WM 2022

Boykott der Fußball-WM in Katar gefordert - Heftige Diskussion in Norwegen

Erling Haaland jubelt beim Länderspiel gegen Nordirland über ein Tor
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Erstliga-Vereine in Norwegen fordern BVB-Star Erling Haaland und die Nationalelf zum Boykott der WM 2022 in Katar auf.

In Norwegen fordern immer mehr Stimmen, dass die Nationalmannschaft um BVB-Spieler Erling Haaland die Fußball-WM 2022 in Katar boykottiert. Die FIFA reagiert verstimmt.

Oslo - Mehrere norwegische Erstliga-Clubs fordern BVB-Star Erling Haaland und seine Nationalmannschaft zum Boykott der Fußball-WM in Katar auf. Seit mehreren Jahren seien der Weltverband FIFA und Katar wegen der fragwürdigen WM-Vergabe und der unwürdigen Bedingungen für Arbeiter aus dem Ausland kritisiert worden, schrieb der Eliteserien-Verein Tromsö IL am Freitag in einer Mitteilung. Kritik und der versuchte Dialog hätten zu nichts geführt, ein jüngst veröffentlichter Bericht des „Guardian“ zu Tausenden gestorbenen Arbeitern sei nun völlig niederschmetternd gewesen.

„Wir haben das Gefühl, dass es an der Zeit ist, einen Schritt weiterzugehen: Boykott“, schrieb der Verein. Geld sei ein Teil des Fußballs und werde immer ein Teil des Sports bleiben. Dies dürfe aber trotzdem nicht mit sich bringen, dass Korruption, lebensgefährliche Arbeitsbedingungen und Wegschauen akzeptiert würden. Tromsö IL rufe den norwegischen Fußballverband NFF deshalb zum WM-Boykott auf. „Wir sind der Meinung, dass wir Nein sagen sollten zu einer Reise nach Katar, wenn wir uns qualifizieren.“

Norwegen: Boykott der Fußball-WM in Katar wird diskutiert

Tromsös Ligakonkurrenten Strömsgodset und Viking unterstützen die Forderung mittlerweile, wie die Nachrichtenagentur NTB berichtete. Auch andere Clubs erwägen demnach, sich dahinter zu stellen.

In Katar sind in den vergangenen zehn Jahren nach Recherchen des britischen Guardian mehr als 6500 Arbeiter aus fünf asiatischen Ländern gestorben. Dabei handele es sich um Arbeiter aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka, hatte die Zeitung am Dienstag berichtet.

Katars Regierungspressestelle erklärte auf Anfrage, in dem Emirat lebten mehr als 1,4 Millionen Menschen aus den genannten Ländern. Zu ihnen gehörten Studenten, Ältere und Arbeiter in verschiedenen Industrien. Weitere Millionen hätten in den vergangenen zehn Jahren in Katar gelebt und seien in die Heimat zurückgekehrt. Von diesen Millionen Menschen sei ein „kleiner Prozentsatz“ verschieden, heißt es weiter. Die Sterberate liege in einem Bereich, der für diese Größe und diese demografische Zusammensetzung zu erwarten sei.

Die Fußball-WM 2022 war 2010 an das reiche Emirat vergeben worden. Das Land steht international immer wieder wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern in der Kritik. Katars Regierung erklärt hingegen, dass sie in den vergangenen Jahren mit Reformen die Lage der Arbeiter deutlich verbessert habe. Auch Menschenrechtler räumen Fortschritte ein, mahnen aber, die Reformen würden unzureichend umgesetzt.

FIFA lehnt Boykott der WM 2022 in Katar ab: „Definitiv nicht die richtige Maßnahme“

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat kein Verständnis für Boykottüberlegungen vor der WM 2022 in Katar. Er glaube, dass ein Boykott „definitiv nicht die richtige Maßnahme“ sei, um etwas zu erreichen, sagte der Chef des Fußball-Weltverbandes am Freitag während einer Pressekonferenz. Zuletzt hatten mehrere norwegische Erstliga-Clubs ihre Nationalmannschaft aufgefordert, der Endrunde in Katar (21. November bis 18. Dezember) fernzubleiben.

„Es ist immer, war immer und wird immer der einzige Weg sein, in den Dialog zu treten und sich zu engagieren, um Veränderungen herbeizuführen“, sagte Infantino (50). In Bezug auf die Menschenrechtslage habe Katar in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Er freue sich auf eine „fantastische“ WM, sagte Infantino. „Vielleicht hat der Fußball ja einen kleinen Teil zu positiven Veränderungen beigetragen.“

Der britische Guardian hatte zuletzt berichtet, dass in den vergangenen zehn Jahren mehr als 6500 Arbeiter aus fünf asiatischen Ländern in Katar gestorben seien. Katars Regierung hatte daraufhin mitgeteilt, die Sterberate unter Millionen ausländischer Arbeiter liege in einem zu erwartenden Bereich. Der Botschafter in Deutschland, Abdullah bin Mohammed Al Thani, erklärte, der Guardian-Bericht führe die Öffentlichkeit in die Irre.

Infantino mahnte zur Vorsicht, wenn über Zahlen gesprochen werde. Es gehe dabei um Menschenleben. Auf Baustellen mit direktem WM-Bezug habe es seit 2014 drei Todesfälle gegeben und 34 weitere, die nicht direkt mit der Arbeit erklärt werden könnten.

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