Corona-Impfungen in Deutschland

Corona-Impfung im Vergleich: AstraZeneca und Biontech – wie unterscheiden sich die Stoffe?

  • Simon Mones
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Der Impfstoff von AstraZeneca soll bald auch in der EU zugelassen werden. Doch was unterscheidet ihn vom Wirkstoff von Biontech?

  • In Großbritannien wurde der Impfstoff von AstraZeneca bereits zugelassen.
  • Die Europäische Union hat mehrere Hundert Millionen Dosen des Impfstoffs bestellt.
  • Doch was ist der Unterschied zum Biontech-Impfstoff?

Weltweit haben im vergangenen Jahr zahlreiche Firmen unter Hochdruck an einem Impfstoff gegen das Coronavirus gearbeitet, in der Hoffnung, die Pandemie damit in den Griff zubekommen. Wie echo24.de* berichtete, erhielt der Impfstoff von Biontech zuerst eine Zulassung in Großbritannien, die USA, Kanada und auch die Europäische Union (EU) zogen nach.

Inzwischen hat auch der Impfstoff von AstraZeneca in Großbritannien eine Zulassung erhalten*. Eine Freigabe der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) steht noch aus und wird laut gofeminin.de wohl frühestens im Februar erfolgen. Bereits vor Monaten hatte die EU 300 Millionen Dosen des Impfstoffs bestellt. Zudem gibt es eine Option auf weitere 100 Millionen Dosen. Doch was unterscheidet die Impfstoffe von AstraZeneca und Biontech?

Impfstoff gegen Coronavirus: So funktioniert der Wirkstoff von AstraZeneca

Schon der Ansatz der Impfstoffentwicklung ist bei den beiden Impfstoffen gegen das Coronavirus ein gänzlich anderer. Bei dem neuen Wirkstoff von AstraZeneca handelt es sich laut des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel um einen sogenannten Vektorimpfstoff.

Dabei wird auf ein Schimpansen-Erkältungsvirus zurückgegriffen, der sich bei Menschen nicht vermehren kann, wie auch infranken.de berichtet. Damit das Virus aber gegen das Coronavirus schützt, muss das Gen so verändert werden, dass der Bauplan für die Produktion des Sars-CoV-2-Spikeproteins darin enthalten ist. Dieses Spikeprotein ist im Körper dafür verantwortlich, dass sich das Virus vermehren kann.

Impfstoff gegen das Coronavirus: AstraZeneca setzt auf bewährtes Verfahren

Im Körper gelangt dieser Bauplan dann in einige Körperzellen, die daraufhin mit der Produktion dieses Spikeproteins beginnen. Da das körpereigene Immunsystem dieses Protein nicht kennt, beginnt es mit der Herstellung von Antikörpern und T-Zellen, die dann vor der Erkrankung mit dem Coronavirus schützen sollen.

Bislang gibt es allerdings nur wenige Impfstoffe, die das Vektorverfahren nutzen, dennoch gilt es als erprobt und wirkungsvoll. Neben dem Impfstoff gegen das Coronavirus beruht unter anderem auch der Wirkstoff, der gegen Ebola schützt, auf dem Vektorverfahren.

Impfstoff gegen das Coronavirus: Biontech setzt auf neues mRNA-Verfahren

Biontech setzt derweil auf einen mRNA-basierten Impfstoff. Anders als herkömmliche Impfstoffe enthält dieser laut dem Mainzer Unternehmen keine viralen Proteine, „sondern nur die Informationen, die unsere eigenen Zellen benötigen, um ein Virusmerkmal zu produzieren, das die gewünschte Immunantwort auslöst“.

In Großbritannien wird der Impfstoff von AtraZenca bereits geimpft.

Diese mRNA wird im Körper freigesetzt und erklärt den Zellen anhand „kleiner, unschädlicher Fragmente des Covid-19-Virus“, wie diese „das Virus erkennen und angreifen können“. Diese Information merken sich die Zellen und sorgen so für die Immunität gegen das Coronavirus. Zudem soll nicht nur die Replikation und Ausbreitung im Körper, sondern auch die Übertragung auf andere Menschen verhindert werden.

Impfstoff gegen das Coronavirus: So wirksam sind die Wirkstoffe von AstraZeneca und Biontech

Der mRNA-Impfstoff – den auch Moderna und CureVac entwickeln – von Biontech kommt dabei nach zwei Impfungen innerhalb von drei Wochen auf eine Wirksamkeit von rund 95 Prozent. AstraZeneca ging im November 2020 noch von einem Schutz von gerade einmal rund 70 Prozent aus.

Inzwischen hat ein Forscherteam an der Oxford-Universität aber festgestellt, dass bei zwei schwächeren Dosen ein Schutz von etwa 90 Prozent erreicht wird. Bei zwei vollen Dosen lag der Wert jedoch bei gerade einmal 62 Prozent. Kritik wird jedoch daran geübt, dass der Impfstoff von AstraZeneca lediglich an Probanden unter 55 Jahren getestet wurde und somit keine Informationen über die Wirksamkeit bei Senioren vorliegen.

Impfstoff gegen das Coronavirus: Unterscheide zwischen AstraZeneca und Biontech in der Übersicht

  • Vektor- vs. mRNA-Impfstoff: Das britisch-schwedische Unternehmen AstraZeneca setzt bei seinem Impfstoff gegen das Coronavirus auf das Vektorverfahren. Biontech hingegen hat einen Impfstoff entwickelt, der auf der mRNA beruht. Anders als das Vektorverfahren kam dieses bislang noch nicht in der Praxis zum Einsatz.
  • Wirksamkeit: Beide Impfstoffe erreichen bei der richtigen Dosierung eine hohe Wirksamkeit, müssen dazu allerdings zweimal verabreicht werden. Der Wirkstoff von AstraZeneca erreicht einen Schutz von 90 Prozent, der von Biontech schützt zu etwa 95 Prozent vor einer Infektion.
  • Lagerung: Die Lagerung ist einer der große Vorteile des Impfstoffs von AstraZeneca. Während der Biontech-Wirkstoff bei einer Temperatur von -70 Grad gelagert werden muss, kann der Vektorimpfstoff im Kühlschrank gelagert werden. Somit eignet er sich auch für Arztpraxen und eine landesweite Impfung.
  • Preis: Wie welt.de berichtet, ist der Impfstoff von AstraZeneca zudem mit einem Preis von 1,78 Euro pro Dosis auch deutlich günstiger als der Biontech-Konkurrent. Dieser kostet pro Dose rund 12 Euro. Die höheren Kosten hängen laut welt.de vermutlich mit dem Herstellungsverfahren zusammen.
  • Nebenwirkungen: Die Nebenwirkungen des AstraZeneca-Impfstoffs* unterscheiden sich kaum von denen des Wirkstoffs von Biontech*. Allerdings gab es bei dem Impfstoff des Mainzer Unternehmens mehrfach Probleme mit allergischen Reaktionen*. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Liam Mcburney/dpa

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