Clubhouse: Drop-in audio chat

Hype um Clubhouse: Was die App ausmacht und warum Experten vor ihr warnen

  • Lisa Klein
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Mittlerweile redet fast jeder über die neue App Clubhouse. Doch was kann die Audio-Only-App, wie bekommt man eine Einladung dafür und warum wird die Audio-App so heiß diskutiert?

  • Die neue Social Network App Clubhouse löst in Deutschland einen regelrechten Hype aus.
  • Die Audio-Only-App wird allerdings auch heiß diskutiert. Grund dafür ist unter anderem die Exklusivität der App.
  • Macht die neue App Clubhouse künftig Instagram, Facebook, Twitter, TikTok und Co. Konkurrenz?

Die Audio-Only-App Clubhouse ist seit Anfang Januar nun auch in Deutschland verfügbar. Kaum war die App draußen, wurde sie bereits heiß diskutiert, vor allem von Influencern auf Instagram. Es ist ein regelrechter Hype entstanden, doch auch viele kritische Stimmen äußern sich zu der neuen App. Was kann die neue App Clubhouse? Wie kann ich der App beitreten? Warum wird die App so heiß diskutiert?

Was ist Clubhouse und was kann die App?

Clubhouse ist eine neue Social Network App. Mit vollem Namen heißt die App „Clubhouse: Drop-in audio chat“ und wird als eine Audio-Plattform verstanden. Im App-Store wird die Clubhouse App beschrieben als Raum für lässige Unterhaltungen, mit Freunden oder anderen interessanten Personen aus aller Welt. „Gehe jederzeit Online, um mit Personen zu reden, denen du folgst oder um als Zuhörer beizutreten und höre, über was andere reden“, schreiben die Entwickler der Clubhouse App. Clubhouse ist inzwischen auf Platz eins der Download-Charts in der Kategorie Soziale Netze im App-Store geklettert.

Wie kann ich der App Clubhouse beitreten?

Bisher ist die App Clubhouse nur Apple-Nutzern vorbehalten, die ein Gerät besitzen, das iOS 13.0 oder ein neueres Betriebssystem unterstützt. Android Nutzer können sich die App bislang noch nicht auf ihr Smartphone laden. Das liegt allerdings nicht an den App-Entwicklern, sondern primär an den Datenschutzrechtlinien von Android.

Doch es reicht nicht, ein Apple-Smartphone zu besitzen. Denn die App hat einen weiteren, ganz entscheidenden Haken, der für viel Diskussion sorgt: Wer die neue App Clubhouse nutzen möchte, der braucht eine Einladung von jemandem, der bereits Mitglied der App ist. Und das ist gar nicht so einfach. In der App muss sich vorerst mit dem Namen und der eigenen Handynummer registriert werden, ähnlich wie bei WhatsApp. Zudem kann bereits ein Nutzername reserviert werden. Und dann heißt es vorerst abwarten und hoffen, dass die eigenen Freunde bereits an eine Einladung herangekommen sind. Alternativ kann zudem einer Warteliste beigetreten werden. Ansonsten passiert erst mal nichts.

Wie bekomme ich eine Einladung für das Clubhouse?

Ist ein Freund bereits Mitglied der App Clubhouse und hat selbst eine Einladung bekommen, kann diese Person zwei weitere Personen einladen. Das bedeutet, die Person muss zuallererst entscheiden, wem seiner Freunde er den Zugang zur App gewährt und wem nicht. Dieser Freund schickt mit etwas Glück eine der beiden Einladungen an euch. Die Person, die die Einladung verschickt, muss eure Handynummer in seinem Adressbuch eingespeichert haben, um euch eine Einladung senden zu können. Anschließend erhaltet Ihr einen Zugangscode. Innerhalb weniger Klicks seid Ihr nun endlich drin in der exklusiven Clubhouse App.

Bereits an dieser Stelle gibt es weitere Kritikpunkte: Denn für das Versenden einer Einladung greift die App nebenbei unausweichlich auch auf alle anderen Telefonnummern aus dem Adressbuch in eurem Smartphone zu. Hinter der App-Entwicklung steht die Firma Alpha Exploration Co. Die Server des Unternehmens befinden sich in den USA, wodurch nicht die Datenschutzansprüche der Europäischen Datenschutzgrundverordnung erfüllt sein müssen, sondern lediglich die der USA.

Wie funktioniert die Audio-Only-App Clubhouse ?

Habt Ihr endlich Zugang zum Clubhouse, erhaltet Ihr direkt zu Beginn erste Vorschläge an Leuten, denen Ihr folgen könnt – müsst Ihr natürlich aber nicht. Es gibt primär keinen Feed wie beispielsweise bei Instagram. Die Startseite besteht aus Vorschlägen für potenziell interessante Räume und bevorstehende Gespräche oder Diskussionsrunden von Nutzern, denen Ihr folgt. Eure Freunde könnt Ihr über die Suchfunktion finden. Zudem könnt Ihr Interessensgemeinschaften, also verschiedenen Clubs zu bestimmten Themen, beitreten.

Die App ist recht minimalistisch gehalten und besteht ansonsten nur aus Räumen in denen geredet werden kann. Dabei können allerdings keine Unterhaltungen aufgezeichnet und später noch mal angehört werden, alles passiert ausschließlich live. Danach verschwinden die Gesprächsräume einfach wieder. Ansonsten kann nichts anderes getan werden, die User können nicht untereinander chatten und es kann auch nichts an Pinnwände oder sonstiges gepostet werden. Die einzige Möglichkeit zu kommunzieren ist, einen Raum zueröffnen und andere User einzuladen.

Ein kleiner Blick in die Audio--Only-App Clubhouse: Mehr als die Profilbilder gibt es während einer Gesprächsrunde nicht zu sehen. Foto: Christoph Dernbach/dpa

Auch auf den Profilen gibt es kaum Inhalte, lediglich ein Profilbild und einen kurzen Steckbrief könnt Ihr erstellen. Übrigens: In eurem Profil steht zudem, von wem Ihr eingeladen wurdet.

So startet Ihr eine Unterhaltung oder könnt anderen zuhören

Wie bereits erwähnt, ist die einzige Möglichkeit mit anderen Usern zu interagieren, einen Raum zu erstellen oder einem bereits bestehendem Raum beizutreten. Wenn Ihr einen Raum erstellt, seid Ihr automatisch der Moderator. Der Moderator kann weitere Moderatoren benennen, die sich dann an dem Gespräch aktiv beteiligen können, weitere Sprecher auf die virtuelle Bühne holen können oder im Falle eines Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen auch rausschmeißen oder melden können.

Dabei ist nicht vorgeschrieben, wie lange eine Unterhaltung sein darf, die Räume sind nicht zeitlich limitiert und die Gespräche dauern daher teilweise mehrere Stunden. Die Audio-Only-App scheint momentan für viele eine Lücke zu schließen und bietet etwas, das einige durch die Corona-Pandemie und den Lockdown derzeit schmerzlich vermissen: die Möglichkeit, belanglosen Smalltalk zu führen, Diskussionen über Alltägliches oder tiefgründige Gespräche. Und dabei sogar die Möglichkeit zu haben, selbst zu entscheiden, ob man nur als Zuhörer dabei sein oder sich durch Gesprächsbeiträge aktiv beteiligen möchte.

Wer ist in der App Clubhouse aktiv?

Es scheint, als seien inzwischen beinahe alle großen Influencer aktiv im Clubhouse. Da die App in Deutschland erst seit knapp zwei Wochen verfügbar ist, tummeln sich dort bisher hauptsächlich Personen aus der Medien und Technikbranche, Politiker und eben vor allem Influencer, die Räume erstellen und darin über alles Mögliche diskutieren und sich austauschen.

Ein wirklicher Vorteil der App: Viele Menschen nutzen die neue Bühne, wenn es die Moderatoren zulassen, kann ein interessanter und wertvoller Austausch stattfinden, zwischen Menschen, die sonst eher nicht in Kontakt getreten und deren Meinungen ausgetauscht hätten. Es können diverse Menschen aus allen Bereichen des Lebens zusammenkommen, um über alles Erdenkliche zu diskutieren. Quasi wie ein Podcast, bei dem sich (fast) jeder beteiligen und mitreden kann.

Gruppenzwang bei Influencern und das Gefühl, nicht dazu gehören zu dürfen

Viele Influencer reden auf Instagram offen darüber, dass derzeit bereits ein Gruppendruck besteht, in der App aktiv zu werden. Kein Wunder: Was, wenn die App Clubhouse weiterhin trended und möglicherweise so erfolgreich wird wie Instagram oder Facebook? Die Angst etwas zu verpassen ist groß, es herrscht bei vielen das mittlerweile allseits bekannte FOMO-Gefühl – the fear of missing out.

Auf der einen Seite möchte jeder exklusiv genug sein, dazu gehören zu können und dürfen. Auf der anderen Seite entsteht dadurch bei anderen, die bisher noch keine Einladung erhalten haben, das Gefühl ausgeschlossen zu werden und nicht Teil dieser neuen App sein zu dürfen. Sicher stellt sich auch der ein oder andere die Frage, warum die beste Freundin einen nicht eingeladen und stattdessen lieber an zwei andere Personen ihre exklusiven Einladungen verschickt hat. Das Gefühl ähnelt dem „in der Schule mit den coolen Kids an einem Tisch sitzen zu dürfen“ – oder eben auch nicht.

Exklusion statt Inklusion: Gehörlose werden von der App ausgeschlossen

Ein großer Kritikpunkt ist die fehlende Möglichkeit für Gehörlose, die App nutzen zu können. Die Registrierung stellt kein Problem dar, doch sobald Gehörlose in der App sind, können sie sich in keinster Weise beteiligen. Während soziale Medien wie Facebook und Instagram auf einem guten Weg sind, immer barrierefreier für Gehörlose und auch Sehbeeinträchtigte zu werden, durch Sprachausgabe von Texten für Sehbeeinträchtigte und Untertiteln für Gehörlose, gibt es derzeit bisher noch keine Möglichkeit für Gehörlose, die Diskussionen wahrzunehmen oder sich daran zu beteiligen. Bislang gibt es keine Übersetzungsmöglichkeit. Somit werden Gehörlose von vornherein aus dem Social Network Clubhouse ausgeschlossen.

Warum es problematisch ist, dass jeder seine Meinung frei und unzensiert äußern kann

Clubhouse ist für Personen ab 17 Jahren deklariert. Das liegt vor allem daran, dass die App die Inhalte nicht wirklich kontrollieren, moderieren und zensieren kann. Jeder kann ungefiltert, vollkommen offen über alles reden – und das auch noch live, vor einem riesigen Publikum. Meinungsfreiheit ist wichtig, keine Frage, doch während bei Instagram unangemessen Inhalte bereits während des Uploads herausgefiltert und entfernt werden, können kritische Äußerungen, beispielsweise gewaltverherrlichende oder rechtsradikale Aussagen vorerst ungehindert geäußert werden.

Erst nachdem kritische Äußerungen getätigt wurden, besteht die Möglichkeit, einen Verstoß zu melden. Scheinbar soll in diesem Fall die Unterhaltung automatisch von der App gespeichert werden, sodass ein mögliches Vergehen im Nachhinein angehört und auch nachgewiesen werden kann.

Wer steckt hinter der Clubhouse App?

Die App Clubhouse ist zwar erst seit Anfang Januar in Deutschland im App-Store verfügbar, in den USA allerdings ist die App schon länger auf dem Markt. Die Audio-Only-App wurde bereits Anfang 2020 ins Leben gerufen und kurz darauf im Mai 2020 bereits mit 100 Millionen US-Dollar bewertet. Hinter Clubhouse stehen zwei Gründer aus dem Silicon Valley in den USA mit der Firma Alpha Exploration Co.: der Stanford-Absolvent und ehemalige Pinterest-Mitarbeiter Paul Davison und der ehemalige Google-Mitarbeiter Rohan Seth.

Wie finanziert sich die Audio-Only-App Clubhouse?

Obwohl die App bereits große Beliebtheit erlangt hat und viele darauf brennen, wenigstens einmal einen Blick in die App werfen zu dürfen, befindet sich die Audio-Only-App Clubhouse derzeit nur in einer ausgedehnten Testphase. Bislang finanziert sich Clubhouse durch Investoren, die Firma Alpha Exploration Co. ist bisher noch nicht an die Börse gegangen und hat sich noch nicht zu einem möglichen Börsengang geäußert.

Es besteht noch kein offiziell bekannt gegebenes Modell zur Finanzierung. Es wird spekuliert, ob künftig Werbeanzeigen in der App erscheinen werden oder eine Unterhaltung, ähnlich wie bei Spotify, möglicherweise für einen Werbespot unterbrochen wird. Auch eine kostenpflichtige Mitgliedschaft, die zur Nutzung berechtigt, Clubhouse zu nutzen, wäre möglich. Allerdings gilt es für die Audio-Only-App vorerst, sich dauerhaft neben Instagram, Facebook, TikTok und Co. zu beweisen.

Rubriklistenbild: © Florian Gaertner/imago-images.de

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