Personalmangel wird zur Gefahr

Fachkräfte-Mangel in Kitas: Neue Studie offenbart katastrophale Folgen

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Kitas in Baden-Württemberg fehlt es an qualifizierten Fachkräften. Das bestätigt eine Bertelsmann-Studie und macht auf die katastrophalen Folgen aufmerksam.  

  • Neue Bertelsmann-Studie zeigt: Jede zweite Kita in Baden-Württemberg ist personell unterbesetzt.
  • In vielen Kitas in Baden-Württemberg ersetzen Laien, die nicht vorhandenen Fachkräfte in der Betreuung.
  • Der Fachkräftemangel in Kitas wirkt sich auf die Qualität der Kinderbetreuung in Baden-Württemberg aus.

Baden-Württemberg: Chronischer Fachkräfte-Mangel in Kitas wird zum Problem

Laut der neusten Bertelsmann-Studie ist die Kinderbetreuung in Baden-Württemberg in weiten Teilen gewährleistet. Leider ist auch Realität, dass jede zweite Kita in Baden-Württemberg mit zu wenig Personal arbeitet. Das wiederum wirkt sich auf die Gruppengröße und letztlich auch auf die Qualität der Erziehung aus. Weil klar muss sein: Laien oder generell alle Quereinsteiger können keine pädagogische Fachkraft mit mehrjähriger Ausbildung in einer Kita ersetzen.

Das weiß auch Daniela Hunzinger von der Kindertagesstätte „KinderArche“ in Heilbronn, die selbst händeringend nach Personal sucht. „Ohne Laien könnten wir unseren Kita-Betrieb hier in Heilbronn nicht aufrechterhalten“, erklärt sie im Gespräch mit echo24.de* zur aktuellen Situation. Gerade in der Ganztagsbetreuung werde es immer schwieriger, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Zum einen, weil der Markt leer ist, zum anderen, weil qualifiziertes Personal zunehmend auch abgeworben wird.

Nur dank unseres qualifizierten und hochmotivierten Stammpersonals gelingt es uns in der KinderArche unter größtmöglichem Engagement und Zeitaufwand einen geordneten Betrieb der Kita zu gewährleisten und somit dem Bildungsauftrag und den Ansprüchen der Kinder und Eltern zu entsprechen.

Daniela Hunzinger, KinderArche Heilbronn

Baden-Württemberg: Fachkräfte-Magel in Kitas mit katastrophalen Auswirkungen

Hunzinger: „Es ist ein offenes Geheimnis, dass private Kita-Einrichtungen für pädagogische Fachkräfte attraktiver sind, als Ganztagsbetriebe.“ Oft ist die Bezahlung besser als in der öffentlichen Kita mit Ganztagsbetreuung, wo die Mitarbeiter zusätzlich noch im Schichtsystem arbeiten müssen. Insofern steht die Vermutung im Raum, dass gerade die Ganztagseinrichtungen die Studie nach unten ziehen und besonders vom Fachkräftemangel betroffen sind. Letztlich geht es ums Geld.

Damit einher geht die Gruppengröße in Kitas. Dazu heißt es in der Bertelsmann-Studie: „Nach wissenschaftlichen Empfehlungen sollten Gruppen für jüngere Kinder nicht mehr als zwölf Kinder umfassen, für die Älteren nicht mehr als 18.“ Zu große Gruppen seien stressig für Kinder und Fachpersonal. Für Baden-Württemberg bedeutet das laut Studie, dass von allen amtlich erfassten Kita-Gruppen rund 43 Prozent zu groß sind. Aber wie lässt sich das verhindern, wenn schlicht das Personal fehlt?

Baden-Württemberg: Was tun gegen Fachkräftemangel in Kitas?

Aktuell scheint es in Politikkreisen wichtiger zu sein, die Betreuung in Baden-Württemberg an sich zu gewährleisten. Auch wenn das bedeutet, dass die Qualität der Betreuung erstmal auf der Strecke bleibt. Hunzinger: „Das kann aber keine Dauerlösung für die Kitas sein.“ Zwar habe auch sie kein Mittel zur Akut-Lösung parat, doch schon jetzt müssten Maßnahmen wie beispielsweise eine bessere Bezahlung der Fachkräfte in Kitas konsequent umgesetzt werden. Sonst könnte sich die Lage weiter verschlimmern.

Weil irgendwann könnte es passieren, dass zwar Räumlichkeiten zur Kinderbetreuung in Baden-Württemberg vorhanden sind, es aber an Personal fehlt. Hunzinger: „Schon jetzt sind es in der Kinderbetreuung Zustände wie in der Pflege, wo Bedarf und räumliche Kapazitäten vorhanden sind, es aber an qualifizierten Fachkräften fehlt.“ Und genau wie der Fachkräfte-Mangel in der Pflege* ist der Preis für das Fehlen der pädagogischen Fachkräfte in Kitas hoch. Denn am Ende kostet es die Qualität.

Baden-Württemberg: Lösungen für Kita-Fachkräftemangel - wo klemmts?

Fünf Kita-Gruppen in Dortmund mussten wegen Coronavirus-Verdacht geschlossen werden. (Symbolbild)

Auch Kathrin Bock-Famulla, die Bildungsexpertin der Bertelsmann-Stiftung, sieht im Fachkräftemangel* die Gefahr einer sinkenden Betreuungsqualität. Sie schlägt deshalb vor, vermehrt Hauswirtschafts- und Verwaltungskräfte einzusetzen, um die Fachkräfte in Kitas zu entlasten. Hier ist nur das Problem, dass sich in Kitas die Betreuung und die Verwaltung oft nicht zu Einhundert Prozent trennen lassen. Sprich: Oft braucht es Kontakt und Erfahrung für verwaltungstechnische Aufgaben.

Hunzinger: „Wir können kein qualifiziertes Personal herzaubern.“ Umso wichtiger sei es, jetzt die Weichen richtigzustellen. Sei es durch eine bessere Bezahlung oder eine attraktivere Ausbildung. Und wie essenziell eine gute Kinderbetreuung ist, zeigte die Betreuungssituation in der Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg* nur zu gut. Sollte eine qualitativ hochwertige Betreuung deshalb nicht auch Priorität haben? *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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