Audio-Only-App

„Clubhouse“: Deshalb warnen Datenschützer ausdrücklich vor der neuen Social Network App

  • Lisa Klein
    vonLisa Klein
    schließen

In Deutschland ist ein Hype um die neue Audio-Only-App Clubhouse entstanden. Doch Experten warnen vor einem Missbrauch von Daten durch die Social Network App.

  • Die neue Audio-Only-App Clubhouse hat in Deutschland einen totalen Hype ausgelöst.
  • Die Social Network App wird aus mehreren Gründen immer wieder kritisiert.
  • Nun warnen auch Datenschützer vor der neuen App.

Zumindest auf Instagram spricht inzwischen fast jeder über die neue Social Network App Clubhouse. Die App wird von vielen gehyped, aber auch zu Recht von einigen kritisiert. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist die Exklusivität der App: Nur wer eine Einladung durch ein Mitglied erhält, dem wird auch Zutritt zu der App Clubhouse gewährt. Genau diesen Punkt betrachten auch Datenschützer kritisch, allerdings aus ganz anderen Gründen.

Wie funktioniert die Audio-Only-App Clubhouse?

Vorab: Was hat die neue App Clubhouse eigentlich zu bieten? Clubhouse ist eine Audio-Only-App. Das Prinzip ist einfach und die App minimalistisch gehalten: Es gibt keine Chaträume, keinen Feed und keine Pinnwände wie in anderen sozialen Netzwerken. Jeder, soweit er die Hürde mit der Einladung überwunden hat, kann lediglich ein Profilbild und einen kurzen Steckbrief über sich hochladen.

Und sonst? Die App besteht aus verschiedenen Räumen, die jedes Mitglied eröffnen und weitere Personen dazu einladen kann. In diesen Räumen kann über alle möglichen Themen diskutiert werden, dabei sind nur die Profilbilder der anderen zu sehen und ihre Stimmen zu hören. Dabei kann sich mit Freunden ausgetauscht, aber auch mit Fremden aus aller Welt diskutiert werden.

Clubhouse ist eine Audio-App, bei der die Anwender Gesprächen wie bei einem Live-Podcast zuhören oder sich aktiv an Diskussionen beteiligen können. Mehr als Foto: Christoph Dernbach/dpa

Der Haken der neuen Audio-Only-App Clubhouse

Wer dem Social Network Clubhouse beitreten möchte, der braucht momentan zuallererst ein Smartphone von Apple. Denn die App ist bisher nur im App-Store und nicht für Android-Nutzer verfügbar. Zusätzlich zu einem Apple-Gerät wird zudem noch eine Einladung benötigt, die den Zutritt zur App erlaubt. Eine solche Einladung können bislang nur Mitglieder der App versenden. Und damit noch nicht genug, die Anzahl an Einladungen, die versendet werden können ist derzeit noch auf zwei beschränkt. Die exklusiven App-Einladungen werden derzeit sogar auf Plattformen wie ebay von Nutzern teilweise für über 50 Euro angeboten und verkauft.

Wer steckt hinter der Clubhouse App?

Die App Clubhouse stammt aus dem Silicon Valley in den USA. Dahinter stecken die beiden Gründer Paul Davison und Rohan Seth. Paul Davison ist Stanford-Absolvent und ehemaliger Pinterest-Mitarbeiter, Rohan Seth ist ein ehemaliger Google-Mitarbeiter. Im Copyright der App ist die US-amerikanische Firma Alpha Exploration Co. vermerkt.

Deshalb warnen Datenschützer vor der Social Network App Clubhouse

Doch jetzt kommt der eigentliche Knackpunkt, weshalb Datenschützer aufhorchen und vor der neuen App Clubhouse warnen: Wer der App beitreten möchte, muss zuallererst seine Handynummer angeben und bestätigen. Wer eine Einladung an einen Freund versenden möchte, muss dies ebenfalls über die Handynummer tun. Dafür muss die Person, die eingeladen werden soll, im Adressbuch des Mitglieds gespeichert sein.

Um eine Einladung überhaupt versenden zu können, muss das Mitglied der App Clubhouse erlauben, auf das gesamte Adressbuch im Smartphone zugreifen zu dürfen. Somit werden nicht nur die Daten der beiden Personen, welche eingeladen werden sollen, an Clubhouse übermittelt, sondern die Informationen von allen gespeicherten Kontakten.

Die Informationen im Adressbuch beschränken sich allerdings nicht nur auf die Handynummern und die dazugehörigen Namen der Personen. Oftmals sind auch weitere Daten wie das Geburtsdatum, die Adresse und ein persönliches Anrufer-Foto hinterlegt. Eine andere Möglichkeit, eine Einladung für die Clubhouse App zu versenden, gibt es bislang noch nicht.

Was passiert mit meinen Daten bei der Nutzung der App Clubhouse?

Was genau mit den Daten aus dem Adressbuch passiert, weiß natürlich keiner so genau. Generell gilt häufig bei gratis Apps und in den sozialen Medien: Ist das Angebot umsonst, verdient das Unternehmen dahinter vermutlich sein Geld mit euren Daten, die ihr mehr oder weniger freiwillig preisgebt. Hinter der App Clubhouse steht eine US-amerikanische Firma: Alpha Exploration Co. Die Server des Unternehmens befinden sich in den USA, wodurch die Datenschutzansprüche der Europäischen Datenschutzgrundverordnung nicht erfüllt sein müssen, sondern lediglich die Datenschutzbestimmungen der USA. Zudem muss vor der Nutzung der App keine Datenschutzerklärung bestätigt werden.

Clubhouse versichert zwar, dass die Gespräche nur mitgeschnitten werden, um im Nachhinein mögliche Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen nachweisen zu können und die Aufzeichnungen, soweit kein Verstoß während der Gesprächsrunde gemeldet wird, direkt wieder gelöscht. Nachweisen, ob diese Informationen stimmen und die Inhalte tatsächlich vernichtet werden, kann allerdings niemand. Es ist also weiterhin unklar, inwieweit mitgeschnitten und die Gespräche anschließend ausgewertet werden. Vertrauliche Informationen sollten demnach durch die App lieber nicht preisgegeben werden.

Rubriklistenbild: © dpa / Christoph Dernbach

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema