Neue Erkenntnisse zu Corona-Impfung

AstraZeneca und Johnson & Johnson: Ist DAS die Ursache für die Nebenwirkungen?

Aus einem Impfstofffläschchen von Astrazeneca wird eine Spritze mit dem Inhalt aufgezogen.
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Forscher haben neue Erkenntnisse zum AstraZeneca-Impfstoff. Könnten auf diesem Weg Blutgerinnsel nach der Impfung verhindert werden? (Symbolbild)
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    vonChristina Rosenberger
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Bei dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca gibt es immer wieder schwere Nebenwirkungen. Jetzt haben Forscher eine Vermutung, woher die Hirnvenenthrombosen kommen.

Seit über einem Jahr stecken wir in der Corona-Pandemie fest. Mittlerweile sind wir mit der dritten Welle konfrontiert und die Infektionszahlen mit Covid-19 steigen wieder massiv an – trotz Lockdowns, Ausgangssperren, Abstands- und Hygieneregeln. Den einzigen Ausweg scheinen Impfungen gegen das hochansteckende Virus und seine Mutationen zu bieten. Doch die Vektorimpfstoffe von AstraZeneca und kürzlich auch Johnson & Johnson haben mit seltenen, aber extrem schwerwiegenden Nebenwirkungen zu kämpfen.

Die Folge: Johnson & Johnson musste die Markteinführung für sein Vakzin in der EU nochmals nach hinten verschieben und AstraZeneca hat immer wieder Probleme mit Impf-Empfehlungen – und vor allem mit dem Vertrauen innerhalb der Gesellschaft*. Um herauszufinden, woher die massiven Nebenwirkungen kommen, und wie sie verhindert werden können, arbeiten Forscher mit Hochdruck an der Analyse – so haben jetzt deutsche Experten möglicherweise einen Ansatzpunkt.

Kritik an Vektor-Impfstoffen: Deutsche Experten schlagen Lösungsansätze vor

Da die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson beide Vektor-Impfstoffe sind, vermuten die Analysten laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass die Nebenwirkungen mit dem speziellen Typ dieser Impfstoffe zusammenhängen. „Die Tatsache, dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist“, sagte Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn gegenüber der dpa. Allerdings sei das zum gegenwärtigen Zeitpunkt spekulativ.

In beiden Präparaten wird als sogenannter „Vektor“ ein an sich harmloses Adenovirus genutzt. Das soll Erbinformationen des Coronavirus in den Körper schleusen. Theoretisch ist es laut Oldenburg aber auch denkbar, dass das Spike-Protein des Virus die Nebenwirkungen verursacht. Das wird in allen verfügbaren Impfstoffen genutzt, um dem Immunsystem zu zeigen, wie es Abwehrstoffe bilden soll. Als dritte Möglichkeit sieht Oldenburg, dass die Nebenwirkungen „unspezifisch im Rahmen der allgemeinen Immunantwort ausgelöst“ würden.

Corona-Impfung mit Vektor-Impfstoffen: Lösen Adenoviren die Nebenwirkungen aus?

Der Forscher ist nicht alleine mit seinen Vermutungen – auch Clemens Wendtner, der Chefarzt an der München-Klinik Schwabing, unterstützt die These, dass der Vektor eine Rolle spielt. Er denkt, dass den Nebenwirkungen bei beiden Impfstoffen ein ähnlicher Mechanismus zugrunde liegt. „Da stellt sich die Frage, ob es hier einen Klasseneffekt gibt, also die Adenoviren, die als Vektoren genutzt werden, die Probleme auslösen“, erklärte Wendtner gegenüber der dpa.

Andere Experten wie Andreas Greinacher von der Universitätsmedizin Greifswald gehen nicht davon aus, dass der Vektor das Problem bei den Corona-Impfungen mit AstraZeneca und Johnson & Johnson ist. Er vermutet, dass die Betroffenen im Verlauf der Immunreaktion bestimmte Antikörper bilden. Diese aktivieren dann die Blutplättchen, was wiederum zu Blutgerinnseln führt.

Corona-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson: Sind die Impfungen überdosiert?

Falls sich diese Theorie bestätigt, liefert Greinacher gemeinsam mit seinem Team direkt einen Lösungsvorschlag. Laut DerStandard schlagen die Forscher vor, nur die halbe Dosis des Impfstoffs zu verabreichen, um die Immunreaktionen etwas abzuschwächen. Nach Greinachers Vermutung könnte Vaxzevria, wie das Präparat von AstraZeneca mittlerweile heißt, schlicht überdosiert sein.

Bei diesem Symptomen nach der Impfung solltet Ihr sofort zum Arzt gehen:

Bei einer Sinusvenenthrombose kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel. Das macht sich vor allem durch Kopfschmerzen bemerkbar, auch epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen können auftreten. Ein Mangel an Blutplättchen wiederum führt zu einer erhöhten Blutungsneigung. Als Symptome treten punktförmige Einblutungen in die Haut oder Schleimhäute auf, gelegentlich auch starkes Nasenbluten.

In jedem Fall ist die Forschung an den Nebenwirkungen der Impfstoffe essenziell für ihre weitere Verwendung – und schon jetzt ein kleiner Teilerfolg. Denn mittlerweile weiß man, wie man Fälle von Sinusvenenthrombosen erkennt und behandeln kann. Bei Verdacht einer immunbedingten Thrombozytopenie, die sich in den Tagen nach der Impfung bemerkbar macht, sollten Tests auf sogenannte „PF4-Antikörper“ und Blutplättchen gemacht werden. Dann können Ärzte die teils lebensbedrohlichen Nebenwirkungen rasch mit entsprechenden Medikamenten behandeln und im besten Fall verhindern, dass sie tödlich ausgehen.

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