Im Kampf gegen die Corona-Pandemie

Biontech: Herzmuskelentzündung als Nebenwirkung? Pfizer mit klarem Statement

  • Lisa Klein
    VonLisa Klein
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Bei einer Studie in Israel zu Nebenwirkungen des Corona-Impfstoffes von Biontech kam der Verdacht auf, dass das Vakzin Herzmuskelentzündungen verursachen könnte.

Update vom 28. April: Nach Berichten über Dutzende Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer Impfung mit dem Corona-Vakzin von Biontech/Pfizer hält Israels Gesundheitsministerium eine ungewöhnliche Häufung der Erkrankung für nicht erwiesen. Auch ein deutscher Experte findet die bisher bekannten Daten erstmal nicht besorgniserregend, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mitteilt.

Israelische Medien hatten über eine Analyse berichtet, der zufolge 62 Fälle von Myokarditis aufgetreten seien, vor allem bei jungen Männern im Alter von 18 bis 30 Jahren. Davon seien zwei Patienten – ein Mann und eine Frau – sogar gestorben. Insgesamt haben in Israel seit Beginn der Impfkampagne vor mehr als vier Monaten fünf der neun Millionen Einwohner eine Zweitimpfung erhalten. In dem Land wurde nahezu ausschließlich mit dem Biontech-Impfstoff geimpft.

Was ist eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis)?

Myokarditis bezeichnet eine Entzündung des Herzmuskels, welche unterschiedliche Ursachen haben kann. Viele Herzmuskelentzündungen verlaufen symptomlos. Eine Myokarditis folgt meistens auf eine Infektion der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts mit Viren, aber auch andere Keime oder eine autoimmunologische Erkrankungen können zu einer Entzündung des Herzens führen.

In vielen Fällen treten bei einer Myokarditis Beschwerden auf, die auch bei anderen Herzerkrankungen wie dem Herzinfarkt zu finden sind: Drei von vier Patienten mit Myokarditis leiden an Luftnot, jeder dritte an Brustschmerzen und jeder fünfte an Herzrhythmusstörungen. Eine Myokarditis kann lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen und zum plötzlichen Herztod führen. Wird eine Myokarditis frühzeitig entdeckt, können therapeutische Maßnahmen ergriffen werden.

Biontech: Bislang kein Zusammenhang zwischen Impfung und Herzmuskelentzündungen erwiesen

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums teilte mit, ein Expertenteam überwache alle Nebenwirkungen der Corona-Impfungen und veröffentliche regelmäßig Berichte. Die in den Medien zitierte Analyse sei aber nicht vom Ministerium veröffentlicht worden. „Sie zeigt keinen eindeutigen Anstieg der Sterblichkeit wegen der Impfung, und es ist auch nicht sicher, dass es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg der Zahl von Herzmuskelentzündungen gibt.“ Es handele sich gleichwohl um einen „wichtigen Bericht“, über den das Expertenteam in den kommenden Tagen beraten werde. Die Ergebnisse der Beratung würden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Impfstoffhersteller Pfizer sagte dazu, man sei über die Berichte in Israel informiert. „Wir haben keine Rate von Myokarditis beobachtet, die höher wäre, als man es in der allgemeinen Bevölkerung erwarten würde“, hieß es in der Mitteilung. „Ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung wurde nicht festgestellt. Es gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Beweis dafür, dass in Verbindung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff ein Risiko von Myokarditis besteht.“

Herzmuskelentzündung als Nebenwirkung von Biontech? Häufigkeit der Fälle nicht ungewöhnlich

Nach Angaben des deutschen Kardiologen Dirk Westermann wird das Auftreten von Herzmuskelentzündungen auf etwa 10 bis 20 Fälle pro 100 000 Einwohner pro Jahr geschätzt. Die Erkrankung trete normalerweise vermehrt bei jüngeren Patienten auf. Auslöser seien unter anderem Virusinfektionen. Über die Fälle in Israel sei bisher nur wenig bekannt, sagt der stellvertretende Klinikleiter des UKE Hamburg. Die Häufigkeit von 62 Fällen pro fünf Millionen Geimpften sei aber prinzipiell mit dem generellen Auftreten der Erkrankung erklärbar.

„Grundsätzlich ist ein Zusammenhang von Impfungen mit dem Auftreten von Herzmuskelentzündungen bekannt“, sagt Westermann. Dies betreffe aber nicht mRNA-Impfstoffe wie den von Biontech/Pfizer, sondern sei vor allem durch die Pockenimpfung bekannt. „Nach mRNA-Impfungen sind auch in Spanien und in den USA sehr wenige Fälle einer Herzmuskelentzündung bekannt geworden“, sagt er. „Auch hier ist eine klare Kausalität bisher nicht belegbar.“

Insgesamt ist bisher keine Häufung mit klarer Kausalität von Myokarditis nach mRNA-Impfungen belegt. Die bisher berichteten Daten sind damit aus kardiologischer Sicht zu diesem Zeitpunkt nicht beunruhigend

Kardiologe Dirk Westermann

Verursacht Biontech-Impfstoff Herzmuskelentzündungen? Israel-Studie beunruhigt

Erstmeldung vom 26. April: Das Coronavirus breitet sich in Baden-Württemberg immer weiter aus. Nach etlichen Lockdowns und Corona-Maßnahmen bietet der Corona-Impfstoff einen Lichtblick in Zeiten der Pandemie. Allerdings sorgen viele Meldungen über mögliche Nebenwirkungen von Vakzinen für Verunsicherung. Da wären die Thrombosen-Fälle nach einer Impfung mit AstraZeneca und Johnson & Johnson. Vor allem die schweren Nebenwirkungen nach AstraZeneca gaben den Forschern ein Rätsel auf. Mittlerweile haben Forscher eine Vermutung, woher die Hirnvenenthrombosen kommen, wie echo24.de* bereits berichtete.

Nun soll auch das Vakzin von Biontech/Pfizer im Verdacht stehen, schwere Nebenwirkungen nach der Impfung zu verursachen. Demnach könnte der Impfstoff Herzmuskelentzündungen auslösen.

Corona-Impfstoff von Biontech: Schock-Studie aus Israel - verursacht Vakzin Herzmuskelentzündungen?

Laut RTL soll eine vorläufige Studie aus Israel „Dutzende von Fällen“ von Herzmuskelentzündungen - auch Myokarditis genannt - bei Geimpften gezeigt haben. Die Impfungen wurden mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer durchgeführt. Nun untersucht das israelische Gesundheitsministerium diese Fälle. Bei dieser Studie handelt es sich bereits um eine zweite Studie zum Theme Corona-Impfstoff. Erst kürzlich veröffentlichte das Land eine Studie zur Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs.

Die Impfkampagne in Israel ist weit fortgeschritten. Mehr als fünf Millionen Dosen des Corona-Impfstoffes von Biontech wären bereits verimpft. Nun geht die Sorge vor möglichen schweren Nebenwirkungen um. Wie die vorläufige Studie aufzeigt, sollen die Herzmuskelentzündungen hauptsächlich nach der zweiten Impfung auftreten, erklärt der israelische Koordinator für die Pandemiebekämpfung, Nachman Ash. Allerdings sei es noch unklar, ob die Anzahl der Personen mit Entzündung des Herzmuskelgewebes ungewöhnlich hoch sei und ob diese in Zusammenhang mit dem Vakzin stehe.

Schock-Studie aus Israel: Herzmuskelentzündung nach Biontech-Impfung - vor allem junge Männer betroffen

Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Pfizer, sie seien „sich der israelischen Beobachtungen der Erkrankung bewusst, die überwiegend bei jungen Männern aufgetreten sei, die den Impfstoff von Pfizer/Biontech erhielten“. Wie der Bayerische Rundfunk mitteilt, soll das Unternehmen Biontech/Pfizer die Nebenwirkungen stets im Auge behalten und gründlich und regelmäßig überprüfen.

Demnach habe der Impfstoff-Hersteller keine höhere Myokarditis-Rate beobachtet, als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten wäre. „Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass Myokarditis ein Risiko im Zusammenhang mit der Anwendung des Covid-19-Impfstoffs von Pfizer/Biontech darstellt.“

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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