STIKO-Empfehlung

Corona-Auffrischungsimpfung für alle? Die Booster-Entscheidung der STIKO

  • Lisa Klein
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Sollte sich jeder eine Auffrischungsimpfung holen? Ärzte kritisieren Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für seine Äußerungen.

Booster-Impfung für alle: Ja oder Nein? Die Frage um den richtigen Zeitpunkt für eine Auffrischungsimpfung ist aktuell zentral im Kampf gegen das Coronavirus. Die Ständige Impfkommission (STIKO) will deshalb kurzfristig entscheiden, ob Booster-Impfungen gegen das Coronavirus in Deutschland künftig für alle empfohlen werden sollen.

Die Ständige Impfkommission prüft im Moment sehr intensiv, ob sie Auffrischungsimpfungen für alle Bevölkerungsgruppen empfehlen wird.

Vorsitzende der Stiko, Thomas Mertens, gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Es gebe Daten aus internationalen Studien, die dafür sprechen würden. Allerdings muss überprüft werden, inwieweit diese Ergebnisse auf Deutschland übertragbar seien. „Eine Entscheidung darüber wird in wenigen Wochen fallen“, sagte Mertens. Es dauert also noch etwas. Bei einer solchen allgemeinen Empfehlung für Booster-Impfungen sei die Frage entscheidend, ob damit die Weiterverbreitung des Virus gebremst werden könne.

Coronavirus: Booster-Impfung für alle? STIKO-Empfehlung lässt auf sich warten

Bislang empfiehlt die Stiko die Auffrischungsimpfung vor allem für Menschen ab 70 Jahren und Personal im Gesundheitsbereich. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass laut Impfverordnung grundsätzlich aber alle Menschen Anspruch auf eine Booster-Impfung hätten – unabhängig der STIKO-Empfehlung.

Ärztevertreter hatten daraufhin harte Kritik an Spahn geübt. Durch Spahns Äußerung werde der Aufklärungs- und Diskussionsbedarf in den Praxen größer, meinte etwa der Hausärzteverband. Fraglich ist auch, ob die Haus-, Fach- und Betriebsärzte einen möglicherweise großen Ansturm überhaupt händeln können. Schließlich wurden die meisten Impfzentren in Baden-Württemberg bereits geschlossen.

Weltärztebund fordert Booster-Impfung für alle – Impfschutz muss stabil bleiben

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, forderte währenddessen eine möglichst breite Nutzung der Auffrischungsimpfungen. „Jeder, dessen vollständige Impfung sechs Monate zurückliegt, sollte sich bald eine Auffrischungsimpfung holen“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. So wird es beispielsweise bereits in Israel gehandhabt.

Nötig sei in diesem Herbst eine neue, zentrale Impfkampagne, die sich nicht nur an die Ungeimpften richte, sondern auch für allgemeine Booster-Impfungen werbe. Schließlich bringe es nichts, wenn bereits Geimpfte ihren Impfschutz verlieren und sowohl für sich selbst als auch für andere dadurch ein Risiko darstellen. Montgomery erklärte: „Weil der Immunschutz nach einem halben Jahr abnimmt, müssen wir als Gesellschaft ein Interesse daran haben, dass der Schutz stabil bleibt.“

Booster-Impfung für alle? Es herrscht große Uneinigkeit – Logistik wird zum Problem

Montgomery forderte, die Booster-Impfungen bei den niedergelassenen Ärzten zu machen. Sie hätten dafür die Erfahrung und Kapazitäten. „Falsch dagegen wäre es, jetzt wieder auf Impfzentren zu setzen: Impfzentren waren am Anfang nötig, weil es zu wenig Impfstoff gab und die Lagerung der Dosen kompliziert war.“ Entscheidend ist hier allerdings noch ein ganz anderer Punkt: Impfzentren seien zehnmal so teuer wie das Impfen in den Arztpraxen.

Gesundheitsminister Spahn sieht das hingegen etwas anders. Spahn hatte gegenüber der Rheinischen Post gesagt: „Um möglichst vielen möglichst schnell eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen, sollten die Länder die Impfzentren, die sie seit Ende September in Standby bereithalten, nun wieder startbereit machen.“ Er riet den Ländern erneut dazu, in einem ersten Schritt alle Über-60-Jährigen schriftlich einzuladen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Monika Skolimowska

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