Umweltverträglich und sicher

Gefährliche Abfälle: Neue Sondermülldeponie im Salzbergwerk geplant – Umweltschützer schlagen Alarm

Eine Frau aus Frankfurt wird seit Oktober vermisst. Laut Polizei ist sie tot. Wochenlang werden nun Müll-Reste in Flörsheim durchsucht.
+
Eine Frau aus Frankfurt wird seit Oktober vermisst. Laut Polizei ist sie tot. Wochenlang werden nun Müll-Reste in Flörsheim durchsucht. Es ist nicht das erste Mal.
  • Julia Cuprakowa
    vonJulia Cuprakowa
    schließen

Die Umweltminister Baden-Württembergs und Bayerns unterzeichnen eine politische Rahmenvereinbarung über Entsorgung gefährlicher Abfälle. Umweltschützer halten die vereinbarten Pläne für zu riskant. 

Was passiert mit sogenannten gefährlichen Abfällen in Baden-Württemberg und Bayern? Wo werden diese Abfälle, die vor allem aus der Industrie stammen, auf Dauer deponiert? Mit diesen Fragen haben sich die Länder gemeinsam beschäftigt und eine politische Rahmenvereinbarung über eine strategische Partnerschaft zur gegenseitigen Unterstützung bei der Entsorgung gefährlicher Abfälle ausgearbeitet.

So soll der Sondermüll aus Bayern künftig in einer baden-württembergischen Untertagedeponie der Südwestdeutschen Salzwerke bei Heilbronn verbracht werden. Umgekehrt können die Baden-Württemberger ihre zu verbrennenden Abfälle zu einem Großteil in die Verbrennungsanlage nach Ebenhausen in Bayern bringen. Doch nicht alle sehen die Vereinbarung so vorteilhaft und positiv wie die Umweltminister von Bayern und Baden-Württemberg.

Baden-Württemberg und Bayern schließen strategische Partnerschaft zur Abfallentsorgung

Bereits seit Jahren besteht bei der Entsorgung von Sonderabfällen eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Grundlage ist die langfristig angelegte Entsorgungssicherheitsvereinbarung zwischen Baden-Württemberg und der Sonderabfall-Entsorgung Bayern GmbH (GSB) vom April 2012. Diese räumt der baden-württembergischen Wirtschaft ein Verbrennungskontingent ein. Das heißt: Sobald in BW ein Entsorgungsengpass angemeldet ist und solange die Entsorgung bayerischer Abfälle bei der GSB sicher gewährleistet ist, können Baden-Württemberger ihren Müll in Bayern verbrennen lassen. Gemeinsam mit der Abfallverwertung Augsburg (AVA) besteht darüber hinaus ein leistungsfähiger Anlagenverbund zur Entsorgung spezieller Abfälle aus dem Gesundheitswesen.

Baden-Württemberg setzt sich im Gegenzug dafür ein, dass GSB und AVA langfristig gesicherte Untertageentsorgungskontingente bei einer Untertagedeponie des Südwestdeutschen Salzwerke AG (SWS) und der zum Konzern gehörenden Umwelt Entsorgung und Verwertung GmbH (UEV) Untertageverwertungen eingeräumt werden. Die Anlagen befinden sich an den Standorten Heilbronn und Bad Friedrichshall in Baden-Württemberg. Wegen der Rahmenvereinbarung wollen SWS und UEV nun eine neue, langfristige Untertagedeponie in Heilbronn planen. Wenn sie alle Anforderungen der Genehmigungsbehörden erfüllt, könnte sie 2029 fertig sein und wäre auf 30 Jahre Betriebsdauer angelegt.

„Mit der Laufzeit der Vereinbarung bis weit in das nächste Jahrzehnt hinein dokumentieren Baden-Württemberg und Bayern ihren Willen zur langfristigen Zusammenarbeit bei der Entsorgung solcher Abfälle im Interesse von Entsorgungs- und Planungssicherheit“, heißt es auf der Homepage vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.

Sondermülldeponie in Salzbergwerk Heilbronn geplant – Umweltschützer schlagen Alarm

Umweltschützer stehen den Plänen kritisch gegenüber und halten sie für riskant. „Wir lehnen den Ausbau der Sondermülldeponie im Salzbergwerk Heilbronn ab, weil wir mittelfristig Risiken für das Grundwasser befürchten“, erklärt Gottfried May-Stürmer, Regionalgeschäftsführer vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) Heilbronn-Franken, auf Nachfrage von echo24.de*

„Die Grundwasservorkommen oberhalb des Salzbergwerks sind mit die größten in Nordwürttemberg. Ihre Verschmutzung wäre für die Trinkwasserversorgung der Zukunft gravierend“, erklärt der Umweltschützer. Er kündigte an, die Verantwortlichen des Umweltministeriums würden noch vom BUND hören. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema