer medizinischer Seite sagen kann: Es passt hier vorne und hinten nichts zusammen.“ Und weiter: Bei den angeblichen Würmern auf den Corona-Tupfern handelt es sich laut des Medizinjournalisten nicht um „Schwarze Würmer“, sondern Maden – ob das besser ist?

Befinden sich wirklich Parasiten in Corona-Tupfern und FFP2-Masken?

„Diese Maden, sie bestehen hauptsächlich aus Eiweiß, leben bei Temperaturen idealerweise von 20/25 Grad“, erläutert Dr. Specht weiter. Doch jetzt kommt das große Aber: „Wenn es so gewesen sein sollte wie beschrieben: Neue Maske gekauft, erst mal 90 Minuten im Ofen bei etwa 50 Grad – dann ist jede Made kaputt. Die überlebt das gar nicht.“ Bei diesem Video handelt es sich also um einen Fake, auch bevor die Maske in den Ofen geschoben wurde, werden aller Wahrscheinlichkeit keine Maden oder „Schwarze Würmer“ auf der FFP2-Maske gewesen sein.

Auch die Redakteure des unabhängigen Vereins „Correctiv“ haben sich das Phänomen der „Schwarzen Würmer“ bereits genauer angesehen und zwei Tupfer für Corona-Schnelltests von einem Biologen im Labor untersuchen lassen. Die Recherche ergab: „Es handelt sich nicht um Lebewesen, Roboter oder Metallfäden, sondern lediglich um Stofffasern, von denen keine nachweisliche Gesundheitsgefahr ausgeht. Sie bewegen sich nicht von selbst, sondern durch elektrostatische Aufladung oder den Luftzug“, wie rtl.de berichtet.

Wie gefährlich ist Ethylenoxid in Watte-Stäbchen und bei FFP2-Masken?

Doch die Tupfer sollen eine weitere Bedrohung darstellen: Denn die Wattestäbchen werden zur Sterilisation mit Ethylenoxid behandelt. Ethylenoxid ist hochgradig krebserregend. Der Forensiker und Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke erklärt gegenüber Correctiv: Ja, Wattestäbchen und Tupfer werden nach der Herstellung sterilisiert. „Dafür wird zum Beispiel das Gas Ethylenoxid drüber geleitet, um alle Keime, Viren und Bakterien abzutöten.“

Was ist Ethylenoxid?

Ethylenoxid ist ein farbloses, hochentzündliches Gas und das einfachste Epoxid. Expoxide sind eine chemische Stoffgruppe sehr reaktionsfähiger, cyclischer, organischer Verbindungen. Ethylenoxid wird als Desinfektionsmittel für Nahrungsmittel, organische Dämmstoffe (Wolle, Pflanzenfasern), Textilfasern und medizinische Geräte verwendet. Ethylenoxidgas tötet Bakterien, Viren und Pilze ab.

Die Sterilisation mit Ethylenoxid ist heutzutage ein weitverbreitetes Verfahren in der industriellen Herstellung von Medizinprodukten, insbesondere von Einmalprodukten wie Verbandstoffen, Nahtmaterial oder Spritzen und Kathetern, aber auch von chirurgischen Instrumenten und empfindlichen Medizinprodukten.

Ethylenoxid ist tatsächlich giftig und krebserregend, wenn es eingeatmet wird. Symptome einer solchen Vergiftung sind Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Mit zunehmender Dosis kommt es zu Zuckungen, Krämpfen und schlussendlich zum Koma. Aber es gibt Entwarnung: Der Sterilisationsprozess wird streng kontrolliert, um sicherzustellen, dass alle verbleibenden Rückstände ungefährlich für den Menschen sind. Dr. Mark Benecke vergleicht die Gefahr, die von den Wattestäbchen ausgeht, daher mit dem Besuch einer Tankstelle: „Das, was man dort an giftigen Stoffen einatmet, ist das Vielfache davon.“ *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa / Christophe Gateau

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema