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Affenpocken: Deutschland bereitet Maßnahmen vor – diese Regeln könnten kommen

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Von: Lisa Klein

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Das Affenpockenvirus breitet sich aus. Experten erwarten bald deutlich mehr Fälle auch in Deutschland. Der Bund bereitet nun Eindämmungsmaßnahmen vor.

In Deutschland gibt es kaum noch merkbare Coronamaßnahmen – endlich, nach 2,5 Jahren Pandemie scheint langsam Normalität einzukehren. Klopft nun bereits die nächste Pandemie an die Tür? Seit mehreren Tagen ist überall von den Affenpocken zu lesen, denn das „Affenpockenvirus“ breitet sich momentan in Europa aus.

Affenpockenviren sind vor allem in West- und Zentralafrika verbreitet. Sie lösen eine pockenähnliche Erkrankung aus, die in der Regel einen milden Verlauf hat, aber im schlimmsten Fall auch tödlich enden kann. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch gilt als selten, ist aber möglich. Auch in den Jahren hatte es in westlichen Ländern Affenpocken-Fälle gegeben – allerdings nur vereinzelt und hauptsächlich auf Ansteckungen in Afrika zurückgehend. Bei den nun erfassten Fällen handelt es sich inzwischen um Infektionsketten innerhalb westlicher Länder. 

Am Donnerstag, den 19. Mai 2022, wurde der erste Affenpocken-Patient in Deutschland bestätigt. Am Montagnachmittag teilte das Land Baden-Württemberg mit, dass nun auch der erste Affenpocken-Fall im Südwesten bestätigt wurde. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) werden nun Maßnahmen zur Eindämmung des Virus erarbeitet. Droht jetzt die nächste Pandemie? Welche Maßnahmen kommen auf uns zu?

Affenpocken breiten sich aus: Deutschland bereitet Eindämmungsmaßnahmen vor

Experten rechnen mit weiteren Fällen von Affenpocken in Deutschland. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) geht von einer Vielzahl bereits erfolgter Affenpocken-Infektionen in Deutschland aus, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Der Ulmer Virologe Thomas Mertens sagte am Montag dem Südwestrundfunk, er gehe davon aus, dass sich schon etliche Menschen in Deutschland über enge Kontakte infiziert haben. Und dass man in der nächsten Zeit weitere Fälle identifizieren werde.

Aber: Zugleich betonte der Stiko-Vorsitzende, dass Affenpocken weniger gefährlich seien als das Coronavirus: „Ich glaube, kein Fachmann nimmt an, dass man mit diesem Virus eine ähnliche Situation erleben wird wie mit Corona.“ Etwa 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung seien früher gegen die Pocken geimpft worden. Und man wisse, dass dieser Impfschutz auch gegen dieses Affenpockenvirus wirksam sei. In der Bundesrepublik sei eine Pockenimpfung bis 1975 für Einjährige Pflicht gewesen, in der DDR sei die Impfpflicht 1982 aufgehoben worden.

Eine Infografik klärt über die Virusinfektion Affenpocken auf.
Die Affenpocken breiten sich in Deutschland aus. (Infografik) © picture alliance/dpa/dpa Grafik | dpa-infografik GmbH

Der Übertragungsweg bei den Affenpocken sei zudem sehr viel eingeschränkter als bei Coronaviren, die sehr leicht über die Luft übertragen werden. Der Übertragungsweg bei den Affenpocken erfordere einen wesentlich engeren Kontakt zwischen dem Infizierenden und dem Infizierten, erklärte der Virologe. Offen sei jedoch noch, ob sich das seit mehr als 40 Jahren bekannte Virus womöglich verändert habe, sagten Fachleute der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag in Genf. Dennoch sind Maßnahmen zur Eindämmung des Virus für die breite Bevölkerung wie während der Corona-Pandemie doch höchst unwahrscheinlich.

Affenpocken: Deutschland erarbeitet Quarantänemaßnahmen zur Virus-Eindämmung

Für Deutschland würden aktuell Empfehlungen zu Isolation und Quarantäne erarbeitet, sagte Lauterbach am Montag am Rande der Weltgesundheitsversammlung in Genf, wie die dpa berichtet. Er gehe davon aus, dass sie bereits an diesem Dienstag vorgelegt werden könnten. Zudem werde über Impfempfehlungen für besonders gefährdete Personen nachgedacht. Er habe schon Kontakt mit einem Hersteller aufgenommen, der Impfstoffe spezifisch für Affenpocken herstellt, so Lauterbach.

Am Dienstagmittag (24. Mai) wollen Lauterbach, RKI-Präsident Lothar Wieler und der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, bei einer Pressekonferenz am Rande des 126. Deutschen Ärztetages in Bremen über den Affenpocken-Ausbruch informieren.

Affenpocken: Diese Quarantäneregelungen gibt es bereits in anderen Ländern

Welche Quarantäneregeln könnten auf Deutschland zukommen? Hier hilft ein Blick auf andere Länder: Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA setzte am Montag als empfohlene Quarantänezeit für enge Kontaktpersonen von Infizierten drei Wochen fest. Belgische Behörden ordnen eine 21-tägige Isolation für Infizierte an, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Montag bestätigte. Für Kontaktpersonen gilt dies dort nicht, ihnen wird nur zu besonderer Vorsicht geraten.

Extrem wichtig ist der Virologin Isabella Eckerle von der Universität Genf zufolge die Isolierung Betroffener in Kliniken. Quarantäne finde er „in dieser Phase richtig und wichtig“, schrieb der Charité-Infektiologe Leif Sander bei Twitter. Es handle sich um einen sehr dynamischen globalen Ausbruch und über sein Ausmaß und die Infektionskette sei momentan noch zu wenig bekannt. Alle engen Kontaktpersonen von Infizierten sollten isoliert werden, um weitere Übertragungen bestmöglich zu verhindern. echo24.de berichtete bereits darüber, was vermeintlich Infizierte mit dem Affenpockenvirus tun sollten.

Affenpocken: Weltärztebund befürwortet Impfangebot für „besonders gefährdeten Gruppen“

In Großbritannien gilt als Kontaktperson mit hohem Risiko für eine Ansteckung, wer im Haushalt mit einer erkrankten Person lebt, mit einer solchen Geschlechtsverkehr gehabt oder deren Bettwäsche ohne Schutzkleidung gewechselt hat, wie es von der Behörde UKHSA hieß. Diese Gruppe soll demnach auch eine schützende Impfung erhalten. Verwendet werde ein Vakzin der „dritten Generation“ gegen die als ausgestorben geltende Pockenkrankheit beim Menschen. Experten gehen davon aus, dass solche Pockenimpfstoffe auch gegen die Affenpocken gut schützen.

Der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, ist wegen der höheren Risiken für Ungeimpfte für ein Impfangebot. „Es wäre deswegen sinnvoll, allen Jüngeren, die nicht mehr unter die Pockenimpflicht gefallen sind, jetzt ein Impfangebot zu machen“, sagte er der Funke Mediengruppe. „Wir sollten dabei in erster Linie an die aktuell besonders gefährdeten Gruppen denken – also in der Regel jüngere Männer mit vielen wechselnden Sexualkontakten.“

Sollten sich die Affenpocken von Menschen auf Tiere übertragen und in einer Tierpopulation ausbreiten, könnte die Krankheit in Europa endemisch werden, warnte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC am Montag in Stockholm. Es gelte momentan vor allem, Infektionen von Haus- und Wildtieren zu verhindern.

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