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Deutschland ist schlecht vorbereitet: Blackout-Gefahr wird unterschätzt

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Von: Lisa Klein

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Deutschland hat sich laut Experten bislang nicht gut genug auf Katastrophen vorbereitet. Ein flächendeckender Stromausfall in Deutschland könnte die Infrastruktur vollkommen lahmlegen. © Daniel Kubirski/dpa

Laut Experten ist Deutschland schlecht auf einen Blackout vorbereitet. Ein flächendeckender Stromausfall könnte die gesamte Infrastruktur lahmlegen.

Ein paar Stunden Stromausfall, was soll da schon groß passieren? Diese Frage mag sich vielleicht der eine oder andere bereits gestellt haben. Für Privatpersonen mag ein kleiner Stromausfall über wenige Stunden vermutlich wirklich von keiner allzu großen Bedeutung sein.

Doch ein Blackout in ganz Deutschland über mehrere Tage hinweg wäre höchst kritisch, vor allem für die Infrastruktur. „Die Gefahr eines großflächigen Stromausfalls wird unterschätzt“, sagt Herbert Saurugg, Experte für Blackout- und Krisenvorsorge gegenüber der Tagesschau.

Blackout-Gefahr: Notversorgung mit Wasser und Wärme „maximal 72 Stunden möglich“

Den Kern des Problems sieht der Krisenexperte vor allem in der mangelnden Investition von Bund und Ländern in den Katastrophenschutz: „Stromnetzen fehlt es an Reserven und Redundanzen“. Vor allem ein Blackout über mehrere Tage könnte zu einem massiven Problem werden: In vielen Bereichen wird sich auf eine Versorgung über maximal drei Tage vorbereitet. Bleibt der Storm darüber hinaus weg, zeigt sich, wo eine bessere Vorbereitung dringend nötig gewesen wäre.

echo24.de berichtete bereits darüber, wie sicher Deutschlands Stromversorgung ist. „Ein Blackout gehört aktuell zu den größten Risiken für unser Land“, warnte Wolfram Geier vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bereits Anfang des Jahres. Immerhin: Um eine Stromversorgung über den Winter besser gewährleisten zu können, bleiben nun die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland am Netz.

Deutschlands Städte fordern, die Bevölkerung stärker über mögliche Folgen von Energieknappheit oder Sabotage zu informieren, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. „Ein Blackout ist ein realistisches Szenario“, und „wir müssen uns darauf einstellen, dass verschiedene Krisensituationen aufeinandertreffen“, warnte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, in der Süddeutschen Zeitung. „Eine funktionierende Notversorgung mit Wasser und Wärme ist nur über maximal 72 Stunden möglich.“

Blackout-Gefahr in Deutschland wird unterschätzt – Gesundheitssystem ist gefährdet

Besonders gefährdet während eines Blackouts ist vor allem das Gesundheitssystem. Die Notstrom-Aggregate in Krankenhäusern decken in der Regel nur 20 bis 50 Prozent des normalen Verbrauchs ab, wie die Bild schreibt. Eine „normale“ Gesundheitsversorgung ist damit nicht möglich. Schlimmstenfalls läuft es während eines Blackouts dann so ab: Notfälle haben Vorrang, alles andere muss warten – gegebenenfalls, bis der Storm wieder da ist. Allein einen Notruf abzusetzen, wird bei einem längeren Stromausfall irgendwann unmöglich.

Vor allem mit Blick auf die aktuell steigenden Corona-Zahlen und der sich immer weiter zuspitzenden Lage in den Krankenhäusern treffen mit einem Blackout zwei Krisen aufeinander. Experten haben bereits verschiedene Szenarien durchgespielt. Eine Prognose für den Winter ist dabei besonders düster, wenn Energiekrise, Corona und Inflation im schlimmsten Szenario zusammenkommen.

Dazu kommt: Ohne Strom ist die Mobilität gefährdet. Das mehr als 7900 Kilometer lange elektrische Stromnetz der Deutschen Bahn hängt am öffentlichen Stromversorger. Bedeutet: Fließt kein Storm, fährt keine Bahn. Und auch Tanken geht ohne Strom nicht. Nur wenige Tankstellen verfügen über Notstromaggregate.

Die Bevölkerung sollte besser auf einen Blackout in Deutschland vorbereitet werden

Auch für die Supermärkte wäre ein längerer Blackout fatal: Laut Handelsverband sind zwar viele Läden im Lebensmitteleinzelhandel mit Notstromaggregaten ausgestattet, diese dienen aber in Notfällen dem Notstrombetrieb und sind „nicht für den Dauerbetrieb geeignet“.

Vor allem privat sollte daher in puncto Lebensmittelvorrat vorgesorgt werden: Laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sollten diese Dinge beim nächsten Einkauf nicht fehlen. Und: Diese Lebensmittel können auch ohne Strom zubereitet werden. echo24.de berichtet außerdem, was darüber hinaus für den Fall eines Blackouts im Haus haben sollte.

Die richtige Vorbereitung auf einen Blackout kann Leben retten. „Die Menschen in Deutschland sind bisher unerfahren mit Krisen und Katastrophen“, erklärt Helmut Dedy. „Deshalb ist eine kontinuierliche, transparente und niedrigschwellige Aufklärung über mögliche Risiken wichtig. Kampagnen zur Selbstschutz- und Selbsthilfefähigkeit müssen deutlich stärker und breiter ausgerollt werden.“

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