Kanzler-Frage und CDU-Vorsitz

Röttgen nimmt Merkel beim Wort: Kanzlerin blüht nun ein pikantes Problem

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nimmt neben dem Ausschussvorsitzenden Norbert Röttgen (CDU) an der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages teil.
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Norbert Röttgen und Angela Merkel Anfang 2019 im Auswärtigen Ausschuss - die beiden CDU-Politiker verbindet eine schwierige gemeinsame Historie.
  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Norbert Röttgen gilt im Kampf um die CDU-Spitze als Außenseiter. Doch die Kanzlerin hat er nun einfach mal beim Wort genommen - wie reagiert Angela Merkel?

  • In der CDU tobt der Kampf um den Parteivorsitz - und das noch bis mindestens Dezember.
  • Norbert Röttgen hat auch die Kanzlerschaft im Visier. Zu diesem Zweck wünscht er sich nun auch von der Kanzlerin eine Aufwartung.
  • Angela Merkel hatte zuvor die Konkurrenten Laschet und Söder besucht. Ein Termin bei Röttgen wäre aber besonders pikant.

Königswinter/Berlin - Bei der Sommer-Pressekonferenz der Kanzlerin sorgte das Thema noch für Erheiterung - doch nun macht Norbert Röttgen ernst. Ernst mit einem kleinen Augenzwinkern zumindest: Nach Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU) wünscht nun auch der dritte der vier mutmaßlichen Unions-Kanzlerschaftsanwärter einen Besuch von Angela Merkel.

Merkel "wartet auf Einladung"? Röttgen nimmt Kanzlerin beim Wort

Als Merkel am 1. September gefragt wurde, ob nach den Herrenchiemsee-Bildern mit Söder und der Visite in Düsseldorf nun auch ein Termin bei Röttgen anstehe, hatte die Kanzlerin mit einem amüsierten Lächeln reagiert: Anders als im Falle der beiden Ministerpräsidenten habe sie von ihrem CDU-Fraktionskollegen "noch keine Einladung bekommen", sagte sie. Genau die hat Röttgen nun offenbar nachgeholt.

„Die Kanzlerin ist auch bei mir und in meinem Wahlkreis sehr herzlich willkommen“, sagte er am Dienstag dem TV-Sender n-tv. Das habe er ihr auch bereits ausgerichtet. „Ich bin kein Regierungschef“, sagte Röttgen mit Blick auf NRW-Ministerpräsident Laschet und den bayerischen Landeschef Söder. „Aber ich habe mich sehr darüber gefreut, dass die Kanzlerin* mitgeteilt hat, auf diese Einladung zu warten.“

Ein Treffen von Merkel und Röttgen hätte durchaus eine pikante Note: 2012 hatte Merkel ihren damaligen Umweltminister nach partei- und kabinettsinternem Streit aus dem Amt entlassen*, offenbar gegen dessen erklärten Willen. Röttgen zog sich daraufhin zunächst weitgehend aus der Spitzenpolitik zurück.

Röttgen stellt Merkel vor ein Problem: „Sie können sich vorstellen, ...“

Der mittlerweile 55 Jahre alte CDU*-Parteifreund Merkels gab sich nun dennoch entspannt. „Sie können sich vorstellen, dass ich sie sehr gerne in meinen wunderschönen Wahlkreis - zum Beispiel im wunderschönen Siebengebirge - einladen werde“, fügte Röttgen hinzu. Einen konkreten Termin gebe es bislang nicht. Die Einladung an Merkel werde noch „formgerecht erfolgen“.

Abzuwarten bleibt, ob Merkel dann auch tatsächlich folgt. Bei ihrer Sommer-Pressekonferenz hatte sie in dieser Frage betont, „natürlich" könne man reden.

Der Kanzlerin könnte dann auch noch eine dritte Reise nach Nordrhein-Westfalen ins Haus stehen. Schließlich ist mit Friedrich Merz ein weiterer Politiker aus dem Bundesland - in dem zunächst an diesem Sonntag (13. September) Kommunalwahlen* anstehen - im Rennen um Kanzlerkandidatur und CDU-Vorsitz. Auch mit Merz verbindet Merkel eine konfliktbehaftete Historie.

Kanzler-Frage und CDU-Vorsitz: Röttgen, Merz und Laschet im Rennen - Entscheidung soll im Dezember fallen

Röttgen bewirbt sich ebenso wie Laschet und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz um den CDU-Vorsitz. Die Entscheidung soll auf einem Parteitag im Dezember fallen. Der nächste CDU-Chef gilt ebenso als möglicher Kanzlerkandidat der Union wie CSU-Chef Söder. Die besten Umfragewerte im Kanzlerrennen konnte zuletzt Söder verzeichnen.

Röttgen übte in dem n-tv-Interview auch Kritik an Merz und Laschet. Beim Thema Frauen-Quote in der CDU habe er eine klare Befürworter-Position - anders als seine Konkurrenten, die im Ungefähren blieben. „Ich finde in so einer überschaubaren Frage sollte ein CDU-Vorsitzender eine klare Position haben“, betonte er. (fn/AFP) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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